Ein Leben ohne Essstörung und Probleme - Wer bin ich?

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von Aurora, 7. August 2010.

  1. ehemaliges Mitglied

    Aurora

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    26 Jahre alt
    Dabei seit 14. März 2010
    Ich frage mich sehr oft, wer ich eigentlich noch bin - was von mir übrig geblieben ist - was bin ICH und wie viel meiner Persönlichkeit ist die ES - wie viel Platz meiner Seele beanspruchen meine Depressionen oder andere Dinge?

    Hinzu kommen Fragen wie:
    Was für ein Mensch wäre ich ohne meine ES?
    Was bedeutet "normal"?
    Wäre ich ohne meine ES ein glücklicher Mensch?

    Antworten bekomme ich keine auf meine Fragen, nichtmal Hinweise... Die Antworten liegen tief in einem selbst, doch wie tief kann man selbst in sich hineinschauen um sie zu bekommen bzw. ist es überhaupt möglich?

    Fragen über Fragen und man ist keinen Deut schlauer.
    Das große Fragezeichen erscheint schon nach dem Aufstehen vor meinem inneren Auge, dann blicke ich in den Spiegel, sehe mein aschfahles Gesicht, leere Augen und einen Körper, den ich verabscheue.
    In diesen Augenblicken frage ich mich dann wer ich bin und fühle mich wie eine leere Hülle, die nur noch automatisch funktioniert und keine Gefühle in sich trägt. Ich sehe dann kein attraktives Mädchen, keinen lebensfähigen und gesunden Menschen, sondern NICHTS.
    Eine dicke Schicht Make-Up später sehe ich jemanden. Ich blicke in ein hübsches Gesicht mit großen Augen und einem leichten Lächeln auf den Lippen. Ich blicke in eine starre und kalte Maske aus Plastik, die nur darauf wartet wieder zu bröckeln und zu zerbrechen, bis ich mir eine neue Fassade errichte.

    Der Kampf ums Essen, Nicht-Essen, Kotzen oder Nicht-Kotzen beschäftigt mich anschließend so sehr, dass ich es überhaupt nicht schaffe diesen Fragen weiter nachzuhängen.

    Ich bin mir sicher, dass sich viele diese Fragen stellen und doch kennt niemand die Antwort.
    Was für Menschen wären wir, wenn wir keine Essstörung hätten? Keine depressiven Löcher, aus denen wir uns in unregelmäßigen Abständen herauskämpfen müssen etc.pp.

    Glück ist in meinen Augen relativ. Weder Geld noch ein guter Job noch ein tolles Auto machen einen wirklich glücklich.
    Um das Glück zu erreichen muss man mit sich selbst, seinem Leben und der Welt zufrieden sein, doch ist das überhaupt möglich?! Wie denkt ihr darüber?
     
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    Ani gefällt das.
  2. ehemaliges Mitglied

    lovely

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    Dabei seit 30. Juni 2009
    Bzw.:
    Will ich überhaupt "normal" sein?

    Glücklich ohne die ES? Wir hätten andere Probleme, mit denen wir uns unglücklich machen.
    Schaut euch die Menschen ohne ES an. Sind die zufrieden? Niemand ist zufrieden...ich kenne zumindest niemanden, der absolut keine Probleme hat.

    Und will ich überhaupt ein anderer Mensch sein? Macht mich die ES nicht zu dem, der ich bin und unterzeichnet meine Persönlichkeit?
     
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  3. ehemaliges Mitglied

    Aurora

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    26 Jahre alt
    Dabei seit 14. März 2010
    Ja, das sind genau die Fragen, auf die wir alle keine Antwort haben bzw. wir nicht einmal wissen, ob wir sie jemals haben werden...

    Ich denke mal, dass KEIN Mensch zu 100 % glücklich ist und er wenn er keine ES hat dafür andere Probleme hat.

    Für mich selbst könnte ich sagen, dass ich mir ein Leben ohne meine ES, zumindest im Moment, nicht vorstellen könnte.
    So paradox es auch klingt, weil sie so zerstörerisch in mir wütet, aber ich brauch sie auch genauso sehr.
     
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  4. Gast

    Veggi

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    Wie du, Aurora, richtig erkannt hast, muss man mit sich selbst (!) zufrieden sein, um sein Glück auf andere Bereiche des Lebens ausweiten zu können. Ich hatte vor 5 Jahren Magersucht, die sich nach und nach in eine undefinierbare ES gewandelt hat mit teilweise stabilem, aber niedrigem Gewicht. Seit ich von 3 1/2 Jahren meinen Freund kennengelernt habe, bin ich glücklich. Richtig glücklich, weil es einen Menschen gibt, der mich liebt wie ich bin und mir das immer wieder sagt. Meine ES ist seitdem stark abgeschwächt, auch wenn ich ein niedriges Gewicht halte und auf gesunde und kcal-arme Ernährung achte, begleitet von täglichem Sport (ein Zwang). Und wenn ich ehrlich bin? Ja, ich bin glücklicher geworden und mir fallen die schönen Seiten des Lebens viel mehr auf und ich kann mich an ihnen erfreuen. Insgeheim wünsche ich mir aber paradoxerweise, dass die ES wieder stärker wird. Ich vermisse die Kontrolle und das Gefühl, anderen überlegen zu sein. Viele kennen das vielleicht ... Das vermisse ich. Auf der anderen Seite ist da mein Freund, der auf mich achtet und auch von meiner Vergangenheit weiß. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Mal hat mich die ES stärker im Griff, mal weniger stark. Ich weiß nicht, was ich will. Ich will sie bei mir, weil es mich - suggesztiv - stark macht. Es ist seltsam, verrückt, unnatürlich, unnormal. Wobei wir beim Thema wären: nein, ich will nicht normal sein. Ich will etwas Besonderes sein und sei es nur insgeheim in meinem Kopf.

    Grüße, Veggi
     
  5. ehemaliges Mitglied

    Aurora

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    26 Jahre alt
    Dabei seit 14. März 2010
    In diesem Fall ist es dann dein Freund, der dir eine Stütze ist, dich unterstützt und für dich da ist.
    Wenn so jemanden hat, der einen liebt wie man ist, dann ist das natürlich eine enorme Hilfe und ich kann mir auch vorstellen, dass dies für dich ein größer Schritt in Richtung Glück und oder Zufriedenheit (wobei das Eine nicht ohne das Andere möglich sein kann) ist... Die Kontrolle über Kalorien/Gewicht ist nichts, was einen glücklich macht.
    Man fühlt sich dann besser, weil man durch die Erfolge auf der Waage in einen kleinen Glücksrausch fällt, sich ablenkt und die ES als Ventil hat, aber letztendlich macht es einen alles andere als glücklich... Es ist eine Krankheit.

    Das Gefühl kenne ich nur zu gut... Bei mir ist es genauso, wie du es beschreibst.
    Anfangs sah die Sache zwar noch anders aus, aber inzwischen will und kann ich auch nicht mehr "normal" sein, wobei man sich dann die Frage stellen muss: Was ist schon normal?!

    LG
    Aurora
     
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