Essstörungen - Eine Art Schizophrenie?

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von Tyla_26, 23. Juli 2017.

  1. Gast

    Tyla_26

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    Hallo ihr Lieben,
    Ich habe heute meine Bewerbung abgeschickt, also kurz zu mir: Ich bin 22 Jahre alt und versuche seit meinem 18.Lebensjahr mit meiner ES zu leben. Lebe in Österreich und bin Student :)

    Bezüglich meines Titels:
    Kennt ihr das auch, immer dieses hin und her zwischen zwei Ichs in dir selbst? Ich empfinde meine ES als eine zweite Person meiner selbst. Entweder mir geht es gut und mein "altes" Ich ist anwesend, bedeutet ich gehe mit Freude zum Sport und das Essen fällt etwas leichter, oder ich bin etwas depressiv und fühle mich in meinem Körper nicht wohl somit kommen diese Gedanken "du bist zu fett", "nimm ab", "nur wer dünn ist, ist erfolgreich" und so weiter.
    Was denkt ihr? Fühlt ihr euch auch manchmal so, als wärt ihr zwei Charaktere in einer Person?

    LG Tyla
     
  2. Member

    Juni

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    Dabei seit 5. Juni 2010
    Hallo Tyla,

    schön, dass du dich beworben hast. :)
    Ich bin gespannt drauf mehr von dir zu lesen.

    Hm.. also ich habe auch gute und schlechte Tage und kenne die Gedanken die du beschreibst. Aber ich empfinde es nicht als eine zweite Persönlichkeit und würde es nicht als schizophren bezeichnen.

    Wann kommen denn die negativen Gedanken bei dir?
     
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  3. Gast

    Tyla

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    Liebe Juni, häufig kommen die schlechten Gedanken nach einem "schlechten Tag".
    Als gutes Beispiel: Stress in der Arbeit und Lernstress, daraufhin habe ich eine Tafel (100g) Schokolade gegessen. Am nächsten Tag fühlte ich mich 10kg schwerer, weil ich den Sport ausfallen ließ und stattdessen Schokolade aß.
    Ich weiß dass ich ebenfalls eine Sportsucht habe, deshalb kommen diese Gedanken häufig wenn ich meinen täglichen Sport, aufgrund Krankheit / schlechter Laune / Müdigkeit etc., ausfallen lasse.

    Wann oder wie äußern sich bei dir die schlechten Tage?
    LG Tyla
     
  4. Member

    10gradminus

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    Dabei seit 16. Juli 2017
    Hmm, kenne das aus der Therapie insofern, dass dort ja auch manchmal ein Brief an die Essstörung geschrieben werden soll. Oder auch die ES bildlich dargestellt wird. Diese personifizierung dient dann ja gerade dazu, seine eigentliche Persönlichkeit davon abzugrenzen, wie man sich aufgrund der Krankheit verhält. Aber mir war das schon immer etwas suspekt, ich weiß ja, dass das eben ein Teil von mir und keine andere Person ist. Nicht irgendwer sonder ICH bin verantwortlich, ich handle, ich denke. Wenn ich den kranken Teil als separate Persönlichkeit betrachten würde, würde ich wahrscheinlich die Verantwortung abgeben, das ist zumindest mein Gefühl.
     
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  5. Gast

    Tyla_26

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    Liebe 10GRADMINUS
    Deine Worte sind sehr interessant und ich muss dir auch zustimmen. Mir wurde von meiner Schwester immer gesagt ich habe mich verändert und manchmal bin ich so wie ich früher war. Deswegen auch die Vermutung zweier Personen in einer.
    Ich studiere Geschichte und habe sehr viel mit Siegmund Freud zu tun (irgendwie witzig) beziehungsweise habe ich in meiner Schule sehr viel über ihn, C. S. Peirce und S. Weaver gelernt. Deswegen interessiere ich mich auch sehr für das Thema von Freud -> ich und ein anderer.

    Einen Brief an meine ES zu schreiben klingt eigentlich interessant, aber für mich auch etwas suspekt.
    Bildlich diesen Konflikt zwischen "gesund" und "ES" habe ich häufig in meinem Tagebuch versucht darzustellen. Aber ist dennoch jeder sein Ding
     
  6. Modmiss

    Marii

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    Top Poster des Monats

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    29 Jahre alt
    Dabei seit 20. März 2007
    Hallo Tyla,

    Mir geht es da gleich wie Juni, würde es eher teilweise als Depression beschreiben als aus zweite Persönlichkeit. Manchmal kommen die Gedanken auch, wenn die Essstörung im Kopf überhand nimmt und mich probiert in die falsche Richtung zu lenken. Denke solche Gedanken werden nie ganz weggehen, manchmal sind sie stärker vorhanden, manchmal nicht.
     
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  7. Member

    Dizzi

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    20 Jahre alt
    Dabei seit 6. September 2016
    Ich möchte an dieser Stelle einwerfen, dass Schizophrenie nicht mehrere Personen in einem Menschen sind, sondern Psychosen, häufig einhergehend mit Halluzinationen, wodurch Betroffene häufig sehr paranoid werden.
    Schizophrenie und multiple Persönlichkeiten sind zwei unterschiedliche paar Schuhe.

    Ansonsten kenne ich das auch nicht. Jede Aktion unternehme ich selbst. Wenn würde ich es noch am ehesten vlt. mit Zwängen vergleichen.
     
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    Marii und Mariella. gefällt das.
  8. Member

    juliemarie

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    24 Jahre alt
    Dabei seit 18. Juli 2017
    Hallo Tyla :)
    Ich kenne diese zwiespältigen Gefühle aber mit Schizophrenie würde ich es auch nicht vergleichen, dazu hab ich auch nicht genug Fachwissen darüber :D
    Ich bin an "guten" Tagen ein aufgeschlossener, selbstbewusster Mensch und sprühe vor guter Laune. An "schlechten" Tagen verliere ich diese Eigenschaften, bin manchmal unfair, missgünstig und vorwurfsvoll (sogar gegenüber Freunden), kann meine negativen Gefühle gar nicht kontrollieren und bin überhaupt nicht belastbar, dabei würde ich dies nicht als Charaktereigenschaften von mir bezeichnen und kann es auch gar nicht erklären. Deswegen meide ich es dann auch das Haus zu verlassen und wenn der Kontakt nicht zu vermeiden ist und ich mich anders verhalte als ich es eigentlich tun würde, weil die Krankheit in meinem Kopf mich "leitet", bin ich auch oft sauer auf mich selbst. So will ich ja schließlich gar nicht sein aber das "kranke Ich" kommt heraus und zwingt mich statt einem guten Mensch, der ich eigentlich bin, ein schlechter zu sein, so fühlt es sich an. Ob ein Tag gut oder schlecht ist, ist immer nur von meinem Essverhalten abhängig.
     
  9. Gast

    Tyla_26

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    Liebe Juliemarie, du sprichst mir aus der Seele. Deine Schilderung erinnert mich bis auf einen Punkt an mich selbst. Wenn meine ES-Gedanken ausbrechen fühle ich mich als wäre ich der schlechteste Mensch auf der Welt. Nach meinen Freunden und Freund stimmt das aber nicht. Ja als Schizophrenie kann ich es wirklich nicht bezeichnen. Ich habe auch darüber kein Großes Fachwissen. Jedoch wusste ich nicht wie ich dieses Gefühl beschreiben sollte.
    Denn ich fühle mich an den "schlechten Tagen" wie eine Andere Person. Wenn ich über Schizophrenie nachdenke, kommt mir der Roman Dr. Jekyll und Mr. Hyde in den Sinn. Bei dieser Geschichte geht es auch über Schizophrenie.

    Weil du auch so ungern alleine zuhause bist, bist du häufiger bei deinen Eltern oder Freund/ Freunde?
     
  10. Member

    juliemarie

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    24 Jahre alt
    Dabei seit 18. Juli 2017
    Ja, ich finde es wirklich problematisch und kann mich dann gar nicht leiden, kann aber in der akuten Lage auch nicht anders handeln/denken. Habe noch keinen Weg gefunden damit umzugehen, meistens sage ich dann Termine/Verabredungen ab und versinke einfach für mich allein in Selbstmitleid/Wut/der ES.

    Ich wohne in einer Eigentumswohnung meiner Eltern, wenn ich zuhause bin bei Ihnen, esse auch dort, was für mich schwer ist und weswegen ich es meide, zuhause zu sein, habe Angst vor den Maßen an Essen die zuhause sind. Bin meistens beim
    Sport/meinen Pferden/arbeiten, wenn eine Lücke entsteht verabrede ich mich mit Freunden, wenn niemand Zeit findet überbrücke ich mit dummen Tätigkeiten. Besonders oft gehe ich dann shoppen oder fahre unsinnig mit dem Auto herum, anders kann ich mich nicht ablenken.
     
  11. Member

    juliemarie

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    24 Jahre alt
    Dabei seit 18. Juli 2017
    Kann leider meinen Beitrag gar nicht bearbeiten, wollte eigentlich noch fragen wie du damit umgehst, wie integrierst du das in deinen Alltag? Für mich ist das extrem schwer, manchmal bin ich dann total unfähig die einfachsten Dinge zu bewältigen, geschweige denn zur Arbeit oder in die Uni zu gehen
     
  12. Gast

    Tyla_26

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    Liebe Juliemarie,

    Ich verstehe deine Reaktion bezüglich in Selbstmitleid versinken sowie Wut oder Heulkrämpfe etc., ist bei mir ähnlich.

    Ich wohne nicht mehr bei meinen Eltern, sondern mit meinem Freund in einer 50m^2 Wohnung in Wien, weil ich an der Uni Wien studiere. Mein Freund weiß von meiner ES und unterstützt mich sehr liebevoll in allen Situationen.

    Ich werde gefragt ob ich etwas essen will oder nicht. Wenn er lust auf Pizza hat und ich gerade in einer schlechten Phase bin, fragt er ob ich einen Salat bei der Pizzeria bestellen will. Oder schwingt gleich auf Sushi um, weil das kann ich i-wie immer essen ohne schlechtem Gewissen.

    Einziges Muss, ich muss 1mal am Tag warm essen. Wenn ich den ganzen Tag nur 1mal esse oder zusätzlich Frühstücke / Abend esse ist egal. Es soll mir gut gehen, das ist ihm wichtig.

    Wenn er zuhause bei seinen Eltern ist und ich nicht nach Hause fahren kann oder mit meinem Freund mit, ist es schwer mich an diese Regel zu halten. Wenn ich alleine bin vergesse ich aufs Essen… Beziehungsweise bin ich unfähig den Haushalt zu schmeißen wenn ich alleine bin und meine schlechten Gedanken überhand nehmen.

    Ich habe auch häufig mit der Situation zu kämpfen überhaupt zur Uni zu gehen. In die Arbeit muss ich, da geht kein Weg rum. Meistens heule ich stundenlang und kurz vor Aufbruch Richtung Uni, reise ich mich zusammen und gehe raus ohne einer Träne im Gesicht.

    Ich habe mir im Laufe der Jahre eine Maske antrainiert, welche ich aufsetze um andere „in die Irre“ zu führen. Also sie dient mir als Schutz vor Diskussionen. Es soll keiner Wissen das ich traurig oder wütend bin. Ich tu einfach so, als wäre es einer meiner schönsten Tage obwohl ich innerlich zerbreche.
     
  13. Member

    juliemarie

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    24 Jahre alt
    Dabei seit 18. Juli 2017
    Wien ist so wunderschön *awww* aber das wird ein bisschen Offtopic :D

    Das klingt auch sehr schwierig bei dir! Aber schön, dass dein Freund so viel Verständnis hat, ich glaube das ist gar nicht so einfach, wenn man es nicht selbst durch macht.
    Ich habe auch einige Lebensmittel die quasi "ungefährlich" sind, obwohl ich weiß, dass sie nicht frei von Kalorien sind. Bei mir ist das komischerweise Eis und Suppe eigentlich auch immer, denke wegen der Konsistenz :D

    Heute habe ich leider selbst das beste Beispiel für dieses Thema gebracht :19. confused:
    Hab schon ziemlich früh gemerkt, dass es ein schlechter Tag ist (da gibt es bei mir nur schwarz oder weiß), bin dann entsprechend sensibel und ein falsches Wort wirft mich direkt aus der Bahn. Habe dann einen Streit mit meinem Freund angezettelt weil er knapp geantwortet hat, der Streit hat meine Situation dann natürlich nur noch verschlimmert und mich in eine schlimme Fressattacke getrieben. Ich bin wirklich nicht schnell eingeschnappt und eigentlich wirklich locker, nur wenn die ES in meinem Kopf gewinnt, reicht ein falsches Wort, ich fasse alles total überspitzt auf :18. blankstare:
     
  14. Member

    Jana Monday

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    Dabei seit 7. Oktober 2016
    Diesen Satz finde ich sehr gut.
    Wenn man diesen Gedanken zulässt, dass man selbst und die Krankheit verschiedene Persönlichkeiten sind, dann wird es schwer sich da rauszukämpfen. Dann ist man ja nicht selbst verantwortlich. Aber besser werden kann es nur, wenn man Verantwortung übernimmt und das echt will.

    @Tyla_26 und @juliemarie@juliemarie
    Ich kann verstehen was ihr meint, gerade in den letzten Beiträgen, aber gleichzeitig möchte ich erwähnen, dass es ein bisschen so klingt als würdet ihr euch auf der Krankheit ausruhen. Das ist nicht als Angriff gemeint, aber ich lese es doch raus.
     
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  15. Member

    juliemarie

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    24 Jahre alt
    Dabei seit 18. Juli 2017
    Es ist gut, dass du das sagst, das mache ich nämlich auch manchmal. An manchen Tagen gebe ich den Kampf auf und "ergebe" mich in die ES, denke dann "morgen Versuch ich es von vorne", finde aber selbst, dass es nicht förderlich ist.
     
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  16. Gast

    Tyla_26

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    Etwas spät aber doch, ich hatte gestern einen extrem Anstrengenden Tag und keine Zeit für mich selbst...
    Zu deinem Post, ausruhen tu ich mich darauf nicht. Ich bin nur an manchen Tagen sehr verzweifelt und weiß nicht was ich dagegen tun soll. Es ist immer so ein Zwiespältiges Verhältnis.
    Ich weiß jetzt auch nicht genau was ich noch dazu sagen kann.
    Geht es euch nicht auch manchmal so, dass euch die ES fehlen wird wenn ihr Gesund seit? Also das du keine Kontrolle mehr über dein Leben besitzt?

    Ich bin ehrlich, ich habe Angst davor ein unkontrolliertes Leben zu führen. Ein Kontrollzwang ist bei mir nicht diagnostiziert, aber ich habe etwas Bauchweh davor.
     
  17. Member

    juliemarie

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    24 Jahre alt
    Dabei seit 18. Juli 2017
    Hm teilweise kann ich das nachvollziehen Tyla, will zwar gesund werden aber kann mir praktisch auch nicht vorstellen, irgendwann nicht mehr zu hungern/fressen. Die Kontrolle werde ich daran nicht missen, denn ES bedeutet für mich ganz oft Kontrollverlust, nicht wenn ich grade hungere aber wenn ich esse dafür umso mehr und auch, wenn ich mein Gewicht nicht kontrollieren kann, das wäre ja mit normaler Ernährung einfacher zu regulieren. Sportler ernähren sich ja beispielsweise auch sehr kontrolliert, damit die Zusammensetzung aus Nährstoffen und die Zufuhr stimmt. Weißt du was ich meine?
     
  18. Gast

    Tyla_26

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    Ja ich weiß was du meinst.
    Ich mache seit 5 Jahren Krafttraining. Ich dachte damals dass ich damit raus aus der ES komme. Keine Fresserei und auch Kotzerei... Ich hatte damal 50kg und war dementsprechend untergewichtig weil ich sehr groß bin. Jedoch ging der Plan nicht auf. Ich habe jetzt eine Sportsucht entwickelt und kann nur essen wenn ich Sport mache.
    Bedeutet aber nicht das ich hungere sondern ich zähle bei myfitnesspal meine Kalorien sowie Nährwerte und ich wiege ständig mein Essen ab ...
    Ich habe schon oft versucht aus diesem Kreislauf auszubrechen... leider noch nicht erfolgreich
     
  19. Gast

    amarenaah

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    Hmm ich habe auch schlechte und gute Tage die durch das Essen definiert werden, ich würde mal sagen Launen, die durch die Essstörung bestimmt werden.

    Wenn es aber wirklich um die Persönlichkeit geht, dann kommt mir nur in den Sinn, dass ich je nach meinem Gegenüber entweder total offen, selbstbewusst und gesprächig sein kann oder halt eben nicht. Es gibt Leute, mit denen ich mich einfach nicht wohl fühle und da ist dann ein drastischer Unterschied in meinem Verhalten bemerkbar. Wenn man dies nun aufs Essen beziehen würde, kann ich auch feststellen, dass es etwa genau eine Person in meinem Leben gibt (mein Bruder), in dessen Anwesenheit ich nicht das Bedürfnis habe restriktiv zu essen. Mit ihm esse ich einfach nach Lust und Laune, egal wie komisch meine Essgewohnheiten sind, er wird zwar vielleicht einen Kommentar abgeben aber ich weiss ganz genau, dass es nicht im Sinne von "judging" ist. In Anwesenheit meiner Eltern sieht mein Essverhalten jedoch wieder anders aus, ich habe viel schneller das Bedürfnis restriktiv zu essen und ich passe auf, ja nicht auffällig zu werden.
     
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