Komorbitäten

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von Mary, 30. Juni 2013.

  1. Gast

    Mary

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    Top Poster des Monats

    Hallo ihr Lieben.

    Ich denke, dass viele, wenn nicht sogar alle, neben der Essstörung auch andere psychische oder physische Erkrankungen haben. Das soll jetzt kein Hypochonder-Thread werden, aber es würde mich sehr interessieren, womit ihr neben der ES noch zu kämpfen habt. Ich hoffe, dass das für den öffentlichen Bereich nicht zu persönlich ist.
    Ich wurde vor ca. 2 Jahren mit einer Bipolaren Störung diagnostiziert. Ich habe also manische und depressive Episoden - 'mal sind sie stärker, 'mal schwächer, aber unabhängig von Auslösern sind diese Schwankungen immer da.
    Dementsprechend verändert sich dann auch mein Essverhalten relativ stark und ich schwanke ständig zwischen zu wenig und zu viel Essen. Hinzu kommt SVV in vielen Variationen - vor Allem das Schneiden seit bald 10 Jahren (Tolles Jubiläum :S ).
    Ich habe außerdem sehr quälende Probleme mit dem Magen (Sodbrennen, Reflux) und der Verdauung, die den ständigen Wechsel in Bezug auf das Essen nicht verträgt. Entweder habe ich extremen Durchfall oder extremes Verstopfungsgefühl (sorry für die Details, aber ich denke einige von euch wissen, wie schlimm das sein kann). Beim Arzt war ich deshalb noch nicht, denn eigentlich weiß ich ja, woher es kommt.

    Irgendwie kann man kaum sagen, was bei mir eigentlich die Krankheit ist und was "nur" Komorbität - Jedes Symptom bedingt irgendwie das andere.

    Vielleicht gibt es ja hier noch andere, die mit den gleichen Problemen zu tun haben. Es würde mich freuen, wenn man sich austauschen kann!

    Liebe Grüße,

    Mary
     
  2. ehemaliges Mitglied

    Saoráid

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    Dabei seit 16. März 2013
    Hallo Mary

    Ich denke nicht, dass das ein Problem ist - es kann ja schliesslich jeder das erzählen, was er/sie möchte:).

    Ich bin da wohl ein Ausnahmefall; bei mir ist es tatsächlich 'nur' die Essstörung ohne Begleiterkrankungen (klar geht's mir auch mal schlecht und ich fühle mich depressiv, aber das sind höchstens kurze Episoden, und eine diagnostizierte Depression habe ich definitiv nicht).
    Aber du hast schon recht; sehr, sehr viele Betroffene haben mit Komorbitäten zu kämpfen, und es nicht immer klar, ob die Essstörung die 'Haupterkrankung' oder die 'Nebenwirkung' einer anderen Krankheit ist.
    Was glaubst du selbst denn? Hast du eine Vermutung?

    Viele Grüsse & einen schönen Restsonntag,
    Saoráid
     
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  3. ehemaliges Mitglied

    Carrie

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    Dabei seit 2. Januar 2013
    Hallo Mary,

    ich finde es auch nicht bedenklich, dass du dieses Thema hier öffentlich ansprichst, denn es ist, wie Saoráid schon sagte, schließlich jedem selbst überlassen, ob und wie viel man preisgeben möchte.

    Ich habe einige Begleiterkrankungen, auf die ich jedoch hier im öffentlichen Bereich nicht näher eingehen möchte. Allerdings geht es mir ganz ähnlich wie dir, denn auch ich weiß nicht, was jetzt wirklich eine "eigenständige" oder die "Haupterkrankung" ist und was Komorbität. Allerdings hat mich diese Frage (ebenso wie die Frage nach exakten Diagnosen) lange Zeit so stark beschäftigt, dass mein Zustand sich dadurch noch mehr verschlechtert hat. Daher versuche ich seit einer Weile, mich nicht mehr zu stark über die Symptome zu definieren und mit aller Kraft nach einem "Namen für das Kind" zu suchen, sondern vielmehr, einigermaßen damit leben zu lernen. Aber ich glaube, dass das ein sehr schwieriges und komplexes Thema ist, über das ich auch nochmal genauer nachdenken müsste.
     
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  4. Gast

    Mary

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    Top Poster des Monats

    Hallo ihr Lieben,

    Ich bin mir gerade auch nicht mehr sicher, ob der Begriff der Komorbität (zumindest in meinem Fall, und Carrie scheint das ja ähnlich zu sehen) so überhaupt zutrifft.
    Ich habe das Gefühl, dass meine seelische Verfassung alles andere beeinflusst. Je nachdem, ob ich gerade Depressionen habe oder das Gefühl in mir wächst, dass ich ALLES erreichen kann und ich unschlagbar bin (die gute alte Manie !) und vor Kreatiivität und Aggressionen, Energie und Kraft strotze, verletze ich mich selbst (mit dem Essen oder anderen Dingen als Mittel) oder eben nicht.
    Da diese Phasen ja strenggenommen nur durch die bipolare Störung entstehen, müsste man eigentlich sagen, dass das die Haupterkrankung ist und hierdurch die ES und das SVV.
    Das hört sich ja logisch an. Aber leider fühlt es sich nicht immer so an, da diese gefühlsmäßigen Veränderungen bei mir mittlerweile so in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass sie wie eine Art graues Rauschen ständig präsent sind (Extreme Schwankungen 'mal ausgenommen), während die ES und andere Probleme mich sehr oft sehr heftig und akut quälen. In den Momenten fühlt es sich nicht nach Begleiterscheinung an.

    @ Saoráid: Ich finde es sehr interessant, dass du scheinbar keine Depressionen o.ä. hast - Es fällt schwierig, sich vorzustellen, wie es sich wohl "anfühlen" mag, wenn es wie bei mir so ein chaotisches Durcheinander von Problemen ist. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass sich das ganze Leiden dann bei dir sozusagen auf die ES konzentriert und das stelle ich mir sehr schlimm vor :( Eine große Baustelle ist auch nicht besser oder schlechter als viele kleine, schätze ich :(


    Ich habe mich aber auch schon länger nicht mehr mit diesen Themen beschäftigt, weil ich mich, wie du, Carrie, dadurch immer schlechter gefühlt habe. Stattdessen versuche ich irgendwie zu leben, so gut es geht. Egal, was es ist, ich muss damit umgehen und nicht untergehen. Die Definition kann aber dabei helfen, herauszufinden, was ich tun muss, um damit leben zu können.
    Was mir dazu noch einfällt:

    "Es ist nicht genug zu wissen - man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen - man muss auch tun."

    Johann Wolfgang von Goethe

    Und so wünsche ich euch auch einen schönen Abend und morgen einen guten Start in die neue Woche <3

    Liebe Grüße,

    Mary
     
  5. The Sydney Spacepig

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    Polytoxoman u.Komorbität

     
  6. Saga of Sydney Spacepig

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    Polytoxoman u.Komorbität

    Hey Mary,sorry irgendwas ist beim ersten Versuch zu antworten schief gegangen.Ich denke auch,dass die Esstörung selten allein kommt.Ich glaube,sie ist oft nur das physische u.psychische Merkmal,einer tiefersitzenden Störung.Die Esstörung hab ich seit meiner Kindheit,dazu Ads(Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom-Zappelphillipsyndrom),ich war vier als meine Mutter mich zum ersten mal zum Seelenklemptner geschleift hat(scheint bei uns Familientradition zu sein).Später wurde auch bei mir
    Bipolare Störung diagnostiziert.Mit dreizehn war ich das erste mal betrunken(und wie,aber Hallo).Von da an jedes Wochenende,hackedicht!Aber der Alk war nie so wirklich meine Sache,also fing ich an mit Drogen.(z.B.LSD,Exstasy)Doch dann entdeckte ich die "wunderbare Welt d.Amphetamine"(Speed u.Anorexie=Benzin und Feuer).Ein Jahr später war ich reif für d.Klapse-Exessiver Missbrauch v.Amphetaminen.In der Therapie haben die dann festgestellt,dass ich eine Borderlinestörung habe.Als ich rauskam,aus der Klapse,gings einen Monat gut,doch dann gings weiter.Irgendwann wurde aus Speed,Koks und die Anorexie dazu,ich nenne das"ANANA-Ananarkotik.Dazu qualme ich wie ein Schlot,mindestens eine Schachtel Marlboro am Tag,mit dem Kiffen hab ich aufgehört,weil mir der Doc sagte wenn ich so weiter mache,bin ich in 10-15 Jahren tot.Soviel zu Polytoxomanie o.Komorbität.Diese Welt u.d.Körper,basieren auf Naturgesetzen,Action-Reaction-Ursache-Wirkung-Du erntest was Du säst u.wer Wind sät,erntet Sturm,der Körper vergisst nichts,keine Zigarette,keine Pille,alles was du tust,hat Konsequenzen u.meiner Erfahrung nach,je länger die Konsequenzen auf sich warten lassen,desto schlimmer wird es am Ende!(Einiges habe ich versucht,es auf ein wenig humorvolle Weise wiederzugeben,dass bedeutet nicht,dass ich diese Probleme auf die leichte Schulter nehme,oder irgendetwas verharmlosen will,Selbstironie ist mir stets zu eigen,aber nur wenn es um mich selbst geht, ist das akzeptabel.)CIAO
     
  7. ehemaliges Mitglied

    Breezy

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    Dabei seit 26. August 2010
    Ich finde, dass ist eine schwere Frage. Ich habe auch einige Krankheiten, sowohl psychisch als auch physisch. Ich habe mir auch schon etliche Male den Kopf darüber zerbrochen, was jetzt durch was bedingt ist. Aber das ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Ich glaube, alles kann eigentlich alles verursachen oder bedingen. Wirklich herauszufinden was nun die "Haupterkrankung" ist, halte ich fast für unmöglich.
    Ich versuche mittlerweile auch mir nicht mehr den Kopf darüber zu zerbrechen, ertappe mich aber doch immer wieder dabei, weil ich unterschwellig immer noch das Bedürfnis habe, dem Kind einen Namen zu geben, wie Carrie sagte. Nur wird das wohl leider eine lebenslange Suche bleiben...
     
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  8. ehemaliges Mitglied

    faith

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    Dabei seit 29. November 2012
    Ich wollte hier nur mal kurz einwerfen, dass das Wort "Komorbidität" in erster Linie nicht bedeutet, dass man eine Grund- bzw. Haupterkrankung hat und weitere Begleiterkrankungen (Folgeerkrankungen) die durch die Grunderkrankung bedingt sind, sondern damit einfach nur mehrere eigenständige, abzugrenzende Diagnosen gemeint sind.

    Bedeutet z.B. Diabetes + Depression + Migräne

    Heißt, weder Depression noch Migräne sind Begleit- oder Folgeerkrankungen des Diabetes.. Hoffe das ist einigermaßen verständlich.
     
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  9. Gast

    Mary

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    Top Poster des Monats

    Ja, das fand ich sehr verständlich ! Danke für den Hinweis :)
    Ich denke, dass genau bei der Abgrenzung zwischen Haupt- und Begleiterkrankungen das Problem liegt - "Zählt" das, worunter man am meisten leidet als Haupterkrankung? Oder das, was am meisten präsent ist?
    Ich denke, über die Frage könnte man Bücher füllen und so spontan kann man da keine Antwort finden - Ich freue mich aber, dass wir gemeinsam darüber nachdenken :)

    Liebe Grüße und vielen Dank für eure Antworten!

    Mary
     
  10. schwanenfeder

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    Top Poster des Monats

    Oh über das wurde bei mir auch bei meinem ersten Klinikaufenthalt diskutiert.... was steht im Vordergrund? Welche Krankheit bedingt jetzt die andere? Quasi was ist Henne, was ist Ei? So 100% sicher sind sie sich wohl immer noch nicht... aber momentan auf dem Trichter, dass die Essstörung "zuerst" da war und die schwere depressive Episode bedingt hat und die Borderline-Störung zuletzt "zum Vorschein kam". Nunja. Ich persönlich hab zu meinem Therapeuten gesagt, dass die ES eindeutig diejenige Krankheit ist, unter der ich am meisten leide und die im Vordergrund der Behandlung stehen soll, und dann war das auch ok so für ihn...