Hat man überhaupt eine Essstörung, wenn diese einen nicht belastet?

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von Vela, 8. November 2016.

  1. Member

    Vela

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    Dabei seit 4. September 2016
    Stellt euch vor, ein Mädel hat BMI 17, isst wenig, damit es so bleibt. Und diese Tatsache stört sie garnicht. Sie hat keinen Zwang wenig zu essen, sie möchte es einfach nur nicht, weil sie vielleicht beruflich schlank sein muss.

    Ist sie denn magersüchtig?

    Ist jemand, der regelmäßig oft große Kalorienmengen zu sich nimmt, dem es aber nicht seelisch belastet essgestört?

    Mit anderen Worten, wenn man alle Diagnosekriterien einer ES erfüllt, es einen aber nicht stört. Ist man dann überhaupt krank?

    Was denkt ihr?
     
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  2. Member

    Arielle

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    25 Jahre alt
    Dabei seit 26. Dezember 2015
    Sehr interessante Fragestellung. Tatsächlich kenne ich so ein Mädchen bzw. junge Frau. Sie ist objektiv betrachtet eindeutig untergewichtig, aber ich kenne sie schon seit 8 Jahren und ich kann zuverlässig einschätzen, dass sie nicht essgestört ist (zumindest nicht in einem Masse, das ihr Leben beeinträchtigen würde).

    Ich denke glaube ich tatsächlich, dass man einer Person die Diagnose Essstörung erst aufdrücken darf, wenn gesundheitliche Probleme vorliegen. Hingegen gibt es ja auch essgestörte Menschen, die keine gesundheitlichen Probleme deswegen haben (so wie ich gerade). Aber es ist wirklich eine krasse Frage. Ich kann sie nicht beantworten...
     
  3. Member

    Jana Monday

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    22 Jahre alt
    Dabei seit 7. Oktober 2016
    Ich glaube, wenn es sie nicht stört, dann hat sie auch keine "Störung" - gibt das Sinn? Ja, es ist schwer zu beantworten, aber ich denke, da eine ES ja allen voran erst einmal eine Krankheit ist, die das Leben in gewissem Maße beeinträchtigt, muss sie schon stören.
     
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  4. Admiss

    Smera

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    Dabei seit 14. Mai 2006
    Hierfür müssten wir die Diagnosekriterien definieren.

    In dem 1. Fall den du beschreibst, treffen auf das Mädel lediglich zwei Diagnosekriterien zu: der BMI und die selbstherbeigeführte Gewichtsreduktion. Eventuell könnte man noch eine fehlende Krankheitseinsicht anführen.

    Aber der psychische Aspekt scheint mir hier zu fehlen und der ist doch sicher mit das größte Diagnosekriterium.

    Für mich besteht ohne den psychischen Aspekt, und ohne absehbare gesundheitliche Folgen, keine Essstörung.
     
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  5. Member

    Vela

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    Dabei seit 4. September 2016
    Ich finde es sehr interessant eure Ansichten dazu zu lesen.

    Ja, da bin ich ganz Deiner Meinung. Evtl. hätten wir dann nie jemanden, der alle Diagnosekriterien erfüllt, aber trotzdem ein psychisch zufriedenes Leben führt.

    Bedeutet das dann im Umkehrschluss, wenn man gesund werden möchte, muss man nur "aufhören" unzufrieden mit sich und seinem Körper zu sein?
     
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  6. Member

    Calla

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    23 Jahre alt
    Dabei seit 9. Oktober 2016
    Ich denke auch, dass es erst dann wirklich krankhaft wird, wenn Leiden dazukommt. Stellt euch mal vor, man würde allen Menschen, die so ähnlich leben, wie Vela das in ihrem ersten Post geschrieben hat, eine Essstörung andichten. Dann wären ungefähr über ein Drittel der Deutschen, wenn nicht sogar noch mehr, essgestört. Ich finde es immer ziemlich schwer, da eine Linie zu finden, weil dazwischen so ein fließender Übergang besteht. Ich denke, Diagnosekriterien sind nicht aaallzu aussagekräftig, ich denke, man muss da immer individuell gucken und sollte das Ganze nicht pauschalisieren.

    Hm, also falls es wirklich so "einfach" sein sollte , dann ist das trotzdem immer noch ein ein ziemliches Unterfangen. Selbstwertgefühl kann man sich nicht antrainieren durch irgendwelche Übungen, das entwickelt sich eher über Jahre, das ist ein langer Prozess.
     
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  7. Member

    cranberry

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    Dabei seit 21. Juni 2012
    Die Definition ist einfach so schwierig! Ich zum Beispiel habe gerade keinerlei körperlichen Probleme. Mein BMI (auch wenn er wenig aussagekräftig ist), liegt in der absoluten Norm. FAs halten sich (verhältnismäßig) in Grenzen. Aber was sich bei allen Hochs und Tiefs bei mir nie einstellte, war das konsequente Unwohlsein beim Essen. Der Blick in den Spiegel war für mich früher erträglich. Selbst zu Zeiten, in denen ich so viel gewogen habe, wie jetzt. Mittlerweile merke ich, wie ich mich nur noch fett fühle.
    Ich glaube aber schon, dass ein gewisser psychischer Einschlag schlicht "notwendig" ist. Immerhin gibt es ja genug Menschen, die einfach nicht zunehmen, aber total gerne und viel essen.
     
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  8. Member

    Vela

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    Dabei seit 4. September 2016
    Ja wenn ich mir überlege, wieviel Kraft aufwende mein Essverhalten auf die Reihe zu bekommen, sollte ich vielleicht mal besser dran arbeiten mit mir selbst zufrieden zu sein. *hihi*
     
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  9. Probezeit nicht bestanden

    Dana

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    21 Jahre alt
    Dabei seit 26. Dezember 2015
    Eure Meinungen finde ich sehr lesenwert. Ich habe das noch nie so befragt und mir wenig Gedanken über so etwas gemacht. Da merke ich schon wieder, dass ich mich viel zu sehr mit meinem Selbstmitleid beschenke, als mich anderen zu widmen. Ich mag mein Selbstmitleid nicht. :(

    Dazu würde ich gerne sagen, dass man vielleicht (meiner Meinung nach) untergewichtig sein kann, dass zu wenige essen selbst herbeiführt und trotzdem keine Essstörung hat, da für mich da der psychisch angeregte (anders wie der physische) Teil fehlt.

    Ich selbst kenne auch einen jungen Mann, er ist etwa in meinem Alter. (Ich beschreibe das, da es ja auch einige Männer mit Essstörungen gibt.) Er ist definitv ein Skelett. Lauch nennen ihn seine Kumpels witzigerweise. Ihn stört das nicht. Denn er isst und isst und isst. Burger 5 Stück im McDoof. Ich kann nur abschätzen, von dem her, wie er zu mir ist, dass er auch nicht erbricht. Da ich einige Zeit viel Zeit mit ihm verbracht habe, auch Tage lang, kann ich das fast bestätigen. Hat man also eine ES, wenn man gar nichts dafür kann, wenn man abnimmt und es einen nicht stört oder wenn einem die Körpermasse in dem Ausmaß einfach egal ist?
     
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  10. Member

    Calla

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    23 Jahre alt
    Dabei seit 9. Oktober 2016
    Ich persönlich würde das nicht als Essstörung bezeichnen, sondern eher als gute Gene. Für die Diagnose einer Essstörung ist es meiner Meinung nach wichtig, dass man darunter leidet. Da ist es dann auch relativ egal, wie hoch oder niedrig das Gewicht ist.
     
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  11. Probezeit nicht bestanden

    Dana

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    21 Jahre alt
    Dabei seit 26. Dezember 2015
    Das finde ich auch. Denn wenn man dabei kein Leid empfindet, ist die Frage nach einer Essstörung doch hinfällig, oder? Auch wenn ich glaube, dass viele das leugnen, was eventuell sogar Teil des Krankeitstypes ist. Aber im ärrtzlichen Sinne, von Diagnosen her oder im psychologischem Aspekt kenne ich mich zu wenig aus. Das muss ich zugeben.
     
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  12. Member

    Juni

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    Dabei seit 5. Juni 2010
    Warum stellst du sie dann trotzdem?

     
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  13. Probezeit nicht bestanden

    Dana

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    21 Jahre alt
    Dabei seit 26. Dezember 2015
    Weil die Meinungen anderer für mich sehr vom Interesse sind. Vielleicht drücke ich mich etwas zu grob aus. Entschuldigt. Ich wollte so nur mehr darüber erfahren, was andere darüber denken.
     
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  14. Member

    Vela

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    Dabei seit 4. September 2016
    Für mich ist auch eine ES vorhanden, wenn deutliche körperliche Beschwerden vorkommen, die auch bleibend sein können. Ab dem Zeitpunkt wird es für mich irrelevant, ob derjenige es realisiert, dass es sich um eine Krankheit handelt.

    Wer keine körperliche Beschwerden hat und psychisch damit zufrieden ist - dann jedem das Seine.
     
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  15. Member

    Jana Monday

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    22 Jahre alt
    Dabei seit 7. Oktober 2016
    Es gibt außerdem einen Unterschied zwischen Magersucht und Essstörung, jetzt wo ich Velas Beitrag so lese.
     
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  16. Probezeit nicht bestanden

    littlemisssunshine

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    22 Jahre alt
    Dabei seit 29. Dezember 2016
    Super interessantes Thema! Ich persönlich finde zu einer Störung wird es, wenn man nicht anders kann. Menschen, die im Untergewicht sind, weil sie chronisch zu wenig essen, weil sie zb. Stress haben oder sich einfach daran gewöhnt haben, aber jederzeit eine fetttriefende Pizza essen könnten ohne drüber nachzudenken, ohne Schuldgefühle etc. haben meiner Meinung nach keine Essstörung sondern eher ein etwas spezielles Essverhalten (was ja aber auch schädlich sein kann. So entstehen ja auch Mangelzustände).
     
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  17. Gast

    Lucinda

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    Das ist in der Tat eine sehr interessante Frage, mit der ich mich auch schon des öfteren beschäftigt habe.
    Meine beste Freundin z.B. ist ebenfalls eindeutig stark untergewichtig, dennoch hatte sie nie ernsthafte "Probleme" mit dem Essen. Sie isst, wenn sie will & lässt es sein, wenn sie keinen Appetit hat. Sie denkt nicht im geringsten an Kalorien etc. & findet sich selbst sogar zu dünn, beschäftigt sich aber nicht ernsthaft mit dem Thema, wie sie zunehmen könnte.

    Generell bin ich ebenfalls der Auffassung, dass in diesem Fall oder auch im Fall des Beispiels von Vela die psychische Komponente fehlt.

    Genau so sieht es wahrscheinlich aus. Nur, dass wie Calla schon schrieb, das die größte Schwierigkeit bei dem ganzen Thema ist.
    Zufriedenheit mit sich selbst & somit deutlich weniger psychische Einschränkungen - das ist etwas, was man nicht von jetzt auf gleich erreicht & in vielen Fällen ist wohl genau das der Inhalt einer Therapie.

    Eine Essstörung ist meiner Meinung nach erst dann vorhanden, wenn zwanghafte Gedanken oder Handlungen eine Rolle spielen.
    Fühlt man sich nicht durch das eigene (wenn auch suboptimale) Essverhalten beeinträchtigt oder passiert dieses lediglich zufällig, liegt wahrscheinlich auch keine Essstörung in dem Sinne vor.
     
  18. Gast

    Tyla

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    Dieses Thema ist zwar schon etwas länger her, aber ich möchte ebenfalls gerne etwas dazu sagen.
    Ich bin der Meinung, dass es sich hierbei ebenfalls um eine ES handelt denn sie isst wenig/kontrolliert, macht eventuell Sport sowie ihr BMI.
    Bei mir war es ähnlich, als ich mit 17 Jahren ins Krankenhaus, aufgrund einer akuten Beckenvenenthrombose, kam, habe ich wegen diesem Schock meine Nahrungsaufnahme gestoppt. Ich wurde immer leichter und fühlte mich großartig. Ich war Energiegeladen und hatte keine Depressionen mehr. Bis ich bei 50kg (175cm) angekommen bin, dann brachte mich meine Mutter zum Arzt und dieser diagnostizierte Anorexie. Ich wusste vorher schon das es nicht normal sei, dass ich so wenig aß und ich immer wieder auf mein Gewicht angesprochen wurde. Dennoch bin ich der Meinung, dass ich auch vor der Diagnose essgestört war, wenn auch nur unterbewusst.

    " Mit anderen Worten, wenn man alle Diagnosekriterien einer ES erfüllt, es einen aber nicht stört. Ist man
    dann überhaupt krank?" Ja ich glaube dass man in dieser Situation krank ist. Aber ich glaube auch, dass sich diese Frage jeder selbst beantworten muss. Es ist eine sehr schwere Fragestellung, und auch wenn man eine objektive Stellung dazu hat, es ist eine persönliche Frage.

    LG Tyla
     
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