Prävention

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von Thela, 31. August 2017.

  1. Gast

    Thela

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    Hallo ihr Lesende,
    ich melde mich bei euch mit einem vielleicht etwas unüblichen Anliegen bzw. Frage. Ich beschäftige mich mit dem Thema Essstörungen seit kurzen, da ich im Rahmen eines Praktikums am Theater das Klassenzimmerstück PRO AN(N)A von Marzena Rytko begleite und einen Nachbereitungsworkshop dazu entwickel. Das ganze ist als Prävention für die Schule gedacht. Nun ist es so, dass ich zum Glück mit dem Thema bisher sehr wenig Berührung habe. Ich finde es schwierig, als nicht Betroffene mir anzumaßen einzuschätzen, was ein sinnvoller präventiver Ansatz sein könnte, der Betroffene nicht vorführt oder triggert, aber auch den Inhalt des Stückes so einordnet, dass es nicht zur Nachahmung inspiriert.
    Was haltet ihr für einen sinnvollen Ansatz beziehungsweise welchen Umgang mit dem Thema Essstörung wünscht ihr euch in der Schule?
    Ich hoffe meine Fragen sind in Ordnung und hier nicht an der falschen Stelle.
    Vielen Dank schon einmal!
     
    Juni gefällt das.
  2. Member

    Juni

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    Dabei seit 5. Juni 2010
    Hallo liebe Thela,

    vielen Dank für deine interessante und wichtige Frage. Schön, dass du dir darüber Gedanken machst.

    Ich muss gestehen, dass ich da erstmal drüber nachdenken muss, da das wirklich nicht so leicht zu beantworten ist. Zumal Aufklärung und Information beim Thema Pro Ana oft triggert und damit leider genau das Gegenteil der gewünschten Prävention bewirkt. Ich finde es positiv, dass du dir dessen bewusst bist.

    Ich kenne das Stück nicht. Hast du dazu noch weitere Informationen?

    Ich würde gern noch etwas über deine Frage nachdenken bevor ich ausführlicher darauf eingehe und werde zu einem späteren Zeitpunkt nochmal in diesem Thread antworten.

    Ein sinnvoller Ansatz wäre vielleicht das, was ich meinem jüngeren Ich gerne sagen würde. Ich würde mich selbst gerne davor warnen und aufzeigen wie die Essstörung einen großen Teil meines Lebens ruiniert hat. Wie hart es ist, Jahre später mit den Folgen der eignen Selbstzerstörung zu leben und nichts mehr gegen diese tun zu können.

    Danke für diesen Thread. Ich bin auch gespannt was andere darüber denken.
     
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  3. Member

    10gradminus

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    Dabei seit 16. Juli 2017
    Ich denke auch, dass die Gefahr groß ist, mit negativen Beispielen eher zur Nachahmung anzuregen.
    Ich finde es grundsätzlich schwierig, die Essstörung auf körperliche Symptome und die Nahrungsaufnahme zu beschränken. Ich habe gerade mal nach diesem Projekt gesucht, es geht dabei ja auch um den Kontext mir sozialen Netzwerken. Ich denke es ist wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, Essstörungen seien nur das Produkt von modernen Medien. Auch das Schönheitsideal ist für mich immer etwas zu sehr im Mittelpunkt, mir persönlich ging es nie um das Erreichen eines bestimmten Aussehens.
    Wahrscheinlich ist es naheliegend, die offensichtlichen Symptome darzustellen/ anzusprechen, aber bei vielen ist die ES lange oder die ganze Zeit eine von außen unsichtbare Erkrankung. Ich habe gerade leider keine konkrete Idee, wie genau man das gut vermitteln kann, aber auf jeden Fall sollte nie der Eindruck entstehen, man müsse ein bestimmtes Erscheinungsbild haben, wenn man unter einer Essstörung leidet.

    Pro Ana ist natürlich ein sehr spezielles Thema. Ich muss sagen, dass ich mich damit nie identifizieren konnte. Es ist eine absolute Scheinwelt, die nur vorgaukelt etwas zu sein. Dahinter stecken oft wirklich sehr junge Mädchen, die leicht zu beeinflussen sind. Allerdings habe ich mich auch nie näher mit der Thematik beschäftigt.

    Das finde ich auch spannend. Vor allem all die Momente, Erinnerungen, Erfahrungen, die man verpasst, weil man in seiner eigenen kleinen Welt aus Essen und Nichtessen lebt. Wie man sich in Lügen verstrickt, sich selbst und andere enttäuscht und ja, vor allem Raubbau an Seele und Körper betreibt.

    Übrigens finde ich es wirklich toll, dass solche Projekte entstehen. Ich bin zwar selbst erst 20, aber in meiner Klasse und auf meiner Schule generell waren psychische Erkrankungen ein unausgesprochenes Thema, auch die Lehrer wussten nicht (woher auch) wie sie mit betroffenen SchülerInnen umgehen sollen. Das hat bei mir mal auf einer Zeugniskonferenz zu dem Satz "Wenn Laura mehr essen würde, hätte sie auch bessere Noten!" geführt. Solche Situationen haben natürlich eher dazu geführt, dass ich mich weiter versteckt habe.
     
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  4. Gast

    Amélie

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    hallo!

    Ich habe heute lange über deine Frage nachgedacht und mir sind folgende Punkte dazu eingefallen:
    Vielleicht hilft es, zu thematisieren, wie (zum Beispiel) diese "berühmten" Briefe an und von Ana entstanden sind. Soweit ich weiß sind diese nämlich in einer Therapie entstanden. Es gibt auch ein interessantes youtube Video, in dem man ein dünnes Mädchen vor dem Spiegel sieht, und sieht, wie sie sich wahrnimmt.
    Wenn ich darüber nachdenke, was mir damals geholfen hätte, fällt mir als erstes ein, dass ich mir gewunschen hätte, dass es Menschen gibt, die mir sagen, daaa es ok ist, wie ich bin.
    Was den Punkt Prävention betrifft, muss ich mich meinen Vorrednerinnen anschließen- es ist schwer, etwas zu finden, ohne zu triggern.
    Ich hoffe, es gelingt dir, dein Vorhaben umzusetzen und ich wäre gespannt zu lesen, wie es dir denn ergangen ist.

    Liebe Grüße
    Amélie