Wirklich so "unnormal"?

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von nera, 8. Oktober 2012.

  1. Gast

    nera

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    Guten Abend,

    Ich streife nun schon ein paar Tage durch dieses Forum, nicht weil ich denke das ich eine ES habe sondern weil mir immer wieder gesagt wird, mein Verhalten wäre nicht normal.
    Weiß auch gar nicht so richtig ob ich wirklich schreiben soll.

    Ich war schon immer Übergewichtig und hab so einige Sachen gemacht aber nie geschafft dauerhaft und viel abzunehmen.

    Vor etwa einem Jahr habe ich meine Ernährung komplett auf das Punktesystem umgestellt (habe bis jetzt 65 kg abgenommen), zähle also keine kcal sondern Punkte.

    Soweit so gut, ich habe also meine feste Punktegrenze die ich Theoretisch mit allem füllen kann was ich will, was zu Anfang auch gut geklappt hat.

    Seit einer ganzen Weile ist das ein wenig anders, ich erreiche diese Punktezahl bei weitem nicht mehr weil ich panische angst habe zuzunehmen, ekel mich absolut vor allem was viele Punkte (Fett) hat und überlege sehr lange ob ich das was ich da gerade in der Hand habe wirklich Essen will, meistens lege ich es weg weil es mir doch zu viel hat.

    Muss mich oft regelrecht dazu zwingen nicht absolut zu wenig zu essen weil ich weiß das ich nicht mehr abnehme wenn ich zu viele Punkte spare.

    Sollte ich doch mal alle Punkte verbrauchen, oder gar noch einen teil der gesparten habe ich ein irrsinnig schlechtes Gewissen und überlege wie ich es nun wieder los werde und vermeide das es zu einer Zunahme kommt.

    Ich nehme Abführmittel und andere Diätpillen zur Unterstützung.

    Wenn ich jetzt in den Spiegel sehe finde ich mich irgendwie dicker als jemals zuvor, frage mich schon ob ich nicht so langsam mal zufriedener werden sollte, andererseits ist es auch noch viel was weg soll.

    Der Grund warum alle meinen ich Übertreibe ist, das ich absolut keine Ausnahmen mache und nichts Esse was viele kcal (Punkte) hat.
    Mir wird auch oft gesagt das ich sehr schnell abnehme, finde ich nicht aber egal.

    Wenn mir wer sagt "Es reicht jetzt doch aber langsam mal mit Abnehmen" denk ich mir nur "Hey mach mal die Augen auf, so Fett wie ich jetzt bin bleib ich sicher nicht".

    Also ich merke schon das meine Ansichten etwas anders sind, finde halt ich muss Konsequent sein um mein Ziel zu erreichen und das es schon okay ist wie ich es mache.

    Naja danke fürs zuhören/lesen und ein großes Kompliment für diese tolle Seite.

    LG
     
  2. ehemaliges Mitglied

    Karmah

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    28 Jahre alt
    Dabei seit 30. September 2009
    Hallo Nera,

    ich weiß gerade gar nicht, ob ich dich zu deiner Leistung von 65kg in einem Jahr - die definitiv eine große Leistung ist, keine Frage - beglückwünschen soll, um ehrlich zu sein; auch wenn ich davor großen Respekt habe, bereitet mir das, was du schreibst, doch etwas Sorgen, und ich möchte dich nicht noch zusätzlich in deinem Verhalten bestätigen.

    Selbst wenn du dich nicht als essgestört ansiehst, ist dein Essverhalten definitiv gestört. Das fängt bei der Angst vor kalorien- bzw. punktreichen Lebensmitteln an und hört bei dem Tablettenmissbrauch noch lange nicht auf. Auch deine verdrehte Selbstwahrnehmung ist ein starker Indikator dafür, dass bei dir gerade einiges aus dem Ruder zu laufen droht - wenn es das nicht schon längst ist.
    Ich erkenne einiges meiner eigenen Geschichte in deiner wieder - vor acht Jahren begann meine Essstörung in einer simplen Diät, bei der ich letzten Endes sehr viel mehr als nur das Gewicht, das ich loswerden wollte, verloren habe. Ich habe viel zu spät realisiert, dass bei mir etwas schief läuft. Und ich kann dir auf deine Frage - wirklich so unnormal? - nur eines antworten: ja. So leid es mir tut.

    Darf ich fragen, wie alt du bist? Könntest du dir vorstellen, dich jemandem aus deinem näheren Umfeld anzuvertrauen? Freunden, Eltern, dein Freund (falls du einen hast), ein Arzt?

    Nichts zu danken; dafür ist unser öffentlicher Bereich schließlich da. :hug:
     
  3. Gast

    nera

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    Hallo Karmah,

    vielen Dank für deine Antwort.

    Ich bin 29 Jahre alt und verheiratet.

    Eine gute Freundin weiß von meinem Essverhalten und allzu oft sagt sie mir das sie nicht weiß wo das hinführen soll. Ich muss zugeben das das so ziemlich alles an mir abprallt und ich mittlerweile schon nichts mehr sage was Abnehmen und Essen betrifft, nur das schon alles okay ist so wie es ist und ich halt noch einiges Abzunehmen habe.

    Mein Mann mäkelt auch des öfteren was das wenige Essen soll aber ich lasse mich nicht zum Essen zwingen und wenn ich nicht möchte, dann mag ich nicht.

    Naja ich denk halt immer, wenn ich mal mein Wunschgewicht habe dann wird das schon und für mich ist es noch in weiter ferne.

    Ich kann mir im Moment einfach nicht vorstellen etwas zu ändern, es ist wie gesagt alles in Ordnung in meinen Augen.

    LG nera
     
  4. Gast

    Kris

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    Hallo Nera,

    ich muss dir sagen, dass sich das wirklich nicht gut anhört! Gerade, wenn Nahestehende anfangen, einem ins Gewissen zu reden, ist ein Punkt erreicht, an dem man innehalten und nochmal nachdenken sollte. Dein erster Reflex ist jetzt Abwehr, du ziehst dich zurück. Das ist der nächste Schritt in den Teufelskreis! Man verliert langsam den gesunden Menschenverstand wenn es ums Essen geht. Dass du vor Menschen, die deine Freunde sind, nicht mehr frei darüber sprechen kannst sollte dir wirklich zu denken geben! Sie haben "normale", "gesunde" Gedanken. Ich kann für mich persönlich sagen, dass es niemanden gibt, der gedankenloser essen kann als mein Partner. Das hat mir sehr geholfen, mein eigenes Verhalten immer wieder zu hinterfragen als es mir sehr schlecht ging.
    Du wirst mit egal welchem Gewicht nicht zufrieden sein! Du wirst immernoch in den Spiegel starren und denken, dass du zu dick bist. Das wird sich nicht ändern, egal wieviel du wiegst. Warum? Weil dein Kopf langsam anfängt sich zu verändern. Und du darfst diesem Bild, diesen Gedanken jetzt nicht einfach blind vertrauen! Wende dich bitte wirklich an einen Freund, oder an eine unabhängige Beratungsstelle.
    Sich jetzt in diese Scheinwelt, die dir deine Gedanken eingeben, zurückzuziehen ist sehr gefährlich.
    Niemand sollte dich zwingen und du solltest (wenn das Leben denn perfekt wäre etc.) dich nicht gezwungen fühlen, zu essen. Aber genauso hat doch alles damit angefangen, dass du dich gezwungen gefühlt hast, abzunehmen. Ich meine, ganz klar, mit Sicherheit ist dein jetziges Gewicht gesünder als das davor. Aber eben nur unter der Maßgabe, dass du dich ausgewogen ernährst. Der Körper braucht nunmal Nahrung um zu funktionieren.
    Inwieweit würdest du sagen, ist dein Verhalten jetzt noch frei, ungezwungen wenn es um Nahrung geht? Man möchte sich, grade mit 29 Jahren, natürlich nicht mehr ins Leben reinreden lassen. Aber im Grunde passiert jetzt genau das... dein Leben wird fremdbestimmt. Von einer körperlosen Stimme, einer Idee... den Gedanken in deinem Kopf. Versuch mal, den Apfel, den du aus dem Kühlschrank nimmst, anders zu betrachten. Nicht als Kalorien, als Magenfüller, sondern sieh die Nährstoffe und die Energie, die er dir geben kann.
    Führ dir mal vor Augen, was war denn dein Ziel als du angefangen hast? Und nimm nicht dein Körpergefühl oder was ähnlich Schwammiges, sondern etwas Konkretes. Eine Zahl? Eine Hose? Was war es?
    Hast du das nicht längst erreicht? Wie würdest du jemanden nennen, der nach einem Marathon ins Ziel kommt und danach einfach weiterläuft. Weil er denkt: "Ich bin so weit gekommen, nur ein wenig weiter. Es reicht noch nicht."
    Sollte er sich nicht von einem Freund anhalten lassen, um den Erfolg zu feiern?

    LG
    Kris
    (PS: Ich hoffe das kommt nicht anmaßend rüber. Ich hoffe nur, du machst dir klar, dass der Weg den du beschreitest, sehr gefährlich ist!)
     
  5. ehemaliges Mitglied

    Karmah

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    28 Jahre alt
    Dabei seit 30. September 2009
    Das wird bestimmt funktionieren.

    Das glaube ich dir nicht; wenn du wirklich davon überzeugt wärst, würdest du nicht hier sitzen und genau das hinterfragen.

    Ansonsten schließe ich mich Kris in vollem Umfang an.
     
  6. Gast

    Thornblood

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    Mal ehrlich, die Antwort auf deine Frage hast du dir doch schon selber gegeben. Du kommst in ein Forum für Essgestörte, in Hoffmung auf Rat. Um einen Rat geben zu können, muss man die Situation des Ratsuchenden nachvollziehen können. Würdest du darauf spekulieren, dass Menschen, die schon seit langer Zeit essgestört sind und die gar nicht mehr aus erster Hand wissen, wie es ist, 3 (oder 5) normale Mahlzeiten einzunehmen, deine Situation nachvollziehen könnten, wenn du selbst dein Essverhalten als normal sehen würdest? Wer Rat einholt, sucht seinesgleichen.
    Und auch deine Beschreibung bestätigt es. Es ist weder normal noch gesund, so akribisch Punkte etc. Zu zählen. Essen ist doch dann für dich keine Nahrungsaufnahme/Energiezufuhr mehr, sondern ein Stressfaktor. Und das ist der erste Schritt zum Abgrund.
    Also lüg dir nicht in die Tasche. Du bist dabei, eine Essstörung zu entwickeln, also ab zur Beratung und zum Arzt mit dir. Zieh die Notbremse, sonst beschert dir dein Lebenswandel eine Reise ins Verderben. Und unter uns, ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass die Verpflegung dort wirklich eine Katastrophe ist.
     
  7. ehemaliges Mitglied

    Karmah

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    28 Jahre alt
    Dabei seit 30. September 2009
    Ach, Quatsch. Alles ganz normal. Auch der Missbrauch von Abführmitteln und das Einwerfen irgendwelcher Diätpillen, alles total gesund, ebenso wie das kontinuierliche Expandieren des Spiegelbilds, während die Zahlen auf der Waage das Gegenteil tun. Weiß nicht, was du hast. Alles ganz normal und kein Grund zur Panik.
    </sarkasmus>
     
  8. ehemaliges Mitglied

    Libellentraum

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    Dabei seit 21. Juni 2012
    Liebe nera,
    ja, ich denke auch, du bist in einen grenzwertigen Bereich gerutscht.
    Panische Angst vor Gewichtszunahme, das Spiegelbild, das nicht mit der immer niedrigeren Zahl auf der Waage korreliert, restriktives Essverhalten, Diätpillen - das alles sind Kriterien einer Essstörung.
    65kg in einem Jahr sind eine ganze Menge. Da ging die Veränderung an deinem Körper wohl auch zu schnell für dich, um dich an die neue Figur zu gewöhnen. Deshalb kann es sein, dass du dich immernoch als fett wahrnimmst, auch wenn du weit davon entfernt bist.
    Du scheinst noch relativ am Anfang zu stehen, wehalb die Chance gut ist, dass die Essstörung bei dir noch nicht chronisch ist. Das bedeutet, du kannst noch die Reissleine ziehen und dich aus dem ganzen Müll herausziehen. Ob via Selbsthilfemassnahmen oder mit professioneller Hilfe, das bleibt dir überlassen. Aber bitte, tu es! Glaub mir, eine chronische, manifeste Essstörung wird man nur schwer wieder los (gerade als Erwachsener) und es ist absolut kein Spass. Der Hass auf deinen Körper wird nur noch grösser, egal, wieviel du abnimmst. Es wird bei deinem Zielgewicht nicht aufhören, dein Zielgewicht wird sich nach unten hin ändern, weil du dich immernoch schrecklich fett finden wirst, du wirst weniger essen, dann fressen, dann Pillen schlucken, mehr und mehr. Du wirst in einen Teufelskreis geraten, der aus der Zahl auf der Waage, weniger essen, nichts essen, FAs, Gegenmassnahmen und wieder hungern besteht. Irgendwann interessiert dich nichts anderes mehr als (nicht) essen und dein gewicht. Deine Freunde werden dich nicht mehr verstehen, aber das ist egal, weil sie dich immer weniger interessieren, die Beziehung zu deinem Mann wird sich immer mehr verschlechtern, aber egal, alles wird besser, wenn du erst einmal dünn bist, das wirst du zumindest glauben. Nur, dass du nie so dünn sein wirst, dass alles gut sein wird, nicht für dich.

    Willst du deine Familie und deinen Freundeskreis riskieren, nur, um dünn zu sein, auch, wenn du es nie sehen wirst? Willst du deinen Stoffwechsel, deine Gesundheit, deinen Körper ruinieren?
    Denn das ist, was eine Essstörung früher oder später tun wird.

    Du hast bereits gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Das ist gut.
    Jetzt hast du es in den Händen, dich aus der Misere zu retten.
    Hol dir die Unterstützung deines Mannes, deines Umfeldes, rede mit ihnen. Es ist keine Schande, in ein essgestörtes Verhalten hineingerutscht zu sein. Schlimmer ist es, wenn du dich weiter fallen lässt.
     
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  9. Gast

    nera

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    Ja stimmt schon ich bin hierher gekommen weil ich von Menschen die sich damit auskennen hören wollte ob es stimmt, was die anderen so sagen.

    Ich habe versucht mit der einen Freundin zu reden, aber sie nimmt mich gar nicht richtig ernst.
    Sie tut es als Spinnerei ab und ich solle aufhören mir so einen „Bullshit“ einzureden.

    Ich tu mich halt extrem schwer, mit meinen Problemen auf wen zuzugehen, so Reaktionen wie die von Ihr sind auch nicht gerade hilfreich.

    Sehe mittlerweile ein das es nicht okay ist was ich so mache, nun muss ich zusehen das ich das geändert bekomme.