Insulin Purging

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von Wuuhaa, 24. September 2013.

  1. Gast

    Wuuhaa

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    Hallo ihr Foris und Gäste des Way of Perfection :)

    Ich hoffe, ich bin mit meiner Frage bei euch richtig...

    ...und zwar:

    Ich habe seit 2012 Diabetes Typ 1 und bin Mitglied im Insulinclub, einem Forum, in dem ich mich mit anderen über das Leben mit Typ 1 austausche.
    In einem der Freds in "meinem" Forum habe ich nun erfahren, dass neben den "altbekannten" Formen der Essstörung eine - unter Diabetikern - wohl nicht ganz so seltene, weitere Form der Essstörung gibt: Das Insulin Purging.
    Beim Insulin Purging spritzen sich die Diabetiker nicht das für sie lebenswichtige Hormon Insulin, so dass sie sich völlig absichtlich in eine Ketoazidose bringen. Die Folgen sind natürlich rapider Gewichtsverlusst durch das sogenannte "Erbrechen über die Niere". Eine wirklich grausame Art sich selbst und seinen Körper zu behandeln. Das halbe Jahr vor der Diagnosestellung meines Typ 1 hatte ich natürlich selber eine Ketoazidose und weiß, wie furchtbar elend sich das anfühlt.
    Ich kann einfach nicht verstehen, warum man sich seinem Körper das antut...nur um schlank, dünn, beliebt, gelobt oder was auch immer zu sein?

    Da ich im Netz kaum etwas über diese Sucht finden kann, dachte ich, dass ich in eurem Forum vielleicht jemanden finde, der Insulin Purging selber praktiziert und mir erklären kann, wieso man zu solch - wie ich finde - grausamen Methoden greift. Worin genau besteht die Sucht? Warum erträgt man dieses absolut miese Gefühl einer Keto? Habt ihr in eurem Forum generell schonmal von dieser Sucht gehört?

    Ich weiß nicht, ob ihr meine Frage beantworten könnt oder wollt. Ich wäre jedenfalls dankbar, falls sich jemand von euch doch an einer Antwort versuchen möchte.

    Grüße, Wuuhaa :)
     
  2. Member

    Rose

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    255
    138
    23 Jahre alt
    Dabei seit 23. Juli 2013
    Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben vom Insulin Purging (allein der Name :o) gehört und bin schockiert! Das ist echt mehr als krank. Ich mein, so weit ich weiß, kann es tödlich enden, wenn man sich das Insulin nicht spritzt. Wie kann man dann bloß mit diesem Wissen, es sein lassen?
    Zu hungern, kotzen und all das, was man als ESler macht, ist krank, aber das ist ein Spiel mit dem Tod, was diese Menschen praktizieren. Wie Russisch Roulette, irgendwie.
     
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  3. ehemaliges Mitglied

    faith

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    Dabei seit 29. November 2012
    Hallo Wuuhaa,

    ich habe davon in Verbindung mit einer Essstörung auch noch nie gehört, es erscheint mir aber durchaus möglich, dass es Menschen gibt, die zu solchen Methoden greifen. Ich habe auch schon davon gehört, dass Menschen zu Abnehmzwecken Fuchsbandwurm-Larven gegessen haben.. also der "Fantasie" sind keine Grenzen gesetzt. *hust*

    Ich finde solche Geschichten erschreckend, traurig und auch ich kann es wie du nicht so ganz nachvollziehen, jedoch kann ich mir vorstellen, dass manche Menschen in ihrer Verzweiflung zu solchen Mitteln greifen und so riskant mit ihrer Gesundheit umgehen. Eine Essstörung ist nun mal leider eine Krankheit, in der das Hirn ausschaltet und manchmal leider auch so weit, dass man alles dafür tut, kleinere Zahlen auf der Waage zu sehen und überhaupt nicht sieht, was man seinem Körper damit antut.
    Das größte Problem an dieser Sucht (meins zumindest) ist, dass man seinen Körper selbst überhaupt nicht so wahrnimmt wie er ist, sondern eine total verzerrte Wahrnehmung hat, sprich, wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich überhaupt nicht wie dünn oder schlank ich bin.

    Du schreibst, dass dies wohl nicht ganz selten sei, hast du da irgendwelche statistischen Zahlen? Würde mich interessieren - ich arbeite im Gesundheitsbereich und habe davon tatsächlich noch nie gehört.
     
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  4. Gast

    Wuuhaa

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    Danke euch, dass ihr mir geantwortet habt :)

    @NomDePlume:
    Ja, es ist definitiv tödlich, sich das Insulin nicht bzw. lange Zeit zu wenig davon zu spritzen. Ich habe nun gelesen, dass sich die Mädchen (denn bei Jungen tritt das Insulin Purging anscheinend nur ganz selten auf) immer am Rande des Komas halten, also sie spritzen sich genau nur so viel Insulin, dass sie bei Bewusstsein bleiben. Manche Mädchen "beherrschen" dies jedoch nicht so gut und landen dann doch im Koma. Das allein kann schon tödlich enden.
    Bei den Mädchen, die sich bei Bewusstsein halten, besteht natürlich trotzdem immer die Gefahr abzudriften. Darüber hinaus ist das Risiko für tödliche Folgeschäden immens hoch: Das Zuviel an Zucker setzt sich in den Gefäßen, Nerven, Augen ab. Herzinfarkt, Niereninsuffizienz, Blindheit, Beinamputation etc. können die Folge sein. Dazu kommt dann das Befinden: Ständiger Durst, immer auf die Toilette rennen müssen, Hautjucken, deprexxive Stimmungslagen, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentzrationsschwächen...wenn ich an diese Zeit vor der Diagnose zurückdenke, frage ich mich ernsthaft, wie ich das durchstehen konnte und bin so froh, dass es mir wieder besser geht. Wie sich also jemand bewusst und in voller Absicht in diesen Zustand zu spritzen kann, diesen ZUstand ertragen kann, kann ich einfach nicht nachvollziehen. Wobei ich sagen muss: Dass es mir in dieser Zeit schlecht gegangen ist, habe ich erst wirklich bewusst gemerkt, als es mir wieder besser ging. Der Körper und auch der Geist kann sich an so viele Dinge (leider zu) wunderbar anpassen.


    @faith:
    Von den Bandwurmlarven habe ich auch schon gelesen...ich kann auch das nicht nachvollziehen...wie schlimm muss ein Leidensdruck sein, dass Menschen / junge Mädchen zu solchen Mitteln greifen?

    Statistische Zahlen zur Komorbidität von Diabetes Typ 1 und Esstörungen im Allgemeinen kannst du z. B. hier finden (ich meine, dass es sich hier um eine kanadische Studie handelt, ab Folie 68 findest du hier Zahlen):

    http://www.deutschepsychotherapeute...ngen/Symp2009/Psychotherapie_bei_Diabetes.pdf

    Es ist wirklich nicht selten, dass man mit Diabetes auch eine Essstörung entwickelt: Ständig müssen wir uns mit dem Essen und vor allem den darin enthaltenen Kohlenhydraten beschäftigen. Vor jedem Essen muss ich ausrechnen, wieviele Kohlenhydrate ich zu mir nehmen werde, damit ich die richtige Menge Insulin spritzen kann. Darüber führt man im Idealfall sogar Buch. Man hat immer vor Augen, was man gegessen hat oder essen wirt. Dazu bekommst du ständig eingetrichtert, dass du auch ja nicht zunehmen darfst, der BMI wird jedes Quartal überprüft, bekommst erzählt, welche Folgen Übergewicht und zu wenig Bewegung für deine Krankheit und damit auch für dich haben kann. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich daraus ernsthafte psychische Probleme entwickeln können, vor allem, wenn man jung ist, noch nicht charackterlich gefestigt, auf der Suche nach sich selbst, in der Pubertät, per se ein unsicherer Mensch ist etc. Insulin Pruging ist da wohl dann nur eine Form von Essstörung, die Diabetikerinnen entwickeln.
    Wie häufig das nun ist und wie genau sich das manifestiert versuche ich ja selbst noch herauszufinden. Google spuckt mir da immerwieder folgenden Titel aus "Von der Angst, den Zucker in die Zellen zu lassen." von M. Teufel et al.. Fallvorstellungen und Folien zu seinen Vorträgen wären z. B. hier

    https://www.thieme-connect.de/ejournals/pdf/10.1055/s-0028-1082829.pdf

    und hier

    http://www.medizin.uni-tuebingen.de...nnere+Medizin+IV/PDF_Archiv/VortragTeufel.pdf

    Aber da liest du dann nur wieder medizinische Fakten und nichts aus dem Innern der Betroffenen. Und ich würde so gern dem Begreifen des Ganzen ein wenig näher kommen.


    Grüßles Wuuhaa :)

    Und zur verzerrten Körperwahrnehmung:
    Ja, ich habe auch schon sehr oft von Betroffenen gehört (ich habe tatsächlich 3 Freundinnen/Bekannte mit Essstörungen), dass sie sich selbst viel größer sehen, als andere sie sehen. Gerade dazu habe ich heute etwas Interessantes in einer GEOKompakt zum Titel "Unsere Sinne" (Heft 36/2013) gelesen. Ich zitiere mal eben zum Thema Tast- oder Berührungssinn (Achtung, es wird lang!):

    "Denn dadurch, dass wir uns fühlen, wissen wir überhaupt, dass wir existieren. Der Berührungssinn entwickelt uns eine Vorstellung davon, wer wir sind. Die Haut markiert eine entscheidende Grenze: Innerhalb dieser Grenze liegt das Ich, jenseits davon der Rest der Welt. Hätten wir keinen Tast- und Berührungssinn, wüssten wir nicht, wo wir beginnen und aufhören" (S. 71).
    Weiter nimmt nun der Psychologe Martin Grunwald an, dass genau dieser Sinn, also das Tastsinnessystem, bei Menschen mit Essstörungen bzw. Magersucht nicht richtig entwickelt ist:
    "Die betroffenen Menschen haben daher nicht nur Probleme, Objekte mittels Berührung zu erkunden - auch ihr Gespür für den eigenen Leib ist gestört. Grunwald geht davon aus, dass der Auslöser für dieses Defizit womöglich in der Kindheit wurzelt. Und nicht sleten auf einen Mangel an Berührungen zurückgeht, den ein Kleinkind erfährt. [...] Ein Mangel an Körperkontakt scheint dazu beizutragen, dass Jugendliche psychische Probleme entwickeln, mitunter depressiv [...] werden" (71ff).
    Es wurde hier auch von einem Experiment berichtet: Menschen mit und ohne Magersucht mussten mit verbundenen Augen einen Gegenstand betasten und ihn dann aus dem Gedächtnis aufzeichnen. Dabei hatten die Menschen ohne Magersucht keine, jedoch nahezu alle Menschen mit Magersucht deutliche Schwierigkeiten.
     
  5. ehemaliges Mitglied

    faith

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    Dabei seit 29. November 2012
    Vielen Dank für die Links, Wuuhaa, ich werde es mir mal durchlesen weil es mich doch ziemlich interessiert!

    Das kann ich gut nachvollziehen, wenn man ständig alles vor Augen hat, alles ausrechnen muss, dokumentieren, ständig gewogen wird und einem immer wieder die Folgen eingetrichtert werden, kann ich mir vorstellen, dass es ganz arg schwer ist, das Essen überhaupt noch als Genuss zu sehen! Ich habe schon einige Diabetiker im Krankenhaus betreut, die immer wieder zu verschiedenen Zeiten etwas essen mussten weil der BZ nicht richtig eingestellt war und habe mir schon oft überlegt, wie das sein muss, etwas essen zu müssen obwohl man eigentlich weder Hunger noch Appetit hat. Man kann dabei auf Dauer sicher Appetit- & Hungergefühl verlieren und das ist ja eigentlich am Essen das allerwichtigste.

    Ich hoffe sehr, dass es dir nicht so geht und du deine Nahrungsaufnahme noch genießen kannst ohne ständig daran zu denken, alles aufschreiben zu müssen und akribisch auszurechnen. Aber gerade am Anfang nach der Diagnose Diabetes ist das ja oft ganz wichtig um den Blutzucker und die Insulingaben optimal abstimmen zu können.

    Darf ich fragen wie alt du bist? Typ 1 beginnt ja meist schon recht früh (und plötzlich, so wie bei dir) im Gegensatz zu Typ 2.
     
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  6. Gast

    Elli

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    insulinpurging, meine diabulimie...

    Hallo meine lieben,

    ihr wolltet ja unbedingt wissen wie es von der anderen sicht ist, von der sicht einer diabetikerin die insulin praktiziert.
    Die Frage kann ich euch beantworten.
    Also, ich bin 20 jahre alt und habe seit 10 jahren diabetes. Das Insulinpurging habe ich so ungefähr mit 16 entdeckt, aber damals noch nicht wirklich praktiziert. So richtig ging es mit 18 los. Ich bin 1,67m groß und wog damals 73kg. Hab damals ziemlich zugenommen, weil ich in einer glücklichen beziehung war, mein freund meine kurven geliebt hat, und man sich halt wohl gefühlt hat. Auch immer wieder gerne chips vor tv geguckt, zsmn gekocht, essen gegangen usw. Irgendwann haben wir uns getrennt und dann fing es so richtig los. Ich wollte schlank sein, den Männern gefallen und dann habe ich angefangen insulin auszulassen. Es ging riiiichtiig schnell runter. Also nach einem Monat wog ich schon 64kg und das beste daran ist dass ich nur am essen war. D.h. umso mehr ich aß, desto schneller gingen die kilos runter, ein Traum oder?! Ich konnte wirklich alles essen... 3 Tafeln schocki, ne Pizza, tüte chips dazu, 2L Saft und ich nahm trotzdem ab... das war der hammer, weil ich es geliebt hab zu essen. Jetzt könnt ihr euch vorstellen wie kaputt mein körper war. Irgendwann wurde ich bewustloss, da wog ich schon 59kg. Ich wurde ins krankenhaus gebracht mit dem hba1c wert von 14,8. Wo die Ärzte mein Zucker wieder in Griff bekommen haben wurde ich auf eine Psychosomatische Station verlegt und verbrachte dort 12 Wochen und konnte mir jeden Tag anhören dass ich psychische probleme habe. mag ja sein, aber die haben es eh nicht verstanden. in der zeit wo ich in der klinik war nahm ich wieder so 7kg zu, obwohl ich sehr wenig gegessen habe. Das insulin war daran schuld. Sieht ihr jetzt wie schlimm es ist? bei vielen diabetikerinen ist der stoffwechsel einfach schon so zerstört dass man drastisch viel zunimmt obwohl man nicht viel isst. So, nach 12 wochen haben die mich entlassen, weil die nicht weiter wussten, Haben zwar brav mein zucker kontrolliert aber meine Gedanken und Gefühle konnten die leider nicht mehr kontrollieren. Ich kam zu Hause an, wieder so 7-8kg schwerer und dachte mir so hmmm toll... war nicht gerade zufrieden damit und dann ging es wieder los.. hab dann so bis 56kg wieder abgenommen und bekam dann schön meine erste OP, meine Galle wurde entfernt weil der Zucker sie zerstört hat. Und ich weiß wie schlimm das ist, manchmal sitze ich heulend im fenster und denke mir 'warum kann ich nicht normal sein... warum sehe ich überall nur zahlen, größen, kalorien usw..' Ich würde so gerne drauf scheißen wie viel ich wiege oder wie ich aussehe... aber ich kann es nicht ändern, es muss immer alles perfect sein.. die besten klammoten, perfecter look, fingernägel,make-up und das wichtigste natürlich... figur.. dazu bin ich eine der besten in der schule und auf der arbeit will ich auch immer das beste leisten. dazu ist mir bewusst das mein körper es lange nicht mehr aushält. aber ändern kann ich es auch nicht....

    so meine lieben, bevor ihr mich jetzt hier fertig macht, ihr müsst mir glauben, dass ich mich für diese krankheit hasse und schäme und auch alles tun würde um es zu ändern, aber bis jetzt konnte mir wirklich keiner helfen...
     
  7. Gast

    Kris

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    Liebe Elli,
    ich kann mir nicht vorstellen, dass dich irgendwer hier fertigmachen wird.
    Was du beschreibst klingt schlimm und es tut mir leid für dich, dass du sowas erfahren musst! Im Grunde finde ich es sogar gut, dass du hier von deinen Erfahrungen berichtet hast, vor allem von den negativen Folgen, die du nun schon mit 20 Jahren und für den Rest deines Lebens haben wirst!
    Hat man in der Klinik nicht verstanden, dass du an einer Essstörung leidest, oder warum konnte man dir dort nicht helfen? Überlegst du dich weiter behandeln zu lassen? Vielleicht dieses Mal ambulant, zusammen mit einem Therapeuten an den Gedanken und Gefühlen arbeiten?
    Denn ich glaube, dass du dringend Hilfe brauchst!

    Liebe Grüße
    Kris
     
  8. ehemaliges Mitglied

    faith

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    Dabei seit 29. November 2012
    Hallo Elli,

    als erstes: Hier wird dich ganz sicher niemand fertig machen! (Warum auch?) Ich glaube wir alle hier kennen diese Gedanken und Gefühle nur zu gut, nur versuchen wir sie.. auf eine andere Art und Weise damit umzugehen (ob das nun besser ist sei mal dahingestellt)

    Vielen Dank für deinen ehrlichen Erfahrungsbericht, ich finde es interessant, das mal von einem Betroffenen zu lesen. Dennoch macht es mich auch traurig, deine Wut und Verzweiflung zu lesen und die schlechten Erfahrungen die du in der Therapie machen musstest. Es ist immer wieder unglaublich zu lesen, wie unfähig manche Ärzte oder Therapeuten sind zu erkennen, wo sie helfen sollen.

    Ich kann mich der Frage von Kris nur anschließen, ob es vielleicht für dich in Frage kommen würde, dich (nochmals) an einen Therapeuten zu wenden? Ist es im Moment auch so dass du das Insulin weglässt oder spritzt du dich?

    Liebe Grüße,
    faith
     
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  9. Gast

    Elli

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    .

    Danke fürdas Verständnis! Ich hab halt sehr schlechte Erfahrungen gemacht als ich jemanden das alles erzählt habe, d.h ich wurde immer kritisiet und beleidigt dass ich so etwas mache.
    Wenn es um den Therapeuten geht, ich würde sehr gerne einen Therapie Platz bekommen, aber stehe überall auf Wartelisten.. Momentan spritze ich aber nicht viel... Also meistens nur morgens damit ich auf der Arbeit irgendwie aushalten kann und wenn ich dann zu Hause bin nicht mehr, sodass ich nachts über schön abnehmen kann... Bin aber schon fix und fertig davon. Würde so gern aufhören, aber das Problem bei mir ist, dass ich so gerne und viel esse. Und sogar wenn ich wenig esse und spritze nehme ich zu, also ist das so schwierig... Diese kranke Perfektion macht mich einfach verrückt
     
  10. ehemaliges Mitglied

    Pearl

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    Dabei seit 3. Dezember 2010
    Hallo Elli,

    um Gottes Willen, als ich deine Bitte las nicht fertig gemacht zu werden schießen mir ja schon beinahe die Tränen in die Augen. Hier macht dich niemand wegen deiner Krankheit fertig. Ich meine schließlich haben wir hier alle eine Essstörung wie auch immer geartet. Fühl dich mal gedrückt.

    Diabetis habe ich noch nie wirklich verstanden, nicht falsch verstehen bitte.Wenn du dein Insulin nimmst, nimmst du zu und wenn du es weg ässt nimmst du ab? Ist das dann eine Überfunktion? Ne eher eine Unterfunktion oder? Wenn dein Wert bei 14,8 lag, wie ist denn so der Normalwert?
     
  11. Gast

    Sasa

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    Liebe Elli
    Ich weiss, dass eure Beiträge bereits mehr als 3 Jahre alt sind. Trotzdem ist es mir so extrem wichtig, dir zu schreiben, da du die erste Person bist, die mir von der Seele spricht.
    Ich bin 23 und leide seit 10 Jahren an einer Essstörung. Ich habe ausserdem einen Diabetes Typ 1 seit meinem 6 ten Lebensjahr. Vor 8 Jahren habe ich dann das Insulin-Pruging entdeckt und ich dachte, dass ich das geschrieben habe, als ich deinen Text las. Mein 3 Monatswert liegt seit Jahren über 15%, ich habe Makulaödeme auf beiden Augen, eine diabetische Retinapathie und Polyneuropathie. Es geht mir sehr schlecht, aber ich kann auch nicht damit aufhören, auch wenn ich weiss, dass ich mich zerstöre, wenn ich nicht bald wieder anfange, richtig Insulin zu spritzen. Geht es dir unterdessen besser? Hast du es geschafft? Ich würde gerne mit dir schreiben, denn es ist so schwer, jemanden zu finden, der Ähnliches wie ich durchmacht / durchgemacht hat.
     
  12. Member

    Juni

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    829
    158
    Dabei seit 5. Juni 2010
    Liebe Sasa,

    es ist eher unwahrscheinlich, dass Elli das hier nach über drei Jahren noch lesen wird, zumal sie selbst nur ein Gast bei uns war. Also bitte sei nicht enttäuscht, wenn du hier keine Antwort bekommst.

    Willst du denn aufhören?
     
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  13. Member

    Calla

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    325
    106
    23 Jahre alt
    Dabei seit 9. Oktober 2016
    Hallo Sasa,

    danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.
    Ich stelle mir deine Situation sehr schwierig vor, zumal es ja verhältnismäßig wirklich nicht viele Menschen gibt, die eine Essstörung und zugleich Diabetes Typ 1 haben.
    Muss jedoch zugeben, dass ich tatsächlich Eine in der Bekanntschaft habe, die daran erkrankt ist. Sie ist auch extra runter nach Bayern gefahren, weil es in Deutschland kaum Kliniken gibt, die sich mit dieser Kombination auskennen.

    Hast du denn momentan ambulante Therapie, oder machst du das mit dir selber aus?
    Und was müsste passieren, damit du wieder adäquat Insulin spritzt und anfängst gegen die Essstörung zu kämpfen?

    Liebe Grüße
    Calla
     
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  14. Gast

    Sasa

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    Hallo zusammen

    Vielen Dank für eure schnellen Antworten! Du sagtest, dass du eine Bekannte hast, die ebenfalls damit zu kämpfen hat? Bei uns in der Schweiz ist es noch viel schwerer als in Deutschland überhaupt eine Klinik zu finden, welche sich mit dem Thema auskennt. Bin momentan einen Aufenthalt ab März in Rheinfelden am planen. Sobald die Semesterprüfungen an der Uni durch sind, möchte ich es nochmals versuchen. Denn bis jetzt wurde ich meistens zu den Klinikaufenthalten gezwungen. Dieses Mal möchte ich es aber aus eigenem Antrieb tun.
    Was für mich glaube ich das Wichtigste ist, dass ich wieder lerne, normale Mengen zu essen. Denn wie auch Ellie beschrieben hat, handelt es sich bei mir um Übermengen (drei Portionen als Hauptmahlzeit und Packungenen von Keksen, Schokoladentafeln und Süssgetränken, etc. Einfach alles, was ungesund ist und viel Zucker hat)...Hoffe, dass mir dort die Klinik helfen kann und auch, die Gewichtszunahme zu ertragen, welche stoffwechselbedingt ist aufgrund der besseren Zuckerwerte und den Wassereinlagerungen im Gewebe.
     
  15. Modmiss

    Marii

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    1.212
    161
    Dabei seit 20. März 2007
    Hallo Sasa,

    es freut mich zu lesen, dass du dieses Mal selber in die Klinik willst. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

    Das ist ein guter Ansatz, ist sicher nicht leicht, da wir generell ein gestörtes Verhältnis zum Essen haben. Es wird sicher immer Rückschläge geben aber man muss immer wieder aufstehen und darf nie die Hoffnung verlieren.

    Wünsche dir für deine Zukunft alles Liebe und Gute.

    Marii *wop-rose*
     
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  16. Member

    Juni

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    829
    158
    Dabei seit 5. Juni 2010
    Hallo Sasa,

    mich beruhigt es, zu lesen, dass du dir aktiv Hilfe suchst.

    Das ist meiner Meinung nach auch der einzig richtige Weg. Die Entscheidung und der Wille zur Veränderung müssen von dir selbst kommen. Ansonsten sitzt du deine Klinikzeit mehr oder weniger teilnahmslos ab, als wärst du auf einer Jugendfreizeit und verlierst dabei kostbare Zeit.

    Ich drück dir die Daumen, dass du einen Platz findest und diesmal wirklich aktiv an dir und einem für dich besseren Leben arbeitest. Sei es dir selbst wert, alles dafür zu geben, aus dieser Hölle ausbrechen zu können. Es tut wahnsinnig weh, wenn man später feststellen muss, dass man irreparable Schäden davon getragen und Jahre seiner Jugend verloren hat.

    Du packst das! Alles Gute, Sasa. *blumeschenk*
     
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  17. Gast

    Astrid

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    Hey ihr,
    Ich bin seid 2009 Diabetikerin und habe lange zeit nicht verstanden das meine ärzte sagten ich manipuliere meinen zucker absichtlich
    ich bin trotz jahre langem Insulin Purging nicht untergewichtig allerdings schwankt mein gewicht extrem zwichen 68kg und 90 kg bei 1,76m .
    ich suche schon länger menschen mit denen ich reden kann da ich sehr viel angst habe eine essstörung zu haben
    ich bin psychich auch so schon sehr krank und regelmässig in kliniken
    vielleicht kann ich hier erfahren woran ich eine essstörung erkenne wenn ich nach außen offensichtlich keine probleme habe mit meiner therapeutin traue ich mich nicht zu sprechen da sich meine probleme oft verschieben und ich angst habe das ich als nicht teraoierbar gelte
     
  18. Member

    Juni

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    829
    158
    Dabei seit 5. Juni 2010
    Hallo Astrid,

    schön, dass du hier bist. :)

    Diesen Satz finde ich sehr gewichtig. Ich mach den Ausdruck "nicht therapierbar" nicht. Das erweckt den Eindruck als wäre eine Therapie etwas was jemand anderes (der Therapeut) mit einem macht. Also würde jemand operieren und danach wäre alles wieder gut. Das ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Der Erfolg einer Therapie bzw. eines Denkwandels hängt einzig und allein von einem selbst ab. Wenn du selbst davon überzeugt bist, dass du es schaffst, dass du gesund wird und dass dir diese Therapie hilft, dann wirst du es auch früher oder später schaffen, weil du täglich an dir arbeitest und für dich kämpfst. Dann kann dir auch niemand diesen Stempel aufdrücken. "Nicht therapierbar" bist du erst, wenn du überhaupt kein Interesse an einer Besserung deiner Situation hast. Dann macht eine Therapie tatsächlich keinen Sinn und ist für alle Beteiligten reine Zeitverschwendung.

    Man könnte also den Schluss ziehen, dass du selbst befürchtest, dass du eigentlich gar nicht gesund werden willst. Keine Unterstellung, sondern eine reine Überlegung.

    Warum machst du Insulin Purging?

    Hast du wirklich "Angst" eine Essstörung zu haben? Wenn ja, was tust du um dagegen anzugehen?
     
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  19. Gast

    Astrid

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    Das wirkt sehr durchdacht
    Nunja das mit dem nicht Gesund werden wollen hat mich grade sehr an meinen letzten Klinikaufenthalt errinert ,
    mein psychater sagte das mein problem mit dem Zucker wie ein Selbstmord auf raten funktioniert .
    vielleicht ist es wirklich so aber ich weis es nicht , in letzter zeit habe ich mich eig von aktiven Soezidgedanken entfehrnt

    Mein problem ist das sich bei mir seit etwa 2 Jahren fast nurnoch um meinen Körper dreht , ich habe zwar schon viel länger die ganze zeit essen und die folgen im kopf aber bis dahin habe ich mir zumindest eingeredet das mir mein gewicht egal ist
    als ich aber mit der Schauspielerei angefangen habe rückte mein körper und wie ihn andere sehen immer mehr in den Fokus
    Ich habe öffter Phasen in denen ich garnichts esse allerdings halte ich diese nicht durch und bekomme fressschübe
    viele dieser symptome sprechen dafür aber ich bin nie auch nur ansatzweise an die grenze zum untergewicht gekommen 8was ich mir insgeheim aber wünsche ),was in meinen augen sehr gegen eine essstörung spricht

    das letzte jahr werden die gedanken ums essen und abnehmen aber immer kranker , ich habe sogar über drogenmissbrauch etc nachgedacht
    ich kann nur wie mit dem Insulin nicht einschätzen ob es eine essstörung oder doch eine art selbstschädigung ist da ich fast zeitgleich aufgehört habe mich zu ritzen

    ich hoffe ich bin hier nicht zu anschaulich o.ä. es ist das erste mal das ich versuche hilfe über ein forum o.ä.zu finden
     
  20. Member

    Juni

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    829
    158
    Dabei seit 5. Juni 2010
    Das Wörtchen "eigentlich" macht den Satz kaputt. ;)

    Was du beschreibst klingt nach einer Binge-Eating-Disorder - eine durchaus ernstzunehmende Essstörung.
    Wie kommst du darauf, dass Untergewicht das Hauptindiz für eine Essstörung ist? Das gilt eigentlich nur für Magersucht. Auch die meisten Bulimie-Erkrankten bewegen sich in einem eher normalgewichtigen bis übergewichtigen Bereich.

    Dein Verhalten klingt auf jeden Fall bedenklich und wenn du nicht noch tiefer in diesen Teufelskreis geraten möchtest, würde ich dir dringend nahelegen dich deiner Therapeutin zu öffnen und entsprechenden Schritte in ein glücklicheres, gesundes Leben einzuleiten. Die Fixierung auf das Gewicht und dass gestörte Essverhalten hängen sicher mit deinen anderen Problemen zusammen und die Menschen die versuchen dir zu helfen sollten das Gesamtbild kennen. Wenn du offen darüber sprichst, gestehst du dir auch selbst ein wie es aktuell aussiehst und erkennst, dass es nicht gesund ist und auch, dass es hoffentlich nicht das ist was du willst. Mach dir das Leben nicht kaputt. Wenn du das alles überwunden und erfolgreich hinter dich gebracht hast, wirst du dich in 10-20 Jahren darüber ärgern so viel Zeit mit Destruktion und Selbsthass verschwendet zu haben. Du wirst dein aktuelles Handeln bereuen, da es sich auf dein ganzes restliches Leben auswirken kann. Wenn du deinen Körper jetzt zerstörst, wird er irgendwann leider nicht mehr so funktionieren, wie du es dir wünschen würdest.

    Ich kann dir nur raten zu kämpfen, nicht zu stagnieren und nicht zu resignieren. Wenn du dich schon für das Leben entschieden hast, warum dann nicht auch alles dafür geben um es zu einem schönen Leben zu machen?

    Allem voran steht die bewusste Entscheidung wirklich und ehrlich für dich und deine Gesundheit zu kämpfen.

    Ich denke, dass Essstörungen ebenfalls eine Art der Selbstverletzung sind.
     
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    Marii gefällt das.