Wundermittel Therapie

Dieses Thema im Forum "Diskussionen" wurde erstellt von crimson.butterfly, 3. Mai 2011.

  1. ehemaliges Mitglied

    crimson.butterfly

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    Dabei seit 12. Oktober 2009
    "Ich litt letzten Winter unter Depressionen.. das war ganz furchtbar. Aber jetzt gehts mir wieder gut. Wenn man nur will kommt man da ganz schnell wieder raus! Warum probierst du das nicht?"

    Wie ich es HASSE wenn diese saisonbedingten Depressionen mit meiner, von Psychiater und Therapeut dignostizierten "sehr schweren Depressionen" verglichen werden.

    Vergleicht man denn eine Erkältung mit Krebs?
    Bei einer Erkältung geht man zum Arzt, bekommt vielleicht etwas leichtes verschrieben. Und wartet ein paar Tage.. vielleicht Wochen. Dann ist alles überstanden. Auch wenn man zwischendrin womglich dachte man überlebt es nicht.

    Und Krebs? Man geht zum Arzt. Bekommt meist schwere Medikamente und eine lange, sehr lange Therapie.

    Es ist ein Unterschied ob man mal ein paar Wochen depressiv ist, weil im Leben gerade gar nichts gut läuft. Es ist menschlich dann diese Selbstzweifel und womöglich Lebensunlust zu haben. Fast jeder Mensch hat einmal so eine Phase.
    Oder ob man seit Jahren mit diesen Symptomen zu kämpfen hat.

    Anfangs kämpft man noch. Möchte raus aus diesem Loch. Aber was ist wenn es nicht klappt? Trotz aller Anstrengungen? Was ist wenn diese Selbstzweifel nie gehen? Wenn sich diese unglaubliche Traurigkeit immer weiter ins Herz frisst?

    Ich habe lange Zeit gegen diese Krankheit gekämpt. JA, es ist eine Krankheit. Kein Faulsein, keine Hormone.

    Ist es verständlich wenn es mich wütend macht wenn Leute, die von richtigen Depressionen keine Ahnung haben, mich belehren wollen was ich falsch mache?
    Leute, die ein paar Wochen in einem Tief steckten wollen mir, die seit Jahren dagegen kämpft sagen, ich müsse nur aus dem Haus gehen? Mir ein Hobby suchen?

    Klar, ich ging aus Spaß an der Freude fast zwei Jahre in Therapie.
    Man wollte mich aufgrund von Faulheit in eine Klinik stecken.
    Eine bipolare Störung bildet man sich nur ein. Sie ist eine passende Ausrede wenn man den Abend lieber zu Hause verbringen möchte.
    Oder sind doch wieder nur die Hormone dran schuld?

    Ich habe soviele unbedachte Kommentare ertragen müssen.
    Erst schob man meine Krankheit auf Hormone. Denn soetwas wie Depressionen gibt es ja nicht wirklich.
    Dann litten sie selbst einmal drunter. Und sofort gab es Depressionen natürlich. Nur ist man nun der Auffassung sie vergehen schnell wieder.
    Immer hatten sie eine Erklärung parat. Und ich war einfach.. zickig? Gerne krank? Faul?
    Die Narben an meinem Körper trage ich aus Modegründen. Um Aufmerksamkeit zu bekommen?

    Und selbst wenn dann die Diagnose "schwere Depressionen" auch bishin zum letzten Zweifler durchgerungen ist, bleibe ich nicht von unwissenden Kommentaren verschont.

    "Warum geht es dir nicht besser? Du hattest doch heute deine erste Therapiesitzung. Du konntest reden. Konnte sie dir nicht sagen was du falsch machst? Und was ist mit den Tabletten die du nimmst? Die machen doch alles besser. Machen dich glücklich oder?"

    Jaa, Antidepressivum macht glücklich. Hmh. * nick*
    Gefühllos trifft es eher. Nach der schlimmen Anfangszeit wo die Selbstmordrate aufgrund der Tabletten erst noch steigt.
    Glücklich? Nein. In kürzester Zeit braucht man immer höhere Dosen um nicht abzustürzen.
    Wie soll das glücklich machen?
    Und warum soll nach einer Therapiesitzung plötzlich mein ganzes Leben wieder in Ordnung sein?

    Ich kämpfe. Jeden Tag aufs neue. Aber warum? In den Augen anderer bin ich schon lange ein hoffnungsloser Fall. Faul. Spiele gerne die Rolle des Opfers. Suche mir immer neue Dinge, damit andere mich bemitleiden.

    Oh Gott.. wie gerne würde ich jeden, der so über mich denkt, einmal eine Woche in mein Leben stecken.
    Eine Woche meinen täglichen Kampf mit mir selbst ausfechten lassen..
     
  2. ehemaliges Mitglied

    Lilienne

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    Dabei seit 20. Dezember 2010
    Ich fasse das nicht. Ich dachte Depressionen (gerade schwere Depressionen, die nicht nur phasenweise auftreten) wird ernst genommen bzw. als Krankheit angesehen.

    Wie kommt men dann darauf, dass depressive Menschen faul seien? Könnten sich diese Menschen (und auch du) es sich aussuchen, dann würden sie sich nicht hassen, nicht an sich zweifeln, nicht zu Hause hocken, einfach das Leben genießen.
     
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  3. ehemaliges Mitglied

    Jessi

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    Dabei seit 1. Mai 2011
    Dein Beitrag macht mich sehr traurig.
    Ich merke in meinen Beruf leider sehr oft das gerade psychische Krankheiten einfach nicht ernst genommen werden.
    Nicht mal von meiner eigenen Chefin.
    Der Ärztin.

    Selbst diese Frau macht sich über Menschen mit Depressionen, Burn out oder Schizophrenie ein Stück weit lustig.
    Das kann einfach nicht sein.
    Aber ich glaube das man diese Welt nie mehr ändern wird.
    Man ist nur krank für andere wenn man es sieht.
    Wenn mir zum Beispiel ein Bein fehlen würde oder was weiß ich.

    Trauriges Land.
     
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  4. ehemaliges Mitglied

    weakling

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    Dabei seit 4. Januar 2011
    Ich selbst hatte nie Depressionen und nenne Phasen, in denen mir der Antrieb fehlt und ich mich schwach und traurig fühle ein "Tief" oder einen "Depri". Ich könnte jedes Mal ausrasten, wenn Leute solche Phasen als "Depression" bezeichnen.
    Ich finde deinen Text deshalb ziemlich genial und würde ihn am liebsten all diesen Leuten unter die Nase reiben.
     
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  5. Kleine_Mondfee

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    Hallo erstmal,
    bin noch ganz "frisch" hier :)

    Aber zu dem Thema fällt mir auch was ein. Ich habe generell das Gefühl das Therapeuten, sich das alles viel zu einfach vorstellen. Sie arbeiten quasi ihre Liste "heilender Maßnahmen" ab und solange man sich irgendwie im Rahmen bewegt macht man Fortschritte.

    Bei meiner Therapeutin habe ich zumindest manchmal das Gefühl. Ich habe 2 kg zugenommen und habe ihr gesagt das ich mich überhaupt gar nicht wohl fühle. Da sagt sie nur, aber das Gewicht geht aufwärts, ich soll warten dann gehts bald auch mit allem anderen Aufwärts. Sie geht überhaupt nicht darauf ein, wie es in mir drinnen aussieht. Sie meint nur immer das Gewicht wird schon alles regeln. Ich weiß nicht was ich davon nun halten soll.
    Ich will die Therapeuten ja nicht alle in einen Sack werfen, aber scheinbar ist es schwer einen wirklich guten Therapeuten zu finden...


    Liebe Grüße :)
     
  6. Gast

    Cahandria

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    Meine Therapeutin war genauso fixiert auf jede Gewichtszunahme und Gemütsschwankung, schrieb mir fleißig Rezepte, aber sich die Mühe zu machen, um hinter die Fassade zu schauen machte sie sich nie. Wahrscheinlich fehlt auch die Zeit, die man sich nehmen müsste ... leider.
    Am Ende stehe ich zwar da mit "normal Gewicht" und auf Tabletten eingestellt, fühle mich aber wesentlich schlechter als zu Beginn der ganzen Sache *mhh*
     
  7. Kleine_Mondfee

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    Mhm ja, das finde ich echt mies. Ich mein wie wollen sie uns damit letztendlich helfen? Wie können sie da mit gutem Gewissen sitzen und glauben das hat ernsthaft erfolg? Ich mein gerade diese sogenannten Fachleute müssten doch wissen, das gerade nicht nur um das Gewicht geht...aber scheinbar findet man diejenigen die das gerafft haben wohl eher selten :(
     
  8. ehemaliges Mitglied

    Lilienne

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    Dabei seit 20. Dezember 2010
    Meiner Meinung nach sollten diese Therapeuten keine ESler therapieren.
    Meine z.B. ist nicht so. Also sie schaut schon ins innere. Sie fragt nach, warum ich mich so fühle. Was ich denke, was ich sehe. Klar, es ist anstrengend zu reden und zu erklären...aber naja, Therapie halt. Also es gibt auch gute Therapeuten.

    Als im KH war wegen der OP musste ich natürlich auch einen Bogen ausfüllen.
    Da stand: "Leiden Sie an Gemütsleiden? (z.B. Depressionen)"
    Ich musste da sofort an diesen Thread denken.

    Gemütsleiden... Gemüt bedeutet doch Stimmung/Gefühle/seelische "Anlage" etc.
    Ich finde es eine Frechheit, dass die Depression unter Gemütsleiden gesteckt wird. Es ist eine Krankheit. Nicht irgendein Gefühlschaos oder sonstiges.
    Vllt definiere ich Gemütsleiden auch total falsch. Aber das hat mich erstmal stutzig gemacht.
     
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  9. Gast

    jay kay

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    Ich habe die Hälfte meines Lebens mitbekommen, was Depression bedeutet. Mein Vater litt an einer "Manischen Depression" oder auh bipolaren Störung. Wahrscheinlich schon vieeeeeel länger, als wir wußten. Daraus hat sich bei ihm auch noch ein Alkoholismus entwickelt. Er war ein so genannter "Quartalstrinker". Viele Dinge hat er versucht, um einen Weg daraus zu finden. Manchmal schien es tatsächlich als könne er es schaffen. Dann kam der nächste schwere Absturz. Er war sehr verzweifelt! Therapien und Entzüge konnten ihm leider gar nicht helfen. Die Therapeuten hatten auch keine echte Chance, denn er hat meist abgeblockt. Letztlich hat der Alkohol sein Herz schwer geschädigt. Es hatte nur noch eine Leistung von 30 Prozent. Den letzten selbst durchgeführten Entzug bei sich zu Hause, hat er leider nicht überlebt. Man fand ihn tot in seiner Wohnung. Wie es dort aussah, kann sich keiner vorstellen. Dies ist nun bald drei Jahre her. So schlimm es auch für uns alle war, denke ich doch, seine Seele hat nun ihren ersehnten Frieden gefunden. Das alles hat meine Familie zerstört. Meine Mutter, meinen Bruder und mich für immer innerlich zerrissen und doch muß ich sagen, daß es eine Erlösung war zu wissen, ich muß mich nicht mehr permanent Sorgen. Denn obwohl ich mein eigenes Leben geführt habe und ihn auch nicht mehr so oft gesehen habe die letzten Jahre, nur wenn es ihm gut ging, war die Angst es könnte etwas passieren doch immer in mir drin.

    Ich weiß was eine schwere Depression bedeutet und hoffe, Dein Schicksal wird ein anderes sein. Leider kenne ich keinen Weg daraus und kann Dir nichts helfendes sagen. Nur, Du bist nicht allein!
     
  10. kleinerEngel

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    Ich kann nur erahnen wie du dich fühlst, aber ich verstehe deine Wut. Ich habe 1 Jahr lang bei meiner Tante gelebt, die manisch-depressiv ist. Viele Menschen wollten einfach nicht verstehen, dass sie krank ist. Wie du beschrieben hast, meinten viele sie wäre faul, deshalb geht sie nicht aus dem Haus und deshalb arbeitet sie nicht.
    Ich hatte damals so eine Wut auf diese Menschen. Ich musste mit ansehen wie schlecht es meiner Tante gint und diese Leute machten sich regelrecht lustig über sie.
    Wenn sie mal eine manische Phase hatte und alles von zuhause verschenkt hat (z.b. die Teppiche oder das Bügeleisen) wusste ich manchmal nicht was ich sagen sollte. Aber das schlimmste war immernoch wenn sie das Gefühl hatte, dass sie jemand ermorden will. Ich hatte in meinem Leben noch nie so eine schrecklich Angst. Und was machten die Leute??

    Wie gesagt ich kann nur erahnen wie du dich fühlst, aber bleibe stark. Ich würde dir das Buch Ich kann nicht wollen empfehlen, vielleicht hast du es ja schon gelesen, falls nicht es ist wirklich gut :)
     
  11. ehemaliges Mitglied

    Bubi

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    Dabei seit 3. März 2010
    Das ist so wahr. Ich danke dir fuer diesen Text!
    Meine Eltern meinen ich bin faul, nach meinem einzigen Freund damals, will ich es ja so, weil ich mir ja nicht helfen lasse, er selber hatte ja auch Depressionen und ist nun alles wieder gut. -.-
    Die Lehrer meinten, es sei meine Schuld, dass ich so muede bin, weil ich doch die ganze Nacht am PC hocke, oder sonst was mache.
    Das ich stundenlang in meinem Bett lag, versucht habe zu schlafen, aber meine Gedanken mich aufgefressen haben, haette mir niemals jemand geglaubt, dass ich jede Nacht am heulen bin, mich selbst dafuer hasse nichts auf die Reihe zu bringen.
     
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  12. Gast

    Painless

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    crimson.butterfly, du hast mit dem Text genau das gesagt, was auch tagtäglich in mir vorgeht- und es lässt einen wütend, traurig und noch depressiver werden. Die Menschen denken, dass man mit Medikamenten vollgestopft wird und mal zum Seelenklempner geht und dann ist ja alles wieder gut.

    Erst vor kurzem hat eine Bekannte zu mir gesagt: "Hey, warum hast du denn keine Lust auf Party? Du bekommst doch jetzt neue Medikamente und dir muss es doch besser gehen damit"- Ja, Klaaaaar.... O.o HALLO?!

    Ein super Buch für Außenstehende ist "Mein schwarzer Hund- wie ich meine Depressionen an die Leine legte". Ich bin mal so frei und zitiere:

    "Mein schwarzer Hund- wie ich meine Depressionen an die Leine legte

    Wenn ich zurückschaue, geisterte der schwarze Hund durch mein Leben, seit ich Anfang 20 war. Wann immer er sich blicken ließ, fühlte ich mich leer und das Leben schien nur langsam abzurollen.
    Der schwarze Hund konnte mich aus heiterem Himmel heimsuchen, scheinbar ohne jeden Grund. Er schaffte es, dass ich mich älter fühlte und älter aussah, als ich in Wirklichkeit war.
    Während alle anderen das Leben zu genießen schienen, sah ich es durch die schwarze Hundebrille. Dinge, die mir normalerweise Spaß machten, wurden auf einmal schal und leer. Besonders gern verdarb mir der schwarze Hund den Appetit. Er zernagte mein Gedächtnis und meine Fähigkeit, mich zu konzentrieren. Mit dem schwarzen Hund etwas zu unternehmen oder wohin zu gehen, verlangte mir übermenschliche Kräfte ab. Wenn der schwarze Hund mich zu einer Party begleitete, wusste er genau, wie er mir noch den letzten Rest meines Selbstvertrauens rauben konnte. Meine größte Angst war, durchschaut zu werden. Ich machte mir Sorgen, dass die Leute mich dann ablehnen könnten.
    Weil ich mich für den schwarzen Hund schämte und mich gebrandmarkt fühlte, wurde ich ein Weltmeister in der Kunst, allen etwas vorzuheucheln- zu Hause und bei der Arbeit. Eine emotionale Lüge durchzuhalten, kostet unglaublich viel Kraft. Es ist, als versuche man, Epilepsie, einen Herzinfarkt oder Diabetes zu verheimlichen.
    Der schwarze Hund konnte mich dazu bringen, gemeine Dinge zu sagen. Der schwarze Hund machte mich reizbar und ich wurde unausstehlich.
    Der schwarze Hund drängte sich schamlos zwischen meine Liebe und mich. Gern weckte er mich mit immer wiederkehrenden negativen Gedanken.
    Wenn man einen schwarzen Hund hat, fühlt man sich nicht nur ein bisschen niedergeschlagen, traurig oder melancholisch. Im schlimmsten Fall fühlt man überhaupt nichts mehr. Mit der zeit wurde der schwarze Hund immer größer und wollte überhaupt nicht mehr verschwinden. Oft sagte ich JETZT REICHT´S MIR- und ich wehrte mich mit allem, was mir in die Hände fiel, um ihn in die Flucht zu schlagen. Doch meistens behielt er die Oberhand. Zu Boden gehen war dann leichter, als wieder auf die Beine zu kommen. Schließlich lernte ich ganz gut, mir selbst meine Medizin zu verabreichen.. was niemals wirklich half.
    Mit der Zeit fühlte ich mich vollkommen ausgeschlossen, von allem und jeden. Irgendwann hatte es der schwarze Hund geschafft, mein Leben voll und ganz zu beherrschen. Er zwang mich in die Knie. Mein Lebenswille hatte mich verlassen.
    Um diese Zeit suchte ich professionelle Hilfe, und meine Krankheit wurde diagnostiziert. [...]"


    Dieses Buch beschreibt mit wenigen Worten und vielen Bildern für Familie und Angehörige die Depressionen sehr gut. Ich finde es noch harmlos, wie sie dargestellt werden, weil nicht ganz klar wird, was für unglaubliche Qualen Depressionen wirklich darstellen können. Aber meinem Papa und meinem Freund hat es geholfen, mich ein wenig besser zu verstehen, da ich auch oft als faul bezeichnet wurde.

    Aber hey, es ist kein Spaß, wenn man nicht mal den Antrieb findet, um morgens zu duschen. Nein, es ist kein Spaß, es macht einen kaputt, so "leben" zu müssen...
     
  13. ehemaliges Mitglied

    Breezy

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    Dabei seit 26. August 2010
    Du sprichst mir mit diesem Text aus der Seele.

    Kein Mensch kann sich vorstellen wie schlimm ein Leben mit Depressionen ist. Nicht nur mal eine schlimme Phase, sondern wenn man wirklich depressiv ist.

    Ich weiss, dass das keiner wirklcih nachvollziehen kann, der nicht selbst darunter leidet. Aber man könnte sich wenigstens informieren und ein wenig Empathie an den Tag legen.

    Ich durfte mir auch immer und immer wieder bescheuerte Kommentare anhören. Ich sei faul, ich solle mein Leben in die Hand nehmen, ich solle mich nicht in meinem Elend suhlen, vom nichts tun würde es nicht besser werden, jetzt nach der Klinik muss doch alles wieder gut sein,.........
    Die Liste wäre wohl endlos.

    Es macht mcih wahnsinnig traurig und wütend, wenn die Leute teilweise einfach nicht verstehen WOLLEN. Sich nicht die Mühe machen. Einen einfach abstempeln.

    Ich habe es aufgegeben, irgendetwas zu erklären. Ich bin es leid und müde. Umso mehr ziehe ich mich zurück, was den Teufelskreis nur noch enger werden lässt.
     
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  14. Gast

    Painless

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    Und damit sprichst du mir aus der Seele.

    Es ist einfach nur traurig und lässt einen ans Ende seiner erst schon geringen Kräfte kommen, den Menschen etwas erklären zu wollen, diese sich jedoch querstellen.
    Ich sitze doch nicht seit einem Jahr in meinem Bett fest, weil die Medikamente etwas bringen. Ich vernachlässige doch nicht alles, weil ich faul bin. Ich kriege doch mein Leben nicht nicht auf die Reihe, weil ich nichts erreichen will. Ich bin doch nicht so emotionslos, weil mir mein Umfeld egal ist.

    Ich bin schon froh, dass ich um die Klinik drumrum gekommen bin, denn ich sollte auch eingewiesen werden. Aber ich bezweifle, dass es mir auf Dauer geholfen hätte. Was wäre denn besser gewesen? Ich wäre entlassen worden, zurück in die Welt geschickt worden, die ich so sehr fürchte und mit der ich nicht zurechtkomme. Aber das versteht keiner.

    Dieses Buch hat aber, wie schon gesagt, wenigstens zwei wichtigen Personen in meinem Leben geholfen, mich wenigstens ein Stück weit besser zu verstehen und auch dementsprechend nicht auf mir herumzuhacken.
     
  15. Gast

    Stella

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    Der Text hat mich sehr traurig gemacht. Es ist eh schon schwer genug, mit einer Depression zu leben...wie soll man es denn schaffen, wenn dann auch noch alle um einen herum bezweifeln dass es überhaupt eine Krankheit ist!?
    Es ist schrecklich, wenn niemand versteht, in was für einer Lage man sich dauerhaft befindet!!!
     
  16. Gast

    Painless

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    Aber ich glaube, dass viele es auch einfach nicht verstehen KÖNNEN. Wie soll man auch einem gesunden Mensch erklären, wie genau sich Depressionen anfühlen, warum man nicht einfach so aufstehen KANN, warum man auf einmal keine Freude mehr haben KANN, warum man keinen Antrieb mehr hat?

    Natürlich ist es verletzend und macht einen müde und traurig, wenn man immer und immer wieder merkt, dass Außenstehende einfach kein verständnis aufbringen. Ich denke, dass die meisten einfach nicht ausreichend aufgeklärt sind über psychische Erkrankungen. Wie soll denn auch jemand eine Depression verstehen, der sie nciht selbst durchlebt hat? Ich bin froh, dass ich das Buch gefunden habe, da es wenigstens ein klein wenig Licht ins Dunkle gebracht hat bei meinem Dad.
     
  17. Gast

    Stella

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    Ich denke schon, dass man eine Depression auch verstehen kann, wenn man nicht selbst davon betroffen ist. Sonst wären wohl viele Psychologen arbeitslos. Und mit verstehen meinte ich eigentlich gar nicht, dass man sie haargenau nachempfinden kann, sondern sich einfach einmal mit dem Thema auseinander gesetzt hat und halt verstehen kann, dass ein depressiver Mensch nicht aus Faulheit antriebslos u.s.w. ist.
    ...und dass man mal ein wenig Verständnis dafür aufbringen könnte!
     
  18. ehemaliges Mitglied

    Breezy

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    Dabei seit 26. August 2010
    Ich finde aber nicht, dass man Psychologen (und auch da gibt es gute und schlechte) im Bezug auf das Verständis um eine Depression mit "normalen" Menschen gleichsetzen kann.
    Natürlich können die Leute sich informieren, Wissen darüber aneignen, sich belesen etc. Und ja, einig können es sicher auch ansatzweise verstehen, aber ich habe es noch nie erlebt, dass sich jemand wirklich in diese Situation hineinversetzen kann. Es wird vllt eine gewisse Zeit "toleriert", aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo sie einfach kein Verständnis mehr aufbringen können, einfach nicht verstehen können, wieso es nicht besser wird. Nicht verstehen, wie machtlos wir dem ganzen selbst ausgeliefert sind.Und spätestens dann bekommt man diverse Sprüche zu hören..
     
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  19. Gast

    Painless

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    Ja, so sehe ich das auch.

    Und genau DAS meinte ich auch damit. Natürlich wollen einige verstehen, was mit depressiven Menschen geschieht, aber sich wirklich in jemanden hineinzuversetzen ist eben die andere Sache. Und ab einem bestimmten Punkt ist es einfach schwer für Außenstehende, zu begreifen, weshalb Therapie und Medikamente nicht immer etwas bringen, wieso es eben nicht besser wird. Und das ist sehr schade. Aber ich weiß nicht, ob man den Menschen Vorwürfe machen kann- ich denke nicht.
     
  20. ehemaliges Mitglied

    Lilienne

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    Dabei seit 20. Dezember 2010
    So an sich kann man das vllt nicht.
    Aber wenn der Mensch eine kranke Person abstempelt hat dieser Mensch es auch nicht verdient in "Schutz" genommen zu werden. Auch wenn man diesen Menschen keine Vorwürde machen kann gibt es immer noch Grenzen.
     
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