Erfahrungen mit Ärzten

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von Stille Nacht, 27. Dezember 2015.

  1. ehemaliges Mitglied

    Stille Nacht

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    Hallo ihr lieben,
    Ein Thema dass mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt hat, möchte ich nun mit euch teilen.
    Wie ich in meiner Bewerbung bereits erzählt habe, wusste bis vor kurzem noch niemand von meiner Essstörung.

    Wenn ich nicht nach Tagen des unendlichen Erbrechens über der Toilette in mein eigenes Blut geschaut hätte, wäre das vielleicht noch heute so.
    Ich habe damals so einen furchtbaren Schreck bekommen und das erste mal in meinem Leben wirkliche Todesangst verspürt... "Jetzt hast du es geschafft, jetzt hast du dich zu Tode gekotzt"

    Einen Tag später habe ich meinem Hausarzt davon erzählt, dass ich seit langer Zeit erbreche und dringend Hilfe brauche.

    "Warum Erbrechen Sie denn?"

    "Ich weiß es nicht genau..aber ich bekomme diese schlimmen Essanfälle... Und hinterher kommt dann eben alles wieder raus. Ich kann das alles nicht mehr kontrollieren."

    "Wenn ich unter Stress stehe, esse ich doch auch nicht."

    "Das freut mich für Sie... Aber bei mir ist es eben anders. Und ich habe Angst. Ich habe Angst dass ich schon etwas kaputt gemacht habe."

    ...angegrinst hat er mich. Und auf meinen Krankengeldschein hat er F.32.1 geschrieben... Mittlere depressive Episode.
    Auf meinen Wunsch eine Blutuntersuchung machen zu lassen, um zu kontrollieren wie "es mir geht" winkte er nur ab. Das wäre nicht nötig.

    Die Erfahrung mit meinem Hausarzt hat mir ganz viel Hoffnung genommen und mir noch viel mehr Angst gemacht mich in meinem Umfeld zu "outen".
    Nicht ernst genommen werden, wenn man Angst hat, dass man sterben muss.

    Ich glaube, dass das Vorurteil dass alle Menschen mit einer Esstörung automatisch untergewichtig sind herrscht überall...
    Wenn man mich auf er Straße sieht bin ich eben nicht auffällig dünn. Aber von einem Mediziner hatte ich ein wenig mehr wissen erwartet, was das angeht.

    Zu meinem großen Glück stand mir damals schon mein erster Termin bei meinem Therapeuten bevor, sodass dieser mich auffangen konnte.

    Wie ist eure Erfahrung mit euren Hausärzten? Wissen sie von eurer ES und wie behandeln sie euch?
     
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  2. Member

    Juni

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    Was für ein Idiot.
    Zum Glück sind nicht alle Menschen so, aber das gibt es eben auch. Es gibt Menschen die nicht an psychische Krankheiten glauben, Menschen die z.B. sagen jemand mit einer Depression ist einfach nur faul.

    Pro Ana trägt einen Teil dazu bei, dass Essstörungen oft nicht ernst genommen werden und man sie als eine pubertäre Phase ansieht. Ich meine, wir selbst machen uns ja über die Pro Ana Wannabes lustig - es ist einfach nicht ernst zu nehmen. Jemand der nur vereinzelt mit dem Thema konfrontiert wird, kann sich so ggf. eine recht oberflächliche Meinung bilden.

    Ich persönlich gehe deshalb auch lieber nicht mit meiner ES hausieren. Das geht niemanden etwas an und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir am Ende nur geschadet hat, wenn jemand von meinen Problemen wusste. Im Studium hat man das mal eiskalt gegen mich ausgespielt.

    Gut. Hier geht es ja um Ärzte. Also ich muss zugeben, dass ich keinen Hausarzt habe. Wenn ich mal wegen irgendwas zum Arzt muss und es im weitesten Sinne mit der ES zu tun haben könnte, sage ich geradeheraus: "Ich habe eine Essstörung". Das ist dann recht entwaffnend und man geht nüchtern mit dem Thema um. Ich selbst erwarte von dem Arzt nur, dass er seinen Job macht - also herausfindet was ich habe und mir hilft es loszuwerden.

    Ich glaube dadurch habe ich solche negativen Erfahrungen direkt ausgeschlossen. Wegen der Psyche oder der ES würde ich auch nie zu einem Hausarzt gehen. Das ist nicht deren Fachgebiet. Den Bluttest und Gesundheitscheck haben sie zu machen, wenn ich das will. Ich sehe mich als Kunde, der einen Service verlangt. Die Ärzte können mit dieser nüchternen Einstellung meist recht gut.

    Ich habe offizielle Diagnosen von Psychologen und Therapeuten. Aber eben auch da gibt es so richtig unfähige Leute. Mir persönlich haben die Therapien nie geholfen.
     
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  3. ehemaliges Mitglied

    Stille Nacht

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    Dabei seit 26. Dezember 2015
    Als ich vor vielen Jahren eine Therapie bei einer Kinder- und jugendpsychologin gemacht habe, ging das auch völlig nach hinten los.

    Dieses Mal habe ich allerdings großes Glück.
    Allerdings muss ich offen und ehrlich zugeben, dass ich meinen Therapeuten evtl ein bisschen zu sehr mag... Da muss ich jetzt auf mich aufpassen. :/
     
  4. Gast

    Ferox

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    Hay ihr lieben,
    Ich glaube, mittlerweile habe ich eine wahre Odysse an verschiedensten Ärzten hinter mir, manche reagieren verständinsivoll, so zum Beispiel meine Hausärtzin, sie macht regelmäßige Kontrollen des Blutbildes und ist bei Fragen eigentlich immer da.
    Allerdings trifft man andererorts auf weniger Verständnis, ich war eine Zeit lang auf einer Jugendstation einer Klinik, allerdings wegen einer Traumatherapie, hab es allerdings nicht geschafft mein Gewicht zu halten, weswegen ist die Klinik verlassen musste, ich hab mich damals sehr ungerecht behandelt gefühlt, seid dem bin ich sehr vorsichtig darüber, mit wem ich über was rede....
    Zu der Beziehung zu deinem Therapeuten, Nähe und Distanz zu wahren ist sehr schwierig, vorallem wenn man sich mit dem Therapeuten zu gut versteht, dass ist mir auch mal passiert, ich habe das aufgeklärt und den Therapeuten gewechselt.
     
  5. Member

    Juni

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    Kliniken sind auch nochmal so eine Sache.
    Es fängt damit an, dass man in den Aufenthaltsräumen abgehört wird und auch die Therapeuten Mikros tragen.
    Nachdem wir das herausbekommen haben, war das Vertrauen für mich weg.
    Bezüglich dem regelmäßigen Wiegen wird man auch ziemlich unmenschlich behandelt. Ich habe die Bilder noch gut vor Augen, wie wir morgens in Bademäntel und Decken gehüllt Schlange standen und Wasserflaschen geext haben.
    Das kann ja nun nicht Sinn der Sache sein. Den Patienten bringt man doch so weiterhin bei, dass sich alles ums Gewicht dreht. Eigentlich sollte man bei der Genesung von dem Punkt doch weg kommen.
     
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  6. ehemaliges Mitglied

    Stille Nacht

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    Das klingt ja schauerlich. .. Ich war wegen meiner ES glücklicherweise bisher nie in einer Klinik.
    Einen Klinikaufenthalt gab es mal mit 18, aber damals war ich wegen einer Depression dort und musste nicht solche unangenehmen Erfahrungen machen wie du, Juni.

    Aber ich finde das Thema Klinik allgemein schwierig. Man wird aus seinem gewohnten Umfeld gerissen und ist für Wochen oder Monate wie unter einen Käseglocke...
    Ich hab mich damals noch viel kranker gefühlt als ich dort war.
     
  7. Member

    Juni

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    Interessanter Aspekt und auch ein Grund warum ich nicht glaube, dass ein Klinikaufenthalt für jeden eine Hilfe bedeutet. Man lernt eigentlich nicht wirklich wie man mit seinen Problemen im Alltag fertig wird. Es wird eher die Ursache analysiert und nicht selten bricht man dann in der Klinik erstmal komplett zusammen.

    Ich habe ein großes Problem damit, wenn man nicht mehr lebensfähig gemacht wird und so drastisch aus seiner Laufbahn gerissen wird. Denn ein Klinikaufenthalt bedeutet immer einen groben Einschnitt ins Ausbildung- oder Berufsleben, den man - wenn es ganz dumm läuft - sein Leben lang erklären muss.
     
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  8. Ehemaliges Mitglied

    Faithful.Lullaby

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    Ich sehe das genauso Juni
    Und ich denke auch nicht das man isoliert und zwischen Kranken Menschen gesund werden kann. Zumal man ja sowieso nur zugepumpt wird und in den meisten Einrichtungen richtige Krankenhausbetten stehen. Alles assoziiert einfach du bist Krank - natürlich ist ein Bewusstheit der eigenen Krankheit gegenüber v.a. Für die Heilung und Auseinandersetzung wichtig, aber ich denke man muss sich trotzdem nicht 24/7 damit beschäftigen.
    Bis zu einem Gewissen Grad sind solche Aufenthalte Vlt sogar gut, wenn man sich z.B. bewusst eine Auszeit nehmen Möchte und sich sagt: so ich brauche das jetzt und ich weiß was auf mich zukommt. Wenn man die Wahl hat sollte das gut überlegt sein. Zwamgseinweisung ist natürlich wieder ein anderes Thema das man leider lange mit sich herumschleppen muss.
     
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  9. Gast

    Punx

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    Hey @Stille Nacht@Stille Nacht, sehr gut dass dich deine Therapeutin auffangen konnte.
    Ich kann den Frust sau gut verstehen, wenn man nicht ernstgenommen wird weil mein nicht untergewichtig ist. Kenne das leider auch, da ich mit meinem Gewicht immer zwischen Untergewicht und Normalgewicht hin und her rutsche. Und jedesmal wenn ich wieder im Normalbereich bin gehen die Leute, bzw auch die Ärzte (!)
    sofort davon aus es würde einem ja besser gehen, oder die ES wäre in dem Moment nicht so schlimm.
    Dabei ist es bei mir sogar so, dass ich mich meistens mit Normalgewicht gestörter verhalte als mit Untergewicht, einfach weil ich dann überhaupt nicht mehr zurecht komme.
    Das ist so ein trauriges Thema, weil Ärzte und Psychologen es eig. besser wissen müssten. Tun sie aber nicht.

    Mittlerweile habe ich aber auch eine tolle Ärztin gefunden, wenn ich ein Anliegen habe ist sie sehr verständnissvoll, fragt dann manchmal sogar ob ich noch gut mit meiner Psychiaterin zurecht komme, fragt ob ich immer noch die gleichen Medikamente nehme, habe ich Herzstiche macht sie sofort ein EKG, fühle ich mich unwohl und frag ob wir ein Blutbild machen können, machen wir das sofort ohne weiteres wenn und aber.

    Schlechte Erfahrungen habe ich hier im nächsten größerem Krankenhaus gemacht. Ich war dort wegen schmerzen und der Arzt hat meinen Arm gesehen und meinte sofort das wäre psychosomatisch, ich wurde so richtig von oben herab behandelt.
    Leider ist dort im KH auch die für mich zuständige Psychiatrie, von der ich ebenfalls eine schlechte Meinung habe. Dort ist eigentlich nur Aufbewahrung von Menschen.
    Ich war insgesamt drei mal dort. (Im letzten Jahr nicht Juhu, Erfolg!)

    Sonst war ich noch zwei mal in einer Klinik und habe viel viel bessere Erfahrung gemacht als in der Akutpsychiatrie!

    @Juni@Juni Ich bin geschockt, es muss wirklich schlimm sein soetwas in einer Klinik zu erleben, es tut mir sehr leid für dich, dass du diese Erfahrung machen musstest!

    Ich glaube Zwangseinweisungen sind nie schön.... Mit der damaligen Ärztin die meine Unterbringung richterlich veranlasst hat, habe ich noch nicht mal ein Wort geredet.
    Ich hörte nur wie sie paar Meter weiter sagte "unterbringung in der Psychiatrie xy"
    Dementsprechend war ich etwas..... gereizt..... wollte weg laufen.... wollte mir kein Zugang legen lassen (Ich wusste was ich alles im Blut hatte und hatte Angst vor Wechselwirkungen)
    Die Polizei hat mich dann ins Krankenhaus begleitet.
    Es war wirklich, wirklich schlimm.


    Ich glaube schon das einen Kliniken helfen können, aber nur wenn man freiwillig dort ist und auch wirklich etwas ändern möchte. Das ganze funktioniert natürlich auch nur wenn die Klinik so kompetent ist und die Macht nicht missbraucht.
     
  10. Member

    Juni

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    Öhm. Diese Praktik ist Gang und Gebe in allen Kliniken.
    Ich habe nur die Erfahrung gemacht es mitzubekommen, was eigentlich nicht vorgesehen ist.

    Hach. Ich bin mittlerweile so anti Klinik und Therapie, dass ich wohl besser schweigen sollte. Irgendwie finde ich gerade Kliniken sinnlos, weil man ja nicht in seinem Alltag klarkommen muss, sondern sich in einer Schutzblase befindet, während das richtige Leben draußen weiter geht.
    Es kommt dabei auch immer auf das Problem und die Schwer an. Nach einem Suizidversuch war ein Klinikaufenthalt schon sinnvoll, weil es anders nicht mehr weitergegangen wäre. Aber diese regelmäßigen Aufenthalte, die offensichtlich nichts bringen, weil man dann ja nicht ständig wieder hin müsste... nee, das kann nicht die Lösung sein.
     
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  11. Gast

    Punx

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    War das bei dir in der Kjp? @Juni@Juni ?

    Ich tue mich schwer das gerade zu glauben, also mit dem Gang und Gebe...
    Zumindest im Erwachsenen Bereichen, vielleicht weil bei uns aber auch viele Dinge gemacht haben die nicht erlaubt sind, über Drogen bis Selbsttötung. Es gibt auch viele Psychologen die zu mir in Gesprächen grenzwertige Dinge gesagt haben, die sie wirklich in Schwierigkeiten bringen könnten.

    Psychiatrie finde ich auch nur nach, bzw dann vor suizidalen Handlungen sinnvoll. Danach eher weniger... und eig bringt das auch nur etwas wenn man noch absprachefähig ist. Wenn man sich entschlossen hat ist es zu spät.

    Klar ist die Klinik ne ziemliche Glocke, man lernt halt erstmal in "kleinem Kreis" es liegt an jedem selber wie er das erlernte im Alltag umsetzt. Und ich glaube es kommt auch ziemlich auf die Diagnosen an.
     
  12. ehemaliges Mitglied

    besideyou

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    Dabei seit 22. Januar 2016
    Ouuh KJP <3 Habe ich lange nicht mehr gehört.. Ich muss sagen, dass ich damals eine sehr intensive aber auch sehr heftige Zeit hatte. Die ich jedoch um keinen Preis missen möchte!
    Ich glaube mit das Schockierendste war, dass sich eine 14-Jährige damals vor meinen Augen angezündet hat.

    Das kenne ich nur zu gut..
     
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  13. Member

    Juni

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    Dabei seit 5. Juni 2010
    Nö, das war ne ganz normale Klinik. Allerdings gab es ein Haus für junge Erwachsene in dem ich war.
    In den Aufenthaltsräumen wurde abgehört und die Schwestern hatten teilweise versteckte Mikros, wenn sie mit uns gegessen haben, etc.
     
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  14. Member

    Mariella.

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    25 Jahre alt
    Dabei seit 11. Februar 2016
    Oh Gott, das ist ja furchtbar! :(:buhuu-unfair:

    Ich für meinen Teile habe sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Ärzten gemacht.
    Meine frühere Hausärztin hat meiner Mutter gegenüber gesagt, dass ich mich nur so verhalte, weil ich zu Hause keine Aufmerksamkeit bekomme, da diese ausschließlich meinem Bruder geschenkt wird.
    Geholfen hat sie mir nicht und meine Mutter danach vorerst auch nicht mehr.

    Meinen jetzigen Hausarzt vertraue ich sehr und fühle mich dort auch gut aufgehoben und ernst genommen.
    Er ist auch nicht so eifrig dabei, Medikamente zu verschreiben und was das betrifft, habe ich auch ganz andere Ärzte kennengelernt.

    Mein letzter Therapeut war nett und lustig, mehr aber auch nicht.
    Besonders weiterhelfen konnte er mir nicht, ich hatte auch oft das Gefühl, dass er selbst gemerkt hat, dass er sich im Kreis dreht und nicht zu mir durchdringt.
     
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  15. Lou
    Gast

    Lou

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    Ich muss ehrlich sagen, mit meinem Hausarzt hab ich keine guten Erfahrungen gemacht.. egal was ich hab immer sind nur ibus die Lösung -.-
    Ich kann ihm auch nicht vertrauen.. ich möchte jetzt auch den Hausarzt wechseln und schauen ob ich die/den richtigen finde..
     
  16. Newbie

    Arielle

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    28 Jahre alt
    Dabei seit 26. Dezember 2015
    Was???? Und dann???

    Also...ich hatte 2x einen Klinikaufenthalt. Mit 17 und mit 22. In der selben Klinik, das erste Mal hauptsächlich wegen der ES, das 2. Mal wegen meiner totalen Krise nach dem Praktikum, als ich dachte, ich sei nicht gesellschaftstauglich. Meinen 1. Aufenthalt habe ich sehr positiv in Erinnerung. Ich war naiv, jung und bemüht, mich zu "bessern". Ich hab zwar damals schon die Regeln und die ganze Maschinerie nicht sehr ernst genommen, aber es tat echt gut, diese Auszeit zu haben. Seltsamerweise haben mich die 3 Monate Pause auch gar nicht dran gehindert, das Schulpensum zu wippen. Bin sogar gegen Ende von der Klinik aus in die Schule gefahren. Kurz gesagt: ich konnte den Aufenthalt mit viel Eigeninitiative so gestalten, dass ich Nutzen draus ziehen konnte.

    Beim 2. Mal war alles ganz anders. Ich bin mit der Hoffnung hingegangen, das man mir eine Last von den Schultern nimmt, von der ich gar nicht genau wusste, was es für eine ist. Die Angestellten kamen mir allesamt strohdumm vor. Die andern Patienten regten mich auf. Ich sah depressive 17jährige Mädels die 3-4 verschiedene Tabletten schluckten und danach den ganzen Tag lethargisch rumlagen. So kann man doch nicht gesund werden. Das war für mich keine Hilfe. Ich hatte keinen Bock auf Maltherapie. Meine Aktivität, dass ich dauernd unterwegs war, werteten die Psychologen als emotionale Unstabilität aus und forderten mich auf, mehr drin zu bleiben. Als wäre es ne schlimme Sache, gerne unterwegs zu sein. Schliesslich begann ich mir einzureden, ich hätte Probleme, die ich vorher gar nicht hatte.
    Habe da meine Hoffnung in Ärzte & Co. kurzerhand aufgegeben. Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

    Mag sein, dass es irgendwo auf der Welt Ausnahme-Ärzte gibt, die es wirklich schaffen, Menschen aus einem Loch zu ziehen. Doch bevor ich mir nochmal die Mühe mache, so einen zu finden, stemme ich mich lieber selber raus.
     
  17. ehemaliges Mitglied

    besideyou

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    Dabei seit 22. Januar 2016
    Ohja, die hatte ich auch ^^ aber ich muss zugeben, dass ich die Bilder immer noch hab und ein paar sogar ganz cool finde. Schlimmer fand ich Bewegungstherapie, die ich irgendwann auch noch zusätzlich machen sollte. Da wurden mit Seilen so vier Quadrate ausgelegt, jedes ein anderes Gefühl. Und dann musstest du in jedes Gefühl mal rein und das empfinden. Bei Trauer habe ich tatsächlich angefangen zu heulen, aber ich kam mir extrem blöd dabei vor.

    Solche Angestellte habe ich dort auch kennengelernt. Mir viel es immer schwer, mir von so jemandem Kritik anzuhören und diese auch noch ernstzunehmen. Aber das liegt ja nicht an ihnen, ich habe eben ein Autoritätsproblem und vor allem bei Frauen, die nehm ich ja null ernst (eigentlich waren nur die weiblichen Angestellten strohdumm, auch nicht alle, aber einige). Okay, das Autoritätsproblem habe ich vielleicht wirklich, und das folgende klingt bestimmt arrogant, aber es ist schwer Ratschläge von Menschen anzunehmen, die dümmer sind als ich. Leider sind das ziemlich viele.

    @Arielle@Arielle, dass sie deine verbliebene Lebensfreude, so habe ich dein Aktivität aufgefasst, als emotionale Instabilität werten finde ich wirklich nicht in Ordnung. Gerade während einer stationären Therapie muss man eben auch mal was anderes sehen. Ich weiß ja nicht, wie das bei dir war, aber wir hatten erst 15 min Ausgang und dann immer mehr, wenn wir es beantragt und gestattet bekommen haben. Wie lange genau weiß ich gar nicht mehr... Das war für mich das schlimmste! Ich weiß noch, dass ich deshalb eigentlich gar nicht rein wollte!
     
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  18. ehemaliges Mitglied

    besideyou

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    Dabei seit 22. Januar 2016
    Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht mehr! Sie hatte am Arm angefangen und brannte lichterloh und ich bin nur raus, weil eine Freundin und ich ein ganz komisches Gefühl bekamen, als wir sie haben rauslaufen sehen. Die Freundin konnte aber nicht, weil sie nachdem wir während der Übergabe was geraucht hatten, kurz vor einem epileptischen Anfall stand.. S
    Wie sie geschrien hat, werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Betreuer von alleine kamen oder ich jemanden geholt hab. Jedenfalls wurde sie gelöscht, kam in die Klinik nebenan und hatte dann mehrere Monate lang einen dicken Verband. Später hat sie mir erzählt, dass sie sich mit Nagellackentferner übergossen hat und beim Arm nur anfangen wollt. Sie war 14 und hatte Psychosen und bekam auch Medis.
     
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  19. Member

    Juni

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    158
    Dabei seit 5. Juni 2010
    Das treibt das Thema Selbstverletzung dann wohl auf die Spitze.
    Das müssen doch wirklich höllische Schmerzen sein. *grusel*
     
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  20. Newbie

    Arielle

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    28 Jahre alt
    Dabei seit 26. Dezember 2015
    Einfach nur noch schlimm. Vor allem: mit 14. Da kommt die wirkliche Hölle der Welt doch erst noch auf einen zu. Wenn da schon die Läden dicht sind, wie wird das dann erst mit 40 aussehen...

    Die haben das halt so aufgefasst, als würde ich vor meinen Problemen wegrennen. Ich war teils sogar so down von der ganzen Atom da, dass ich manchmal sogar kurz davor war, denen diesen Mist zu glauben. Es mag stimmen: wenn ich zu wenig unternehme, kommen die Probleme. Aber ich bin bestimmt nicht unterwegs, um ihnen zu entfliehen. Ursache und Wirkung verwechseln - ganz klassischer Fehler der Psychiatrie, die ich für grenzenlos überschätzt halte.
     
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