Hilfe - meine Oma ist essgestört

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von lovely, 15. August 2010.

  1. Gast

    Glücksfee

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    Top Poster des Monats

    Hast du denn deiner Oma schon einmal gesagt, dass du dir Sorgen machst? Warum genau machst du dir Sorgen? Machst du dir Sorgen, dass sie stirbt? Ich glaube, mich würde es vor allem wütend machen, wenn mich meine Oma so mit dem Essen erpressen würde. Wie ist das bei dir?
     
  2. ehemaliges Mitglied

    Coquille

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    Dabei seit 29. November 2013
    Ja, sowohl meine Mutter als auch ich haben das schon mehrmals zum Ausdruck gebracht - erfolglos.

    Nun ja, bei ihrem momentanen Gesundheitszustand (eine Grippe könnte lebensbedrohlich enden), ist es glaube ich logisch, dass ich deswegen besorgt bin. Und ja, ich habe auch Angst dass sie stirbt.

    Wütend macht es meine ganze Familie, aber das ist wohl auch die natürliche Reaktion - es ist deshalb einfach schwierig, Verständnis für ihre Situation zu haben. *sigh*
     
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  3. Gast

    Waldfee

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    Wenn es die ganze Familie so wütend macht, dann kommen mir zwei Dinge in den Kopf. Das Erste und einfachere ist: Gibt es irgend einen Vorteil, den deine Oma davon hat, wenn ihr wütend auf sie seid? Das Zweite und kompliziertere ist: Ist deine Oma vielleicht auch wütend auf euch und drückt es über das Essen aus? Könnte es sein, dass deine Oma euch evtl. sagen möchte: Da seht ihr mal, so wütend wie ihr gerade seit, so wütend bin ich, weil ... (z.B. ihr mich so selten besuchen kommt, etc.).
    Schau mal ob was dabei ist.
    Wenn nichts dabei ist, dann würde ich der Oma klipp und klar die eigene Grenze aufzeigen. Ich würde sagen, dass sie jetzt so und so alt ist und das sie sterben wird wenn sie nicht isst. Ich würde ihr sagen, dass ich mein Bestes versucht habe um ihr zu helfen, dass ich aber jetzt nicht länger darum betteln werde, dass sie isst. Ich würde ihr sagen, dass ich mich ab jetzt nicht mehr länger ins Essen einmischen werden. Denn sie ist alt genug und hat selbst die Verantwortung dafür ob sie essen mag oder nicht. Ich würde ihr klipp und klar machen, dass ich über das Essen nicht erpressbar bin und würde mich auch tatsächlich nicht mehr einmischen.
    Trotz dieser klaren Linie würde ich versuchen, für sie ansprechbar zu sein. Ich würde fragen, wie es ihr geht, was sie beschäftigt evtl. mir Zeit nehmen um gemeinsam ein altes Fotoalbum etc. anzusehen. Einfach darüber sprechen, was sich für deine Oma verändert hat.
     
  4. Gast

    Glücksfee

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    Top Poster des Monats

    Mist. Jetzt habe ich im Beitrag vorher ausversehen den falschen Benutzernamen geschrieben. Ich bin Glücksfee ... Sorry
     
  5. Gast

    Maya

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    Top Poster des Monats

    Interessantes Thema!

    Meine Oma wiegt etwa 46 Kilo, hat in ihrem ganzen Leben nie die 50 Kilo erreicht und erzählt mir jedes Mal, wenn ich sie sehe, dass sie ihren Bauch so hässlich finde und unbedingt abnehmen müsse.

    Inzwischen kann ich nichts mehr dazu sagen. Es tut mir weh das zu hören, zu sehen, dass sie noch nicht einmal mit über 70 von den Gedanken in Ruhe gelassen wird. Und es macht mir Angst. Angst um sie, weil sie abgemagert aussieht und so nicht mehr lange zu leben hat. Aber auch Angst davor, selbst alt zu werden und weiterhin kein Leben mehr ohne Essstörung zu haben.

    Coquille, ich kann dich da sehr gut verstehen, der Umgang mit ihr ist daher schwer. Ihre jetzt vielleicht unterstützend gemeinten Ratschläge klingen irgendwie falsch, hält sie sie doch selbst nicht ein.
     
  6. Art of Life

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    Top Poster des Monats

    ES 50+

    Hallo,

    meine Oma hat mit 56/57 Jahren eine richtig heftige Magersucht entwickelt.
    Allerdings muss ich dazu sagen, dass sie davor schon nicht gesund war, sie kam früh in die Wechseljahre und hatte seitdem immer Probleme mit der Figur und dem Essverhalten. Bevor sie in die Magersucht umschlug wog sie so ca. 125kg! (bei einer Größe von 1,68m)

    Die Wende kam ganz plötzlich. Innerhalb von 1,5 Jahren nahm sie mehr als die Hälfte ihres Gewichts ab, wog dann so 58kg. Ihre Mahlzeiten waren wirklich witzlos, Knäckebrot, manchmal sogar Vollkorntoast, magerer Frischkäse, Tomaten, Salatgurke, Radieschen...Gemüse und etwas Obst halt, roh versteht sich, und gelegentlich ein wenig magerer Fruchtjoghurt mit Müsli. Viel Wasser, wenig alkoholfreies Bier, ab und an ein Glas Wein. All das in präzisen und kleinen Mengen und sonst nix.
    Von FA habe ich nie was bemerkt, wir haben aber auch ziemlich weit weg gewohnt und ich habe sie nicht soo oft gesehen. Meist in den Ferien, da aber dann mehrere Wochen. Ich habe meine Oma da jedenfalls sehr diszipliniert erlebt.
    Natürlich war sie mit dem Ergebnis auch nicht zufrieden...125kg hinterlassen nunmal Spuren, das fortgeschrittene Alter ist der Rückbildung auch nicht gerade zuträglich und Zufriedenheit zu erreichen ist ja ohnehin immer so eine Sache.
    Sie behielt ihren disziplinierten Essensplan dann freilich auch bei, schließlich war sie eben nicht zufrieden und gewichtsmäßig war ja noch was drin.
    Schlußendlich sah sie wirklich hager und eingefallen aus, wurde auch immer strenger mit sich, hörte z.B. auch das Rauchen auf.
    Inzwischen ist sie 77 und sie leidet leider an einer anderen schweren Krankheit, ihr Gewicht hat sich zwar normalisiert, ihr Essverhalten auch aber dafür...:(

    liebe Grüße,
    Art of Life
     
  7. Gast

    Eugenia

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    es gibt wirklich viele alte Menschen mit ES

    Hallo,
    mir sind bei meiner Arbeit immer wieder alte Menschen mit ES begegnet. Im Altenheim schätze ich den Prozentsatz an Menschen mit ES ähnlich hoch bei jungeren Menschen.
    Häufig wird Abführmittel eingesetzt, gezielt um das üppige Mittagessen wieder los zu werden. Aufgefallen ist uns Pflegekräften das, weil die alten Menschen zusätzlich auch inkontinent sind und der Durchfall immer nach üppigen Essensprotionen kam, sonst nicht - und weil Panik ausbrach beim alten Menschen wenn das Abführmittel dem Ende zuging und noch kein neues da war.
    Am Tisch im Speisesall unterhalten sich die alten Menschen ganz oft über Gewicht, Diäten, Abnehmmethoden etc.
    Auch Magersucht ist mir begegnet. Es kam eine alte Frau zu uns, die laut Angehörigen "schon immer dünn war". Sie wog knapp 34 Kg bei über 160cm ... und das schon ihr Leben lang. Auffällig war, dass sie ständig laut nach Essen verlangte und nach Nachschlag - oder ihre Brötchen "Dick mit Butter" bestellte - es aber dann doch nicht aß. Sie aß ein halbes Brötchen über den Tag verteilt - das nahm sie mit ins Zimmer und bis Abends wurde immer ein kleines Stück davon abgebissen. Sie war viel im Garten - immer mit einer Zigarette und immer in Bewegung. Im Zimmer lag sie dann im Bett und sah völlig erschöpft aus. Und sie wurde von den restlichen Damen im Heim ausgegrenzt - weil der Neid über ihr Untergewicht so groß war - ähnlich wie es außerhalb des Heims bei jungen Menschen auch geschieht.
    Herbeigeführtes Erbrechen habe ich nicht so beobachtet - ich vermute aber dass es das auch gibt und ich es als Pflegekraft einfach nur nicht direkt mitbekommen habe.
    Ich muss sagen dass die Reaktionen der Pflegekräfte darauf ähnlich dumm und unqualifiziert waren wie sonst in unserer Gesellschaft Menschen darauf reagieren. Viel Gleichgültigkeit, Wut über die zusätzliche Arbeit und boshafte Lästereien - jedenfalls kein Verständnis.
     
  8. ehemaliges Mitglied

    Anina

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    Dabei seit 17. Dezember 2013
    Ich finde das ehrlich gesagt sehr erschreckend, weil ich es von älteren Menschen einfach nicht erwartet habe. Meine Oma spricht allerdings auch oft über ihr Gewicht und ihre Figur. Auch, dass sie abgenommen hätte. Ob sie wirklich an einer Essstörung leidet, kann ich nicht sagen - zwar isst sie nur zu speziellen Anlässen warme Mahlzeiten und immer wenig, aber ältere Menschen haben schließlich auch einen niedrigeren Energiebedarf.
    Auch weiß ich, dass meine Großtante übermäßig Abführmittel verwendet hat und deshalb einen Seitenausgang bekam.

    Aber so krass wie du es aus dem Altenheim schilderst, Eugenia, finde ich es schon erschreckend. Ich meine.. das ist dann schon sehr eindeutig. Vor allem die Geschichte der alten Dame mit 36 kg - Auch bei einer Körpergröße von 160 cm ist das wenig. Noch dazu, wenn sie offenbar üppiges Essen vorspielt und in Wirklichkeit kaum etwas zu sich nimmt.

    Ich glaube auch, dass so etwas eher hinter verschlossenen Türen stattfindet, da Bulimie auch nicht so akzeptiert wird wie Magersucht oder restriktives Essen.

    Das finde ich arg. Immerhin sollte man als Pflegekraft doch den Wunsch und das Ziel haben, anderen Menschen zu helfen..
     
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  9. ehemaliges Mitglied

    Eugenia

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    39 Jahre alt
    Dabei seit 6. Juni 2014
    Hallo Anina,

    ja du hast recht - Pflegekräfte sollten den Wunsch und das Ziel haben anderen Menschen zu helfen und am Anfang der Ausbildung ist das auch tatsächlich so. Aber wenn man schon lange arbeitet und ständig Leid sieht, stumpft man ab - dazu kommt, dass zu wenig Pflegepersonal vor Ort ist und nicht einmal das Minimum der anfallenden Arbeit geschafft wird. Das ist keine Entschuldigung und es ist sehr traurig - aber es ist die Ursache, dass sich Pflegekräfte aggressiv verhalten. Es fehlt auch am Wissen. Gerade wenn es sich um ein einfaches Altenheim handelt und nicht eine spezielle Klinik für ES. Es gibt Pflegekräfte die sich privat viel weiterbilden - aber eben nicht alle.
    Ich habe angesprochen auf Arbeit, dass die Oma höchstwahrscheinlich Magersucht hat. Es hat aber niemanden interessiert. Relevant ist im Altenheim nur, dass der Bewohner im Heim selbst kein Gewicht verliert, denn das zählt als Pflegefehler und dafür kann das Heim verklagt werden. Was davor war, spielt keine Rolle. Dadurch dass die Oma schon immer so wenig wog - war alles ok für das Heim.
    Für die Omis, die so viel Abführmittel genutzt haben, konnte ich mehr machen - ich habe eine Ärztin angesprochen und sie war einverstanden die Omis zur Ernährungsberatung zu schicken. Letztendlich haben die Omis dies aber abgelehnt.
     
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  10. ehemaliges Mitglied

    Anina

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    Dabei seit 17. Dezember 2013
    Dass es zu wenig Pflegepersonal gibt, ist ja leider ziemlich publik. Aber dass die Freude an der Pflege und am Helfen so stark verschwindet, finde ich sehr schade. Klar, das ist eigentlich bei jedem Beruf so - nach etwas Zeit ist es einfach nicht mehr spannend und interessant, aber vor allem im medizinischen Bereich sollte die Freude daran und das Wohlbefinden der Patienten auch das Ziel sein und bleiben. Vor allem, wenn man mit Menschen zusammen arbeitet, sollte man nicht abstumpfen - jeder Mensch ist eine neue Geschichte, ein neuer Abschnitt und hat eigene Bedürfnisse.
    Aber für mich lässt sich das auch leichter reden, weil ich nicht in diesem Feld tätig bin *sigh*

    Das finde ich auch schlimm. Ich finde, dass solche Themen auch in die Ausbildung zur Pflegekraft integriert werden sollen. Es gibt so viele Menschen, die eine psychische Erkrankung haben. Man sollte nicht davon ausgehen, dass diese mit einem gewissen Alter verschwindet und das in Altersheimen also nicht mehr wichtig sei.

    Oh Gott.. Das ist arg.
     
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  11. ehemaliges Mitglied

    Eugenia

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    39 Jahre alt
    Dabei seit 6. Juni 2014
    In der Ausbildung werden psychische Erkrankungen und auch ES mit gelernt ... aber irgendwie eher am Rande im Vorbei gehen. Bei uns war es eine Stunde in der wir Borderline durchgenommen haben und da als Unterpunkt die ES gleich mit zusammen mit Depressionen, Ansgststörungen, SVV ... daraus blieb eine Examensfrage die man sich ins Lernheft notiert hat .. es war so wenig dass ich nicht mal selbst erkannt habe dass ich selbst ne ES habe ... und Pica wurde gar nicht erst durch genommen, nicht einmal angesprochen. In de Ausbildung sind ein Drittel Unterricht und zwei Drittel Praxiseinsatz ... man geht davon aus dass man den Rest vor Ort in der Praxis lernt und eigentlich ist das auch gut so. Aber je nachdem wo man seine Psychiatrieeinsätze macht lernt man viel oder ganz wenig.
     
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