Essstörung und soziale Kontakte

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von BlackSun, 2. August 2015.

  1. Gast

    BlackSun

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    Top Poster des Monats

    Hallo ihr Lieben,
    ich weiß nicht genau, wie ich bei euch ein neues Thema eröffnen soll. Immerhin bin ich noch in der ersten Phase der Bewerbung und möchte nicht zu aufdringlich wirken.
    Allerdings würde ich mich interessieren, wie sich bei euch eure ES auf soziale Kontakte auswirkt.

    Grund der Frage ist folgender: Ich habe für morgen (Sonntag) bei meiner Schwester abgesagt. Es wäre eine Geburtstagsfeier meines Schwagers und meiner Nichte gewesen, mit Brunch, Leerlauf und dann Kaffee und Kuchen.
    Abgesehen davon, dass in meiner Familie Krieg herrscht (derzeit: Meine Eltern und die Eltern meines Vaters) und dass mein Freund als Haltepunkt nicht da gewesen wäre (aus arbeitstechnischen Gründen), hätte ich dort 2x essen und kotzen müssen. Meine Familie weiß von meiner Bulimie (kann damit mehr oder weniger gut umgehen).
    Das wuchs mir alles so über den Kopf, dass ich abgesagt habe.

    Ich ecke bei meiner Familie an. Das scheint ein roter Faden in unser Vergangenheit der Familie zu sein *seufz* mit dem ich mich gerade versuche abzufinden.
    Schlimmer ist es, dass ich mich (auf Grund der ES?) so leer fühle, dass ich kaum noch mit meinem Freund intim werden kann.

    Irgendwie fühle ich mich als würde ich derzeit überall versagen :(

    Kennt ihr solche Momente auch?

    Liebe Grüße
    Eure BlackSun
     
  2. ehemaliges Mitglied

    Püppchen

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    1
    38
    Dabei seit 23. Februar 2015
    Hallo BlackSun,

    ich sage höchst selten wegen meiner ES irgendwas ab. Jedenfalls erinnere ich mich nicht daran, das häufiger getan zu haben. Wenn ich gezwungen bin zu essen, versuche ich vorher schon zu überlegen wann und wie ich es wieder erbrechen kann. Hm... manchmal habe ich ja auch Phasen, wo ich recht symptomfrei bin, wenn man von den Gedanken absieht. Ich denke auffällig ist es höchstens, wenn ich gerade eine ausgeprägte Phase habe.

    Dass du dich von deiner Familie bei Streit distanzierst finde ich eigentlich gar nicht so schlecht. Wieso sich immer vor Augen halten, was einen verletzt oder stört. Oder wenn man dort nur als Enttäuschung angesehen wird...

    Merkt dein Freund das denn, dass es dir gerade so schlecht geht und weiss er von deiner ES? Na ja diese Leere wird nicht unbedingt von der ES sein, sondern wahrscheinlich von damit verbundenen Depressionen zum Beispiel. Jedenfalls ist das dabei recht häufig, dass man sich so fühlt.

    PS: Du darfst hier natürlich gerne Diskussionsthemen starten, da gibt es keine Vorschriften für. :) Wir freuen uns sogar, wenn Bewerber vorher schon Interesse zeigen.
    Es kann allerdings sein, dass sich die Bewerbung hinzieht, weil wir gerade technisch einige Veränderungen vor haben und unsere Admiss ziemlich viel um die Ohren hat. Das heisst, dass sich hier alles ganz schön in die Länge ziehen kann. Wenn du dich davon nicht entmutigen lässt, sehen wir uns bestimmt bald im Vorstellungsgespräch wieder. ;)

    Liebe Grüsse
    Püppchen *blumeschenk*
     
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  3. Gast

    BlackSun

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    Top Poster des Monats

    Danke Püppchen für deine liebe Antwort.

    Ich beneide dich darum, dass das für dich weniger ein Problem darstellt :)
    Bei mir gibt es leider keine symptomfreien Phasen. Das bringt mich manchmal bei Feiern der Zusammentreffen ziemlich unter Druck.

    Meine Familie ist ein einziges Schlachtfeld und ich bin froh meinen Freud zu haben. Er zeigt viel Verständnis und versucht sich über meine Störungen zu informieren. Er weiß von meiner ES und dass ich unter Anderem wegen ihr manchmal so kraftlos bin.

    Natürlich hat man etwas Geduld, wegen der Aufnahme. Immerhin kann man sich in der Zwischenzeit schon mal etwas beschnuppern.
     
  4. ehemaliges Mitglied

    Püppchen

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    1
    38
    Dabei seit 23. Februar 2015
    Huhu,

    das glaube ich dir, dass das schwer ist, wenn man eigentlich dauerhaft ein auffälliges Essverhalten vorzuweisen hat. Da würde ich Familienfeiern wahrscheinlich auch meiden, um mich nicht mit irgendwas konfrontieren zu lassen, was ich sowieso nicht ändern kann oder möchte. Im Grunde machen sich ja immer alle nur Sorgen - aber nur wenige schaffen es, das angemessen oder auch einfach mal gar nicht zu äußern.

    Ich finde es aber gut, dass du dich deinem Freund anvertrauen kannst und er so verständnisvoll reagiert und sogar versucht sich zu informieren, um dir noch besser beistehen zu können! :)

    Ja das stimmt wohl, da unser öffentlicher Bereich so viele Möglichkeit bietet sich auszutauschen, kann man die Bewerber und die, die es mal werden wollen schon ziemlich gut über ihr Schreibverhalten kennen lernen und eben auch sich miteinander austauschen. Wir freuen uns auch immer, wenn jemand diese Chance nutzt. <3 Also ich spreche da jetzt einfach mal für die anderen mit. ;)

    Liebe Grüße
    Püppchen
     
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  5. Gast

    Artemis

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    Top Poster des Monats

    Ein einigermaßen sozial verträgliches Leben mit einer ES zu führen ist in der Tat ein Balanceakt.
    Für mich stellen Familienfeiern und co. auch jedes Mal eine wahnsinnige Herausforderung dar.
    Am Wochenende waren wir zu Besuch bei den Eltern meines Partners und es war eigentlich gar nichts größeres geplant, aber plötzlich stehen Unmengen von Keksen und Kaffee auf dem Tisch. Ich glaube es ist der Horror schlechthin, wenn man so unvorbereitet auf Essen trifft. Normalerweise halte ich es auch so wie Püppchen erzählt, dass man sich vorher überlegt, wie, wann, wo, man kotzen kann. Aber in solch einem Moment ist das Überforderung pur. Ich habe also alle Kekse abgelehnt, bei so einer kleinen Zwischenmalzeit fällt das ja auch nicht groß auf, bei richtigen Essenseinladungen wird's da ja schon schwieriger. Kaffee allein schmeckt auch (natürlich schwarz :-P). Aber das Ablehnen an sich ist halt die Herausforderung und der ist man nicht immer gewachsen.

    Mein Partner weiß von meiner ES, allerdings noch nicht sehr lang, aber er reagiert sehr verständnisvoll und versucht auf allen Wegen, mir zu helfen.
    Meine Familie weiß davon nichts und ich möchte sicherlich auch nicht noch ein Problem auf all die bestehenden obendrauf setzen. Da meine Beziehung zudem von meiner Familie nicht akzeptiert wird, würde meinem Partner vermutlich sowieso die Schuld gegeben werden, als hätte er mich sozusagen in die ES getrieben. Insofern hält sich meine Motivation sehr in Grenzen, es meiner Familie offen zu legen, was natürlich jedes Zusammentreffen erschwert.
    Manchmal resigniere ich auch total und esse in den Zeiten, in denen ich zu Besuch bin, annähernd normal, um dann in den darauffolgenden Tagen alles wieder zu büßen (starke FA, extremes Hungern etc.)
    Es ist solch ein Balanceakt, man will ja einerseits gesellschaftskonform sein, aber man kann irgendwie nicht...

    PS: An dieser Stelle ein großes Lob für dieses Forum hier!
    Es ist alles so stilvoll gestaltet, jeder wird voller Respekt und Offenheit behandelt und man hat das Gefühl, man darf sich öffnen ohne verurteilt oder belächelt zu werden (auch wenn man nur Besucher ist).
     
  6. Gast

    BlackSun

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    Top Poster des Monats

    Mir ist aufgefallen, das sich jedes Treffen immer irgendwie ums Essen dreht. Man trifft sich mit Freunden auf Kaffee und Kuchen oder zum Brunchen.
    Eine Geburtstagseinladun beinhaltet (zumindest bei uns) entweder Frühstück und anschließend Kaffee mit Kuchen oder Kaffee und Kuchen mit anschließendem Abendessen.
    Wenn ich mich mit meinen Gescwistern treffe, dann zum Frühstück.
    Es ist für mich eine Last geworden, im doppeltem Sinne. Denn ich habe meine ES (was zwar akzeptiert, aber nicht verstanden wird), während meine Schwester seit Jahren gegen ihre Kilos kämpft (Waight Watchers aktuell). Vor längerer Zeit sagte sie mir, dass sie mich beneidet, denn sie ist 'zu dumm', um sich den Finger in den Hals zu stecken. Das fand ich höchst bedenklich.
    Sie geht soweit, das meine nichte neulich vor mir stand, Hunger hatte und ich mit ihr meinen Khlschrank durchgehen musste, damit sie etwas Fettreduziertes findet. Sie ist 8 Jahre alt und meine Schwester redet ihr ein, dass sie auf ihr Gewicht achten muss. Dabei ist sie nicht dick und meiner Meinung nach brauchen Kinder in der Wachstumsphase Energie, weil sich der Körper noch bilden muss.
    Alles im Allen gibt es viele Gründe, solchen Feiern fern zu bleiben, wenn es machbar ist.

    Schlimm is nur mizubekommen, dass er im Grunde ziemlcih machtlos ist. Am Liebsen würde er mich estbinden oder schütteln oder sonst was mit mir machen, um zu mir durchzudringen.
    Zum Glück wusste er von Anfang an von meiner Störung und er weiß, dass ich das niht mache, weil ich ihn Ärger möchte, sondern weil ich (derzeit) nicht anders kann.

    Was ich auch gerne nutzen möchte. Bei meiner Bewerbung war ich vielleicht etwas kurz angebunden bzw. komme vielleicht hie und da etwas kalt rüber. Das liegt nur daran, weil ich meine ES schon etwa 10 Jahre habe, mich mit ihr sehr beschäftige, somit recht aufgeklärt bin und sie derzeit als ein Teil von mir ansehe.. Da kann es bei mir manchmal schon recht 'faktisch' zugehen.
    Ich hoffe, dass ich damit bei euch nicht anecke.

    Das versuche ich auch immer. Aus Höflichkeit knabber ich manchmal einen kleinen Keks mit, was für mich schon richtige Überwindung kostet. Aber man mag halt auch nicht negativ auffallen.
    Wissen die Eltern deines artners über deine ES Bescheid?

    Das klingt nach einem angespannten Familienverhältnis?!
    Darf ich fragen, wie lange du deine ES schon hast und wie lange du mit deinem Freund zusammen bist?
    Warum ist deine Familie gegen diese Beziehung?
    So eine Situation trägt sicherlich nicht positiv zu deiner Störung bei, könnte ich mir vorstellen.
     
  7. Gast

    Artemis

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    Top Poster des Monats

    Bin da absolut deiner Meinung, BlackSun, dass Kinder Energie zum Wachstum brauchen und man deshalb seine eigene "Gestörtheit" in Anwesenheit des Kindes zurückstellen sollte. Es wächst ja sonst geradezu in ein gestörtes Essverhalten hinein.

    Dies ist genau der springende Punkt, man mag nicht negativ auffallen, man will einfach "gesellschaftstauglich" sein. Deshalb wissen auch die Eltern meines Partners nicht Bescheid, ich bin jemand, der Dinge am liebsten mit sich selbst ausmacht, ich weiß durchaus, dass das manchmal nicht gut ist, aber wie soll man aus seiner Haut heraus. Es war schon ein unglaublicher Akt der Überwindung mich meinem Partner zu öffnen und ich konnte es auch erst vor kurzem, weil ich eigentlich glaubte, ich hätte die schlimmste Phase überwunden und es nahezu hinter mir gelassen.
    Wahrscheinlich liegt eine Ursache darin, dass meine Familiensituation sehr schwierig ist, aber ich möchte hier nicht näher darauf eingehen.
    Als ich 16/17 war, habe ich wohl das erste Mal damit begonnen mich willentlich nach einem FA zu übergeben und in dieser Zeit hatte ich auch Tendenzen zu SVV. Nach dem Schulabschluss hatte ich aber eine richtig gute Phase, weshalb ich ja auch dachte, ich hätte das alles komplett hinter mir gelassen. Aber in den letzten Jahren kam wieder schleichend die Verschlechterung, ich vermute durch die Belastung aus Familie, Job, Studium, der ich gewachsen sein will, die sich aber ein Ventil sucht.
     
  8. UnregistriertRosella

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    Top Poster des Monats

     
  9. UnregistriertRosella

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    Top Poster des Monats

    Hallo BlackSun, ich bewerbe mich auch gerade neu als Mitglied wie du. Ich habe schon oefter gemeinsame Essen abgesagt aus Angst zu Essen, z.B. in meinem Hundeverein Braunkohlessen, Currywurstessen nach Arbeitseinsätzen, Grillfeste....Es ist schon traurig! Bei dem letzten Hundewettbewerb habe ich dort den ganzen Tag nichts gegessen nur zwei Eiweißriegel. Wenn die Stimmung bei euch in der Familie so angespannt ist, finde ich es aber auch gut von dir, daß du dich selber schützt und dich so der Situation nicht aussetzt. Denn negative Stimmungen schlagen bei uns leider oft auf das Essverhalten aus. LG Rosella
     
  10. Gast

    BlackSun

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    Top Poster des Monats

    Nur was soll ich tun? Meine Schwester darauf ansprechen? Sie würde sich sicher angegriffen fühlen und es damit abtun, dass ICH die essgestörte Person der Familie bin und deswegen alles falsch sehe. Ich verfluche, dass das so ein sensibles Thema ist.
    Zumindest werde ich miene Nichte weiter im Auge behalten. Zum Glück hat es mein Schwager (ihr Vater) mitbekommen. Aber der scheint das nicht ernstgenommen zu haben.

    Das verstehe ich. Meine Familie ist auch desaströs, aber darauf möchte ich hier im öffentlichen Bereich auch nicdht näher drauf eingehen.

    Eine Essstörung kann man leider mit einer sucht gleichsetzen. Ist man 'über sie hinweg' stell ich es mir dennoch so vor, wie ein trockener Alkoholiker zu sein.
    Fängt man damit an, wird man sie (oder die Gedanken an sie) nicht mehr los.

    Meine Erfahrung zeigt mir, wie man Gefahr läuft entweder zu vereinsamen (weil man immer wieder Feiern absagt) oder zu vereinsamen, weil man hingeht und dann Gefahr läuft mit seinem gestörten Essverhalten aufzufallen und dann als Sonderling abgestempelt wird.
    Es ist eigentlich schon fast egal, wie man es dreht oder wendet.
     
  11. ehemaliges Mitglied

    Opheliac

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    36
    Dabei seit 1. November 2014
    Hallo BlackSun,

    ich habe auch schon viele Treffen abgesagt und Einladungen ausgeschlagen.
    Party? Ne, ich muss Lernen.
    Eis Essen nach der Klausur? Sorry, ich muss heim.

    Nach ein paar Wochen wird man auch gar nicht mehr gefragt oder eingeladen, weil man eh immer alles absagt.
    Das Problem kenne ich also sehr gut, hinzu kommt, dass ich auch ein Alkoholproblem habe.
    ES und Alkoholproblem, da ist das Sozialleben gestorben.

    Zu der Zeit, in der ich mein Tiefstgewicht erreicht und nicht getrunken habe, war ich komplett isoliert, das ist auf Dauer aber auch nicht gut gegangen und hat nur zur nächsten Katastrophe geführt.

    Inziwschen bin ich wieder gut integriert und auf meinem absoluten Höchstgewicht, mit Tendenz nach oben.
    Lohnt es sich, für die eigenen Ideale und Wünsche soziale Kontakte aufzugeben?
    Oder lohnt es sich für soziale Kontakte noch unglücklich zu werden, weil man komplett außer Kontrolle ist und ein FA nach dem anderen folgt?
    Irgendwie müsste man wohl einen Kompromiss finden, doch das gestaltet sich als sehr schwierig, wie viele von uns am eigenen Leib zu spüren bekommen.

    Die Situation mit deiner Schwester finde ich sehr schwierig.
    Es ist immer eine heikle Angelegenheit in Kindererziehung einzugreifen.
    Ich finde es gut, dass du die Situation beobachten willst.
    Vielleicht ist alles halb so wild, vielleicht wird aber gerade bei deiner Nichte der Grundstein für eine ES gelegt.
     
  12. Gast

    BlackSun

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    Top Poster des Monats

    Bei mir ist es eigentlich recht einfach, Kompromisse zu finden. Meine Familie weiß von einer Essstörung. Jeder geht anders damit um. Manche befassen sich damit, manche kapseln sich ab, andere widerum ignoriren es einfach (weil ich im Normalgewicht bin und deswegen ja nicht so schlimm ist) uns so weiter und sofort.
    Bin ich bei meiner Schwester eingeladen, gibt sie mir das Private WC frei. Das ist eine sehr große Geste in meinen Augen.
    Und dennoch, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, dann kneife ich den Schwanz ein. Es reicht schon aus, wenn mein Freund nicht mitkommen kann und es Brunch und danach irgendwann Kaffee und Kuchen gibt. Da fehlt mir der Halt, der neben mir sitzt. Ich konzentriere mich dann zu sehr auf das Essen, ohne Ablenkung. Das ist die Hölle pur.
    Familie ist sowieso ein recht schweres Thema.
    Freunde an sich habe ich keine mehr. Es gibt Bekannte, die immer wieder an meinem Leben teilnehmen. Mal schnell ne SMS oder ne Mail, das ist in Ordnung. Aber ich bin kein Mensch, der sich ausgibig mit anderen Menschen trifft. Das ist mir einfach zu anstrengend geworden (ganz abgesehen von meiner ES).

    Darum bin ich sogar froh. Versteh das bitte bitte nicht falsch!!
    Es ist nur so, dass ich ein wenig Gepäck mit mir rumschleppe. Sei es die ES oder Substanzmittelmissbrauch. SVV, Depression oder Minderwertigkeitsprobleme...ich scheine ziemlich laut 'hier' geschriehen zu haben, als es um die Verteilung der Störungen ging.....(Sarkasmus)
    Kurz gesagt bin ich eine Borderlinerin, mit diversen Symptomen.
    Es gibt mir Mut zu hören, dass du 'neben' der ES Probleme mit dem Alkohol hast. Denn:
    1. Weiß ich dadurch, dass dieses Forum nicht vor 'Härteren' Fällen zurückschreckz
    und
    2. Dass es sich wahrscheinlich um ein ernsthaftes Forum handelt. Ein Forum mit seinen Tiefen, wie auch mit Spielereien. Das man hier genommen wird, wie man ist, wenn man denn überhaupt in das Forum passt. Wenn man hier aufgenommen wird, muss man sich zumindest nicht verstecken, denke ich.


    Eingreifen werde ich auf keinen Fall. Das ist Sache der Eltern. Ich kann ihr nur immer wieder versichern, dass wenn mal was sein sollte, ich als Tante fest an ihrer Seite stehe.
    Sie weiß nichts von meiner ES, aber sie ist nicht dumm. Sie weiß wesentlich mehr, als wir alle ahnen. Deswegen bin ich froh (das hört sich sicher hart und emotionslos an), dass sie sagte sie hätte es von ihrer Mutter.

    Bei Kindern hört bei mir nun mal der 'Spaß' auf. Da bin ich rigoros.
     
  13. ehemaliges Mitglied

    Opheliac

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    4
    36
    Dabei seit 1. November 2014
    Verstecken oder Verstellen muss und soll sich hier keiner, so macht das Konzept des Forums ja auch keinen Sinn.
    Man wird wenig Freude am Austausch mit andere haben, wenn man sich ständig auf die Zunge beißen muss.
    Gegen "härtere" Fälle hat hier niemand etwas, die einzige Grenze ist bei akuter Suizidalität gegeben.

    Mit der Borderline Persönlichkeitsstörung wärst du hier ebenfalls nicht alleine.
    Ich selber habe auch Borderline, habe letztes Jahr stationär DBT gemacht, mitgenommen habe ich jedoch wenig.
    Mein Skillkoffer verstaubt seit meiner Entlassung in einer Ecke und Ammoniak und Finalgon habe ich umsonst gekauft.
    Auf der Station hat das mit den Skills und Gefühlsprotokollen ja noch super funktioniert, doch in der echten Welt findet es keinen Platz, zumindest nicht in meinem Leben.

    Das kann ich gut verstehen, ich denke jeder von uns hat große Angst, andere mit der Sucht "anzustecken", sprich, die gestörten Essgewohnheiten weiterzugeben.
    Und ich bin deiner Meinung, Kinder bekommen sehr viel mehr mit, als wir uns vorstellen können.
    Natürlich verstehen sie nicht genau was passiert, aber sie fühlen, dass etwas nicht stimmt.
     
  14. Gast

    BlackSun

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    Top Poster des Monats

    Danke Opheliac für deine nette Antwort :)

    Und schon wieder bekräftigst du mich (wahrscheilich ohne es zu wollen). Therapie-Leben und Realitätsleben scheinen irgendwie schwierig vereinbar zu sein.
    Ich habe auch schon so manche Therapien hinter mir. Ich bin nicht dumm, das heißt: Ich weiß, was ich meinen Körper antue und dass das nicht gut ist. Aber ich KANN aus diesem Teufelskreis einfach nicht ausbrechen.
    Lebe ich, wie ich möchte, werde ich angeschaut, als wäre ich nicht normal (ha ha, wer ist das schon?!)
    Lebe ich nach den Regeln der Gesellschaft, würde ich eingehen und wieder Zuflucht im Suizid suchen (dem ich mich eigentlich aufbäume, weil ich gerade einen tollen Partner und eine Ahnung davon habe, was es heißt wirklich zu leben).
    Lebe ich nach meinen Regeln, zerstöre ich mich.
    Lebe ich nach anderen Regeln, zerstört es mich.

    Ich bin jetzt 34. Das heißt, dass ich gut ein Drittel von meinem Leben schon hinter mir habe. Und was sehe ich da? Verachtung, Kriminalität, vorne hui & hinten pfui...ich habe keinen Bock mehr auf diese ganze Scheiße.

    Mein Freund sagt zu mit: Du hast ein besseres Leben verdient.
    Das sagt sagt auch mein aktueller Therapeut.
    Dem kann ich (wenn ich mich gut und stark fühle), nur anschließen. Nur geht dieses energievolles Angehen im Alltag unter...eigene Dummheit.

    Oh, ich glaube ich werde gerade zu ausschweifend....

    Hast du sonst gar nichts von der Thera mitnehmen können?


    *lach* Oh ja
    Kleine Kinder sind wie kleine Teufel.
    Ich wohne mit meinem Freund (derzeit noch) in einer Wohnung direkt über meinen Eltern.
    Die ganze Familie ist zu besuch, er muss (warum auch immer) noch mal nach oben. Sie fängt ihm im Treppenhaus ab und fragt, ob er nach oben geht, um dort Süßigkeiten zu essen.
    Er total verwundert:' Nein, warum?'
    Sie: 'Weil du doch jetzt allein, ohne S. (ich) nach oben gehst...'
    Als er mir das später erzählte fiehl mir alles aus dem Gesicht.
    Meine Familie und ich haben wirklich geglaubt, dass wir es an meiner Nichte vorbeischleusen könnten.....
     
  15. Gast

    Artemis

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    Top Poster des Monats

    Kinder haben wahnsinnig sensible Antennen und spüren meistens die Gefühle von uns Erwachsenen viel deutlicher. Da bleibt einem manchmal wirklich der Mund offen stehen.

    Vielleicht ist es auch gar nicht mal das schlechteste, dass ihr die Essstörung nicht an deiner Nichte, BlackSun, "vorbeischleusen" konntet. Vielleicht kann sie es viel besser verstehen, was die Risiken und das Traurige dabei ist, wenn sie in ihrem Aufwachsen Berührungspunkte damit hat und ist selbst dann nicht so gefährdet? Oder gerade deshalb noch mehr?

    Mein Partner hat bereits Kinder und immer, wenn diese bei uns sind, habe ich auch eine wahnsinnige Angst, etwas von meinem gestörten Essverhalten könnte auf sie abfärben. Ich denke, im Moment sind sie noch zu jung, als dass es sie wirklich interessiert, was und wie und warum ich esse/nicht esse, aber mir graut vor den Warum-Fragen, ich hätte einfach keine Antwort parat. Wahrscheinlich ist ein offener Umgang irgendwann das beste, aber wie ist das zu verantworten, es wäre doch unverzeihlich, wenn man selbst eine Mitschuld daran hätte, dass jemand anderes in eine Essstörung abdriftet.
     
  16. Gast

    BlackSun

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    Top Poster des Monats

    Offenheit ist immer der beste Weg, denke ich. Wobei man sie gut dosieren muss und es ist auch abhängig vom Alter des Kindes und was man meint ihn zumuten zu können und was sie überfordern würde.

    Mein Exfreund hatte auch eine kleine Tochter. Vom ersten bis zum dritten Lebensjahr durfte ich den kleinen Sonnenschein mitbegleiten.
    Scheiß war nur, dass ich oft in der Situation war, wegen seiner Arbeit sie das halbe Wochenende alleine zu beaufsichtigen. Ich habe mich dafür gehasst, wenigstens in der Zeit meine Störung nicht beiseite schieben zu können. So gut ich es auch versucht habe es von ihr fern zu halten, das etwas nicht stimmte hat sie dennoch irgendwann gespürt.
    Irgendwann muss man aber mit ihnen sprechen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es dir vor diesen Gesprächen graut. Ich hoffe für dich, dass das noch ein wenig auf sich warten lässt.
     
  17. Probezeit nicht bestanden

    whiteFee

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    112
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    28 Jahre alt
    Dabei seit 11. August 2015
    Hey BlackSun *herzig*

    Also meine Familie und mein Freundeskreis haben relativ spät von meiner ES erfahren (da ging das schon 3 Jahre). Meine Mutter und ich hatten oft Streit wegen dem Essen. Mittlerweile wissen fast alles Bescheid und es ist schwer, fremden Menschen gegenüber klarzumachen, dass mein Essverhalten nicht absichtlich so "ausgefallen" ist. Zu Hause werde ich oft darauf angesprochen. Aber manchmal ist es auch entspannt. Mit einer Freundin, die selbst ein normales Essverhalten hat, kann ich das auch ab und zu mit Humor nehmen. Dann sagt sie: Mensch, haste ja doch wieder doll zugeschlagen. Das ist dann Sarkasmus, weil ich dann eben nur eine Handvoll gegessen habe. Wir lächeln uns dann an und sie meint das auch völlig wertfrei. Es ist immer stark von den Menschen abhängig, mit denen man gerade unterwegs ist oder die etwas mitbekommen. Ich erkläre meistens, dass ich einfach so bin und dass das eben mein Essverhalten ist. Ich bin ja nicht jedem eine Rechtfertigung schuldig. :D
    Früher habe ich auch oft abgesagt oder Tricks verwendet, dass es keiner merkt, wenn ich nicht aufesse. Aber das ist natürlich auch nicht immer angenehm, weil es auch ein großer Aufwand ist.

    Ich kenne das mit dem Freund als Haltepunkt. Das tut gut, wenn man jemanden dabei hat, der einem ein Gefühl von Sicherheit gibt. Also ich wünsche dir, dass du dir das nicht zu sehr zu Herzen nimmst. Du scheinst ja zu versuchen, dass alles unter einen Hut zu kriegen und ich kann mir vorstellen, dass das nicht immer leicht ist.
    Fühl dich gedrückt :hug:
     
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  18. Gast

    BlackSun

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    Top Poster des Monats

    Hallo whiteFee,

    zu sller erst möchte ich auf deine Freundin eingehen. Ich finde es toll, wie ihr damit umgeht. Humor ist, wenn man trotzdem darüber lacht.
    Alleine beim Lesen spüre ich eine gewisse Beschwingtheit, auch wenn der Hintergrunds doch eher ernst ist. Solche Momente finde ich (ganz ehrlich) beneidenswert.
    Das führt mir vor Augen, wie verbissen mein Alltag geworden ist. Was eigentlich schade ist.

    Man ist nicht jedem eine Rechenschaft schuldig, wie schön wäre es, wenn ich das auch von meinem Umfeld behaupten könnte. Meine Familie hat auch erst spät von meiner ES etwas mitbekommen. Aber mit den Jahren gehe ich (zumindest in diesem Kreis) recht offen damit um. Sprich, meine ganze Familie weiß Bescheid.
    Dennoch lädt mich meine Oma zum Spargelessen ein. Gut, man kann sagen, dass sie älter ist und das nicht ganz versteht und es ja eigentlich nur gut meint.
    Aber dann möchte ich mich mit meinen Geschwistern treffen, weil mein Vater einen großen Geburtstag hat und wir Überraschungen planen wollen und meine Schwester schlägt vor, sich zum Frühstück zu treffen. Das hat sie mit meinem Bruder auch schon alles abgeklärt....nun stand ich da und wusste niht weiter. Geschwister, Nichte, Neffe, Freund, Essen, kotzen, das war mir einfach zu viel. Sagte das meinen Geschwistern auch. Und als Antwort kam von meiner Schwester: Gut, dann zum Kaffee und Kuchen?
    Was soll ich da noch machen?

    Vielleicht ist das auch der Grund, warum mein Alltag (wie bereits erwähnt) verbissen geworden ist.
    Mein Freund und ich planenen Anfang nächsten Jahres umzuziehen. Wir brauchen einfach beide Abstand von meiner Familie.

    Wenn meine Familie das schon nicht versteht, dann denke ich, dass es Freunde noch weniger verstehen würden und habe mich somit von allen sozialen Kontakten isoliert.
    Deswegen finde ich es bewundernswert, wenn man (wie du) trotz seiner Störung feste Freundschaften erhalten kann <3
     
  19. Probezeit nicht bestanden

    whiteFee

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    28 Jahre alt
    Dabei seit 11. August 2015
    Hey BlackSun,

    Danke erstmal für die netten Worte. Wenn ich höre, wie es dir mit der ganzen Sache geht, tut mir das echt leid. Ich verstehe, was du meinst. Klar, es ist eine blöde Krankheit, die einen echt doll isolieren kann. Aber ich muss gestehen, dass ich auch viele Freunde veloren habe. Da fielen Sätze wie "Wir sind erst wieder Freunde, wenn du isst". Aber ich habe mir im Laufe der Jahre angwöhnt, auf sowas keinen Wert zu geben. Du hast genauso Freunde verdient, die dich mögen - egal, ob du eine ES oder sonst etwas hast. Jeder ist, wie er ist. Und du wirkst auf mich bemüht. Großmütter sind da natürlich eine heikle Sache. Die finden das sehr bedenklich und seltsam, wenn jemand aus ihrer Sicht "freiwillig" hungert. Das ist ja noch eine ganz andere Generation. Wenn meine Oma sowas sagt, dann nicke ich und erkläre kurz, dass das stimmt - dass Essen eben schon wichtig ist und ich sage immer, dass es gut schmeckt. Viele freuen sich darüber. Eine andere Variante ist, dass ich das Thema schnell ablenke. Manchmal lüge ich halt auch und sage, dass ich schon gegessen hätte. Aber das auch wirklich nur, wenn es für mich in dem Moment einfach nicht tragbar ist, etwas zu essen. Etwas Abstand von der Familie kann natürlich gut tun. Aber ich wünsche mir echt für dich, dass du dich da auch nicht runterziehen lässt. Familie ist da immer betroffen, egal was man hat. Aber damit musst du dich ja nicht unter Druck setzen lassen. Also könntest du nicht trotzdem hingehen und wenig essen?

    *herzig*
     
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  20. Gast

    BlackSun

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    Top Poster des Monats

    Liebe whiteFee,

    ein Sorgenkind wollte und möchte ich nicht werden :worry: Dafür steckt noch zuviel Leben und Energie in mir. Soweit kommt es noch, dass meine Familie mich klein bekommt :)

    Ich lebe nach dem Motto: Bekannte hast du viele, echte Freunde kannst du aber an einer Hand abzählen.
    Mich wundert es immer wieder, dass es Menschen auf z.B. Facebook gibt, die denken, dass je mehr 'Freunde' sie haben, desto beliebter sind. Oh, da bin ich wirklich krüsch. Wer nicht mein Feind ist, der ist nicht automatisch mein Freund.
    Und wenn ich höre, dass es Menschen in deinem Umfeld gibt, de ihr Freundschaft darauf aufbauen, ob und wiviel du isst, dann kriecht die kelte Wut in mir hoch.
    Freunde stellen kein Ultimatum.

    Natürlich muss man die geschichtliche Vergangenheit berücksichtigen.
    Aber ich denke auch, dass meine Enkel (wenn es soweit kommen sollte) mit Krankheiten oder Störungen auf mich zukommen wird, die mir gänzlich unbekannt sind. Damit müsste ich mich dann beschäftigen, um meine Familie zu verstehen.
    (Entschuldige bitte, vielleicht bin ich gerade etwas zu sehr in meine Erfahrungen mit meinen Großeltern abgerutscht. Dann kann es schon mal etwas kalt rüberkommen)

    Ich arbeite daran, an solchen Tagen wenig zu essen.
    Meine derzeitigen Alternativen sind allerdings auch nicht gerade empfehlenswwert. Entweder trinke ich oder nehme Medis zu mir, die das Hungergefühl gar nicht erst aufkommen lassen.
    Ansonsten ist es wie bei meiner Schwester, die mir schon ein 'eigenes' Bad nach dem Essen reserviert.
    Es ist, egal wie ich es drehe oder winde, ein Problem mit mir.
     
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