Der Vorwurf: "Dir geht es zu gut".... brauche Rat

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von Lostkid, 19. Mai 2015.

  1. Gast

    Lostkid

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    Hallo,

    auch wenn mein Name es impliziert, ich bin schon 21 Jahre alt. Habe seit ich 16 bin mit Essstörungen zu kämpfen, im ständigen Wechsel zwischen restriktiven Phasen und Binging. Daher schwankt mein BMI auch zwischen 17 und ca 22/23. In den letzten Jahren ging es und ich hielt ihn immer im Normbereich bei 19 - 20 ca....für mich allerdings nicht ok, ich finde mich ekelhaft und sehe immer nur die vielen schlankeren Mädchen. Allerdings bin ich sehr aktiv, sodass ich Energie brauchte und die ES versuchte, hinten anzustellen. Latent war sie aber immer da, ich hatte komische Angewohnheiten, esse nie in Gesellschaft. Auch depressiv bin ich immer mal wieder. Viele Behandlungen nutzten nichts.

    Während ich noch zuhause wohnte bekamen meine Eltern alles mit, klar - entweder das fasten (bis zu mehreren Wochen) oder die Phasen, in denen ich mich im Zimmer einschloss und fraß...Unmengen...wochenlang.....zu dem Zeitpunkt wollte ich mein Leben nur noch beenden.
    Irgendwie zog ich dann aus nach einem 1er -Abitur mit Preis und Stipendium...ich hatte die Schule geschwänzt und nur noch zuhause gelernt, aber mit Attest, sodass ich als "entschuldigt" galt. Keiner wusste, dass es wegen der ES und der Depressionen war; nein, man meinte aufgrund meiner guten Noten, dass ich arrogant wäre und wohl denken würde, ich brauche die Schule nicht. :( Dabei war sie mir nur zu .... anstrengend....vor allem Leute konnte ich nicht ertragen. Auch heute nur schwer.
    Ich zog in eine eigene Wohnung und nahm alles Angefressene wieder ab bis ins leichte UG. Lernte meinen Freund kennen, brach aber das Studium ab und fing was Neues an. Irgendwie kriegte ich mein Leben wieder auf die Reihe. Nach dem Abi habe ich ja ca. 1.5 Jahre oder nich länger "nichts" gemacht. Nach außen natürlich immer getarnt, keiner wusste, dass ich die Uni nicht bsuchte. Nun ist es wie folgt:

    - Studium nehme ich wieder teil, fehle zwar oft und kämpfe jeden Tag, habe es aber bis ins 3. Semester mittlerweile geschafft mit sehr guten Noten und ich habe allgemein einen sehr guten Ruf an der Uni. Es ist ein sehr forderndes naturwissenschaftliches Fach mit großem Lernaufwand und hartem NC.
    - Mein Freund ist selbst sehr jung erfolgreich geworden und nun Anfang 30 Banker. Wir sind seit 3 Jahren zusammen, führen aber momentan eine Fernbeziehung, da er unbedingt nach Zürich wechseln wollte um dort besser zu verdienen etv....das hat mich sehr getroffen, wir wohnten vorher zusammen. Auch weiß ich seit kurzem dass er mir mal untreu war. Er ist ansonsten sehr besorgt und lieb aber wir sehen uns so selten und ich fühle mich immer verlassen und allein. Wenn wir uns mal sehen (alle 4 Wochen ca) machen wir abgehobene Sachen wie Kurztrips, Hotelreisen, Wellness oder so. Das hat mir anfangs wahnsinnig viel Spaß gemachrt aber mittlerweile, wo es mir wieder schlechter geht, will ich oft einfach nur zuhause sein. Mich verkriechen. In meiner kleinen Wohnung. Luxus stößt mich ab....keine Ahnung. Und ich kann ihm nicht verzeihen dass er weggezogen ist. Oft denke ich darüber nach die Beziehung zu beenden, auch aus anderen Gründen. Aber dann habe ich vermutlich niemanden mehr.
    - Auch meine Eltern unterstützen mich sehr, objektiv gesehen. Sie finanzieren mir meine Wohnung und Geigenunterricht. Ich habe ein Konzert im Herbst. Sogar mein Pferd das ich mit 15 bekommen habe finanzieren sie mir weiter. Sie sagen ich habe alles was man sich nur wünschen kann und haben kein Verständnis dafüpr, wenn ich mal nicht glücklich bin. Auch als ich so schwer krank war zuhause, hoch depressiv, haben wir das nie thematisiert. Meine Eltenr arbeiten viel und obwohl sie mich wirklich sehr lieben (daran zweifle ich nicht!") haben sie keine Kraft, sich mit solchen Problemen auseinanderzusetzen. Ich habe noch eine 2 Jahre jüngere Schwester aber wir stehen und nicht nahe. Sie hatte eine zeitlang Bulimie und Alkoholprobleme.

    Nun bin ich wieder in einer Phase in der ich absolut keinen Sinn sehe. Für alles. Warum anstrengen für die Uni. Wieso überhaupt anstrengen. Und mit der Lebenslust schwand der Appetit. Irgendwie will ich wieder auf mein Tiefstgewicht von 45 - 47 kg und nur noch hungern. Wenn ich hungerte, ging es mir zwar auch schlecht, aber auf andere Weise. Das Hungergefühl betäubt allen anderen Schmerz und die anderen Probleme treten in den Hintergrund. Es entsprocht irgendwie meinem Gefühl im Inneren, einfach nur leer zu sein.

    Meine Eltern werden böse, wenn ich sage, dass ich so empfinde. Sie sind besorgt aber sagen, ich sei einfach zu verwöhnt und solle mir mal leute mit RICHTIGEN Problemen ansehen! Schließlich gehe es mir so gut. Sie meinen, ich rede mir sowas ein, weil ich keine echten Probleme hätte. Und manchmal frage ich mich, ob sie recht haben. Und hasse mich dann noch mehr.
     
  2. ehemaliges Mitglied

    Püppchen

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    Dabei seit 23. Februar 2015
    Hallo Lostkid,

    natürlich gibt es Jemanden, dem es ganz bestimmt sehr viel schlechter geht als dir. Das gibt es immer. Selbst einem totkranken kann man sagen, dass er mal nicht traurig sein soll, immerhin gibt es irgendwo jemanden, dem es noch schlechter geht.
    Das ist alles relativ, denn was zählt, ist dass du Leid empfindest, unglücklich bist und deine Probleme dich belasten - ob dir das "zusteht" wegen deiner "so geringen" Probleme Belastung zu empfinden, darüber darf sich niemand ein Urteil bilden. Denn von Außen kann man nun einmal nicht nachfühlen, wie es anderen geht und sich auch kein Urteil darüber bilden.
    Wie gesagt, wenn man lange genug sucht würde man auch Leuten, denen die schrecklichsten Dinge wiederfahren sind noch belegen können, dass es irgendwo noch Jemand schlechter hat als sie.

    Allerdings kannst du deine Eltern nicht ändern und es kann gut sein, dass sie das nie wirklich verstehen werden.

    Du kannst dir diesbezüglich auch nur selbst helfen... finanziell bist du abgesichert, das ist doch schon mal gut! Um deine Gesundheit musst du dich leider selbst kümmern, das kann dir niemand abnehmen oder erleichtern. Weiß dein Freund von deiner Essstörung?
    Ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist jetzt alleine zu wohnen, nachdem du mit ihm zusammen gelebt hast. Aber seine Entscheidung auszuziehen, muss nicht gleich gegen dich gerichtet sein. Möglicherweise ist es ihm einfach wichtig, dir einen Luxus gewähren zu können und selbst finanziell keine Sorgen zu haben. Hast du mit ihm schon mal ganz offen geredet, dass dir der Luxus gar nicht so viel bedeutet? Vielleicht weiß er das gar nicht und denkt, dir etwas bieten zu müssen?

    Aber was ich damit alles sagen wollte: Du brauchst kein "schlechtes Leben" um Depressionen und andere psychische Probleme zu haben. Ich bin mir sicher, dass es Ursachen und Auslöser gibt - aber trotz einer liebenden Familie und vielen Möglichkeiten sein Leben zu gestalten, kann es eben trotzdem sein, dass man psychisch krank wird. Davor kann man niemanden behüten...

    Was für Therapiearten hast du denn ausprobiert und bist du auch mal medikamentös behandelt worden? Vielleicht war einfach noch nicht die richtige Art der Therapie / Hilfe für dich dabei?


    Liebe Grüße
    Püppchen
     
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  3. ehemaliges Mitglied

    Opheliac

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    Dabei seit 1. November 2014
    Hallo Lostkid :)

    Ich kann dein Problem bis zu einem gewissen Grad verstehen und nachvollziehen.
    Allerdings kann ich dich nur nach deiner Selbstbeschreibung beurteilen.
    Und du beschreibst dich schon, als wärst du ein verwöhntes Kind aus gutem Elternhaus.

    Du hast dein Pferd und den Geigenunterricht, bekommst alles finanziert und ärgest dich auch noch über denn Luxus, den du geboten bekommst.
    Die Art und Weise, wie Menschen dich wahrnehmen hängt stark davon ab, wie du dich gibst.
    Wenn du also Reaktionen bekommst, in denen deine Mitmenschen deine Probleme nicht ernst nehmen bzw. denken du würdest sie dir nur ausdenken, hängt das bestimmt auch damit zusammen, wie du dich präsentierst.
    Ich hatte bei deiner Beschreibung das Gefühl, dass du viel stärker unterstreichst, was du alles hast und weniger darauf eingehst, was du nicht hast bzw. was für Probleme du hast.

    Generell glaube ich nicht, dass materieller Wohlstand vor psychsichen Problemen schützen kann.
    Trotzdem muss ich beschämt zugeben, dass ich mir bei den reichen Kids auch immer denke "du hast doch gar keine Ahnung, was wirkliche Probleme sind".
    Mir ist zwar bewusst, dass es ein Vorurteil ist, aber ich kann diese Gedanken nur bedingt abstellen.
    (Vielleicht spielt da einfach eine gewisse Menge Neid mit?)

    Ich denke ganz viel hängt auch davon ab, wie man seine Probleme formuliert und auf welche Details man den Fokus legt.
    Wenn jemand über seine Beziehung redet und sagt "mein Freund bietet mir zu viel Luxus und ich habe keinen Spaß mehr daran" klingt das einfach ignorant und verwöhnt.
    Sagt man hingegen "mein Freund ist nie da und ich fühle mich sehr einsam und verlassen" ist das schon eine ganz andere Sache.

    Psychische Probleme kann man haben, wenn man reich, arm, dünn, dick, hübsch oder hässlich ist.
    Leider denkt man sich bei den reichen, dünnen und hübschen Menschen oft "stell dich nicht so an".

    Jetzt hast du mich aber neugierig gemacht?
    Was studierst du denn?
    Ich will dir nicht zu nahe treten, aber alleine dieser Satz klingt schon sehr arrogant und eingebildet.
    Wieso schreibst du denn nicht einfach, welches Studienfach du belegst, anstatt so eine großspurige Umschreibung zu gebrauchen?
    Worauf ich hinaus will, man nimmst dich so wahr, wie du dich gibst.

    Liebe Grüße,
    Opheliac
     
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  4. Gast

    Natascha

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    Hallo Lostkid,
    ich habe deinen Beitrag gelesen und hatte zwei unterschiedliche Gefühle im Bauch. Zum Einen etwas Unverständnis. Du zählst all die materiellen Dinge und Luxusgüter auf, die dir aber laut deinen Worten, nur wenig bzw. garnichts bedeuten. Ich bin mit 17 Jahren ausgezogen um studieren zu können. Ich musste alles selber verdienen. Musste immer arbeiten. Hatte teilweise neben meinem Studium bis zu 3 Jobs gleichzeitig. Also tu doch anderen den Gefallen, denen es finanziell nicht so gut geht wie dir und gib etwas von deinem Luxus ab. Kostenlose Reitstunden, finanzielle Unterstützung oder nimm einfach kein Geld mehr an von deinen Leuten, wenn es dir nichts bedeutet. Da habe ich Schwierigkeiten mit, denn mir wurde nie etwas geschenkt.

    Das andere Thema ist die Essstörung. Wie bereits genannt, ist es eine psychische Erkrankung. Treffen kann es im Prinzip jeden. Manche sind vielleicht leichter anfällig als Andere. Meine Schwierigkeit ist, dass ich aus deinem Beitrag nicht ablesen konnte, worauf du gerne eine Antort möchtest. Brauchst du Hilfe, um gesund zu werden oder hast du eine konkrete Frage?

    Sei mir nicht böse, aber ich weiß es wirklich nicht.
    Liebe Grüße,
    Natascha
     
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  5. Gast

    Kardesh

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    Hallo, Lostkid.

    Ich wette, dass hier liest du nicht mehr. Aber ich möchte hier gerne meine Antwort hinterlassen, für die, die es noch lesen möchten, weil mich persönlich dieser Text, und andere eventuell auch, in ziemliche Bedrängnis stürzt, unbedingt dazu etwas los zu werden.

    Auf das was Püppchen schrieb, kann jeder psychisch krank werden, auch die reicheren Leute oder einfach die, denen es gut geht. Und es gibt immer ein "noch schlechter", so wie es auch immer ein "noch besser" und "noch hübscher" und "noch mehr" gibt. Daran kann man gar nichts fest machen und man kann auch nicht sagen, nur weile andere Personen noch mehr Leidensdruck haben, darfst du nicht wegen deines Leidensdrucks leiden oder davor Angst haben.

    Aber etwas mehr stehe ich auf Opheliac's und Natascha's Seite. Opheliac schrieb, dass sie "sich schon sozusagen ihren Teil denkt" (zusammen gefasst auf ihren Text bezogen) und Natascha schrieb, dass wenn du schon mit dem Luxus wie zum Beispiel einem Pferd und Wellnessurlaub nichts anfangen kannst, dass du es dann wenigstens aus Herzen ablehnen könntest oder anderen Hilfe spenden könntest damit!

    Ich kann nur von mir reden im Moment: Wenn ich von dir persönlich gehört hätte, dann hätte ich dich vielleicht sogar gefragt, ob ich z.B. ein Reitbeteiligung auf dein Pferd haben könnte, oder ob ich es mal für dich pflegen dürfte oder so. Versteht das jemand? So viele Leute wünschen sich so viel und bekommen es ihr Leben lang nicht und manch andere schmeißen diese Vergütung wie Müll in die Tonne. Das finde ich traurig.

    Ich habe leider weniger Verständnis. Mag sein, dass du tatsächlich Probleme hast im Leben. Aber wenn du schon davon erzählst, solltest du sie nicht SO darstellen. Mein Tipp.

    Bin gerade etwas gebafft, weil mich der 1. Text von Lostkid im Therad so verwirrte.
    Grüße, Kardesh
     
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